Versorgung

Kostbares Wittenberger Wasser soll besser geschützt werden

Landkreis beabsichtigt Wasserschutzgebiet Berkau neu festzusetzen. Noch bis 7. Februar können Bürger Einwände gegen das Vorhaben erheben.

Von Irina Steinmann 08.01.2022, 14:00
Wasserschutzgebiet im Wittenberger Ortsteil Berkau
Wasserschutzgebiet im Wittenberger Ortsteil Berkau Foto: Thomas Klitzsch

Berkau/MZ - Der Landkreis Wittenberg beabsichtigt eine Erweiterung des Wasserschutzgebiets Berkau. Die zuletzt 1973 festgesetzte Fläche entspreche nicht den heutigen Anforderungen, hieß es zur Begründung; verwiesen wird zudem auf formale Mängel seinerzeit. Die Midewa betreibt nordöstlich des Wittenberger Ortsteils zwei Trinkwasserbrunnen, die es zu schützen gilt samt deren in drei Zonen aufgeteilten Einzugsgebiets. Die Anlage befindet sich im Nordosten des zu Straach gehörenden Ortes.

Terminvereinbarung zur Einsichtnahme der Unterlagen in Papierform nötig

Begonnen hat am 20. Dezember die offizielle Bürgerinformation zu dem Vorhaben. Diese so genannte Auslegung läuft noch bis 24. Januar; bis einschließlich 7. Februar haben Betroffene dann weiterhin noch Zeit, Einwände zu erheben. Die Unterlagen finden sich auf der Startseite von www.landkreis-wittenberg.de; eine Einsichtnahme in Papierform im Landratsamt ist nur nach Terminvereinbarung möglich.

Ein Wasserschutzgebiet dürfe, wie es in den Erläuterungen zu dem Vorhaben heißt, nie größer gefasst werden als nötig. Was innerhalb dieser - ihrerseits dreiteiligen - Zone möglich ist, unterliegt allerdings deutlichen Beschränkungen, die mit der Nähe zu den Brunnen zunehmen, wobei I die strengste Schutzzone ist, III die erweiterte.

Neben dem Herumgraben in der Erde - das betrifft Tagebau ebenso wie beispielsweise auch das Anzapfen von Erdwärme oder neue Friedhöfe - sind verboten oder sehr stark eingeschränkt industrielle und teils auch landwirtschaftliche Nutzungen, sofern die Gefahr einer Verunreinigung des Grundwassers, etwa durch Gülle, besteht. Eine detaillierte Übersicht findet sich ebenfalls auf der Homepage der Kreisverwaltung.

Ausdrücklich als - wenn auch geringfügige - mögliche Gefahr benannt ist die Bullenmastanlage der Agrargenossenschaft Straach, die sich innerhalb des dritten, also äußersten Kreises befindet: „Hier könnte es durch die Versickerung von Tierfäkalien zu einer Beeinträchtigung der Grundwasserqualität kommen“, heißt es im 30-seitigen hydrogeologischen Gutachten zur Neufestsetzung des Wasserschutzgebietes.

Gewarnt wird zudem davor, dass landwirtschaftliche Nutzung im Einzugsgebiet der Wasserfassung durch „anthropogene Einträge von Nährstoffen, z. B. durch Düngung, zur Grundwasserbeeinflussung führen“ könnten.

Die Midewa, mit vollem Namen Wasserversorgungsgesellschaft in Mitteldeutschland mbH, ist Betreiberin der Wasserfassung Berkau und versorgt die Ortsteile Straach, Assau, Berkau, Boßdorf, Grabo, Kerzendorf und Weddin der Lutherstadt Wittenberg mit Trinkwasser, welches aus den zwei genannten Brunnen gefördert und im dazugehörigen Wasserwerk aufbereitet wird.

Laut den vom Landkreis im Zusammenhang mit der Auslegung veröffentlichten Unterlagen beträgt die erlaubte Wasserentnahme durch die Midewa in Berkau heutzutage 270 Kubikmeter pro Tag beziehungsweise jährlich 70.000. Vor 2013 waren es noch 550 bzw. 115.000 Kubikmeter gewesen; aufgrund rückläufiger Entnahmemengen wurde die wasserrechtliche Erlaubnis im Oktober 2013 entsprechend angepasst. Gestartet worden war seinerzeit, die wasserrechtliche Nutzungsgenehmigung datiert vom Dezember 1970, mit 90 respektive 19.000 Kubikmetern. Damals diente der Brunnen allerdings auch nur der Versorgung von Berkau selbst.

Konzessionsvergabe läuft für mehrere Ortschaften

In der Wittenberger Stadtverwaltung läuft unterdessen seit dem vergangenen Frühjahr das hoch komplexe Verfahren zur Neuvergabe der Wasserkonzession ab dem Jahr 2023. Betroffen sind wie berichtet die Ortschaften Abtsdorf, Boßdorf, Kropstädt und eben auch Straach.