Kreisvolkshochschule

Kreisvolkshochschule: Zufriedener Abschied von Stephan Köcke

Wittenberg - Stephan Köcke, der langjährige Direktor der Kreisvolkshochschule, geht in den Ruhestand. Er hat viel geschafft in seinem Berufsleben.

Von Marcel Duclaud 10.09.2018, 05:59

Die Kisten sind schon weg, der große Schreibtisch ist so gut wie geräumt. Stephan Köcke ist ein organisierter Mann. Nicht zuletzt das dürfte ihm zum Vorteil gereicht haben bei der erfolgreichen Bewältigung seines Jobs, von dem sich der 65-Jährige jetzt verabschiedet. Stephan Köcke hat seit August 1991 die Kreisvolkshochschule Wittenberg geleitet, er geht als ein zufriedener Mensch: „Ich weiß, der Laden funktioniert, er läuft.“

Dass das so ist, daran hat der Magdeburger, der Mitte der 1970er Jahre als Lehrer für Physik und Mathe (später Informatik) nach Wittenberg kam, einen außerordentlich großen Anteil. Köcke baute mit seinem Team die Volkshochschule, wie sie heute zu erleben ist, auf. Zwar gab es sie schon zuvor, und der Lehrer Köcke unterrichtete seit Mitte der 1980er Jahre dort auch, aber der Charakter hat sich deutlich gewandelt.

Früher spielte der zweite Bildungsweg eine Hauptrolle, das fiel nach der Wende weg, blieb nur den Oberzentren vorbehalten. „Von den 7 000 Unterrichtseinheiten waren 6 300 plötzlich verschwunden“, erinnert er sich. „Wir mussten vieles neu entwickeln. Das war eine echte Herausforderung.“ Ein schwieriger Beginn in einer Drei-Raum-Wohnung in der Sternstraße, wo früh am Morgen noch der Kachelofen geheizt werden musste.

Einer aber, bei dem es kollegiale Hilfe gab, aus Gifhorn zum Beispiel oder aus Göttingen. Dort ist das erste Programm gedruckt worden: „Wir hatten dafür gar kein Geld.“ Damals seien die Angebote im Übrigen nicht immer Treffer gewesen, räumt Köcke ein: „Wir haben mehr reagiert als agiert. Das ist heute anders.“

Der Bedarf werde analysiert, gesellschaftliche Notwendigkeiten werden berücksichtigt - „und natürlich haben wir inzwischen einige Erfahrung.“ Die Trefferquote, sagt Köcke stolz, liege in Wittenberg über dem Bundesdurchschnitt. Der bewegt sich bei 80 Prozent, die KVHS Wittenberg komme in manchen Bereichen auf 95 Prozent. Die Quote bemisst sich an der Zahl der tatsächlich durchgeführten Kurse.

Um die 440 sind das inzwischen bei rund 5 000 Teilnehmern und 12 600 Unterrichtseinheiten. Lagen anfangs, in den 1990er Jahren also, die Schwerpunkte bei Sprachen, Computer und Schreibmaschine, sind jetzt Gesundheitsthemen, berufliche und politische Bildung sehr wichtig geworden.

Die Vielfalt der Angebote ist immens. Sie reicht von so speziellen Dingen wie dem Umgang mit Feuerlöschern über Kinder-Yoga bis hin zu Finanzbuchhaltung, zu Tablet- oder Integrationskursen. Nicht zu vergessen die Sprachen, die nach wie vor stark nachgefragt werden - wobei es zunehmend schwierig werde, Dozenten zu finden - oder aber die kulturellen Offerten. Da sind bisweilen aus Kursteilnehmern Kursleiter geworden, bemerkt der scheidende Chef.

Zu den größten Erfolgen in Stephan Köckes Laufbahn zählt ganz sicher der Aufbau und die Etablierung des Bildungszentrums Lindenfeld, einer gemeinsamen Heimat von Kreismusikschule, Kreisvolkshochschule und Kreisarchiv - in einem kommunalen Haus. „Das wird hervorragend und zunehmend in Anspruch genommen“, freut sich der Direktor. Die Initiative sei damals von ihm ausgegangen, gemeinsam mit Musikschuldirektor Markus Biedermann habe er das Projekt vorangetrieben - und dann auch breite Unterstützung erfahren. „Es gab aber Zeiten, wo wir glaubten, das nie zu schaffen.“

Stephan Köckes langes Arbeitsleben geht zu Ende. Er kann auf eine ziemlich stetige Entwicklung nach vorn verweisen. Das ist nicht allen vergönnt. Um so leichter fällt der Abschied. Sein Job, der ihm überwiegend Freude bereitete, endet am 30. September, wegen einiger Tage Urlaub ist für ihn schon vorher Schluss.

Ein Nachfolger ist noch nicht benannt, für eine Übergangszeit übernimmt Musikschulchef Biedermann die Aufgabe, die Volkshochschule zu leiten. Dass es ihm lieber gewesen wäre, den Nachfolger oder die Nachfolgerin noch ein bisschen einzuarbeiten, verhehlt Köcke nicht. „Mein Herz hängt hier schon dran.“ Der gebürtige Magdeburger, der die Elbe nie verließ - er hat in Dresden studiert - bleibt der Stadt Wittenberg aber erhalten. Er ist hier längst verankert, hat ein Haus, dem er sich nun stärker widmen will, wie auch der Familie mit den Enkelkindern und dem Sport: „Eines meiner Ziele lautet: fünf Kilo abnehmen.“ (mz)