Restaurierung

Kavalierhaus in Oranienbaum jetzt in neuer Gestalt

Wofür das kürzlich fertiggestellte Kavalierhaus genutzt werden soll.

Von Paul Damm
Bodo Hirsch und Robert Hartmann (v. li.) erklären die Restaurationsarbeiten am südlichen Kavalierhaus.
Bodo Hirsch und Robert Hartmann (v. li.) erklären die Restaurationsarbeiten am südlichen Kavalierhaus. (Foto: Paul Damm)

Oranienbaum - Die Hüllen sind längst gefallen: Nichts ist mehr zu sehen von bröckelndem Putz, maroden Eichenholzbalken und verwitterten Ziegeln. Die Fassade des südlichen Kavalierhauses am Oranienbaumer Schloss zeigt sich in ihrer neuen Gestalt. Nun konnten kürzlich auch die Restaurierungsarbeiten im Gebäudeinneren abgeschlossen werden. „2017 haben wir mit den Arbeiten am südlichen Kavalierhaus begonnen. Die Gesamtkosten von 2,35 Millionen Euro wurden überwiegend vom Fördermittelprogramm des Bundes ‚InvestOst‘ getragen“, sagt Robert Hartmann, Leiter der Abteilung Baudenkmalpflege der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz.

Sehen lassen kann sich das südliche Kavalierhaus, das gemeinsam mit dem bereits restaurierten Hauptbau und dem östlichen Kavalierhaus ein einheitliches Bild ergibt. Nun ist es nicht mehr orangefarben angehaucht, sondern erstrahlt in gebrochenem Weiß. Die Farbigkeit orientiere sich an Befunden, die an mehreren Stellen des Fachwerkbaus sowie der Seitenflügel nachgewiesen werden konnten, berichtet Hartmann.

Nicht mehr standfest

Die Restaurierungsarbeiten verliefen nahezu nach Plan - jedoch „treten bei einem Bauwerk wie dem 1688 errichteten Kavalierhaus immer kleine Probleme auf, mit denen man nicht rechnet“, berichtet Hartmann. Obwohl es im Vorfeld stichpunktartige Untersuchungen und Proben gegeben habe, zeigten erst spätere Freistellungsarbeiten Schäden, erklärt Hartmann und fügt hinzu: „Zum Beispiel mussten wir die Eichenholzschwelle des Fachwerkbaus erneuern, weil diese im Laufe der Jahre nicht mehr standfest war.“

Dafür verwendete die beauftragte Firma spezielles Altholz - so fällt der Unterschied zu den original erhaltenen Eichenhölzern, die nach genauer Untersuchung der Jahresringe im Winter 1686/1687 geschlagen worden sind, nicht direkt auf.

Blickt man auf die symmetrisch in alle Richtungen eingebauten Fenster, so fällt bei genauer Betrachtung etwas auf: Von den insgesamt 34 Fenstern sind nur 24 echt, bei den anderen zehn handelt es sich um gemalte Fenster. „Es war uns wichtig, die Symmetrie zu erhalten. Wir hätten die Flächen auch weiß streichen können, doch das hätte das einheitliche Bild verfremdet“, erklärt Bodo Hirsch, Referatsleiter für Bau- und Denkmalpflege der Kulturstiftung. Auf der westlichen Seite mit Blick in den weitläufigen Park sind noch bauzeitliche Blockzargenfenster erhalten.

Das Innere des Kavalierhauses beeindruckt mit einer historischen Schwarzküche, großzügigen Räumen mit überwiegend aus Fachwerk bestehenden Wänden und handgefertigten Tonfliesen. Hirsch erklärt: „Sämtliche Holzbauteile wurden sorgfältig aufgearbeitet.“ Die Fachwerkreparatur der beschädigten Bereiche erfolgte mit Vollhölzern; Einbauwände aus vormaliger, neuzeitlicher Nutzung wurden entfernt.

Gastronomische Nutzung

Ganz konkrete Vorstellungen, wie das südliche Kavalierhaus zukünftig genutzt werden könnte, gibt es bereits. Geplant ist ein holländisches Café, das den Schlossplatz beleben soll. „Die Gäste können dann entweder im Hof, im Innenraum oder im Grünen sitzen“, erklärt Bodo Hirsch. In Hinblick auf eine gastronomische Nutzung wurden im Vorfeld haustechnische Anschlüsse für Heizung, Strom und Wasser sowie Sanitäranlagen und eine Küche installiert. Hirsch sagt: „Geplant ist das Café für das kommende Jahr.“ (mz)

Original erhaltene Fachwerktrennwand im Kavalierhaus.
Original erhaltene Fachwerktrennwand im Kavalierhaus.
(Foto: Damm)