Jugendclubs in Wittenberg

Jugendclubs in Wittenberg: Stadtrat stimmt dem Kompromiss zu

Wittenberg - Apollensdorf und weitere Ortschaften geben zugunsten von „nebenan“ Stunden ab.

Von Irina Steinmann 01.02.2020, 16:55

Bei anderer Gelegenheit hätte der Stadtrat der Verwaltung eine derart kurzfristige Änderung einer Beschlussvorlage um die Ohren gehauen, in diesem Fall aber waren alle erleichtert: Das Gezerre der Stundenverteilung auf die Jugendclubs im Stadtgebiet hat nach vielen Sitzungen ein Ende gefunden. Bis zuletzt war um einen Kompromiss gerungen worden, nachdem ein zusätzliches Treffen von Ortsbürgermeistern und Verwaltung am vergangenen Donnerstag in Abtsdorf kein Ergebnis erbracht hatte.

Flächendeckende Versorgung

Der laut Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) „vorläufige Kompromiss“, der vom Stadtrat am Mittwochabend ohne Gegenstimmen bei drei Enthaltungen beschlossen wurde, sieht vor, dass die Jugendbegegnungsstätte „nebenan“ in der Altstadt entgegen früheren Planungen doch mit Stunden bedacht wird, um weiter bestehen zu können.

Um ihr übergeordnetes erklärtes Ziel einer flächendeckenden Versorgung auch der Ortschaften mit professionellen Angeboten für junge Leute gleichwohl erreichen zu können, werden die zur Verfügung stehenden Stunden umgeschichtet. Mehrere Orte wie etwa Straach, in denen Clubs bisher nicht oder nur auf dem Papier bestehen, geben für die Anfangszeit etwas von ihrem Kontingent ab.

Den größten Verzicht indes übt Apollensdorf. Für die dortige Einrichtung bleibt es bei der bereits zuvor vorgesehenen Streichung von zehn Stunden auf 20 (bisher: 30). Piesteritz, das diese Stunden eigentlich bekommen sollte, muss sich nun mit fünf zusätzlichen Stunden zufrieden geben.

Ausdrücklich dankte der Oberbürgermeister allen Beteiligten, allen voran den Ortschefs, für ihre Solidarität. Apollensdorfs Ortsbürgermeisterin Angela Menzel (CDU) hatte in den vergangenen Monaten wie eine Löwin für ihren Jugendclub gekämpft, der seit Jahrzehnten erfolgreich vom örtlichen Verein „Mini-Club“ betrieben wird. Man werde sich auch auf die 20 Stunden bewerben, sicherte sie nun zu mit Blick auf die bevorstehende Ausschreibung sämtlicher Trägerschaften für die Zeit ab 2021.

Die Auswahl treffe die Verwaltung allein, stellte Zugehör auf einen Vorstoß der AfD/AdB klar, die politischen Gremien würden aber beteiligt. Die Stadt wird die Clubs in Paketen vergeben, Träger können sich also für jeweils zwei bis vier Orte bewerben. Auf Vorschlag Zugehörs wird der Vergabezeitraum zudem auf drei - statt fünf - Jahre beschränkt, um nachjustieren zu können.

Denn dass der Bedarf an entsprechender Jugendarbeit höher ist als das, was bisher beziehungsweise für 2021 stundenmäßig zur Verfügung steht, gilt als Konsens im Stadtrat. Auch diesmal wurde der Oberbürgermeister wieder von mehreren Seiten aufgefordert, dies in Verhandlungen mit dem Landkreis zum Ausdruck zu bringen. Auf eine formale Beauftragung - wie sie CDU und AfD/AdB in getrennten Anträgen zunächst vorgeschlagen hatten - wurde aber verzichtet.

Das nächste Gespräch mit dem Kreis steht am 17. Februar an, für die geplante Ausschreibung braucht die Stadt von diesem einen „vorläufigen Beschluss“ für 2021. Wie berichtet ist der Kreis verantwortlich für die Jugendarbeit in den Clubs und übernimmt neuerdings sogar 90 Prozent der Personalkosten.

Qualität und Ehrenamt

Nach Überwindung der ersten Hürde Stundenverteilung wurden seitens des Stadtrats Wünsche geäußert. Es sei nun an der Zeit, sich auch mit der „Qualität“ der Jugendarbeit zu befassen, sagte Horst Dübner (Linke).

Reinhard Rauschning (SPD) rief die Verwaltung dazu auf, den Trägern Hilfe zu leisten beim ebenfalls vorgesehenen ehrenamtlichen Engagement in den Clubs, so beim Erwerb der Jugendleitercard. Auf die „Juleica“ setzt auch Reinhild Hugenroth (Grüne) große Hoffnungen: „Die jungen Leute sind in der Lage, selbst Jugendclubs zu leiten.“ In Boßdorf etwa wird das, nach zähem Ringen, so sein.

Freitags freier Eintritt ins Museum ab 21. Februar

Wittenberger können künftig im Winter kostenfrei an Freitagnachmittagen das Stadtmuseum im Zeughaus besuchen. Ohne weitere Diskussion folgte der Stadtrat einstimmig einem entsprechenden Antrag der Grünen. Die Regelung gilt ab 21. Februar und zunächst bis März, freitags 15 bis 17 Uhr, dann wieder ab November bis März 2021. Die Grünen hatten zunächst den Sonntag vorgeschlagen, der Freitag hatte sich aber - weil besucherschwach - als der geeignetere Tag erwiesen. Man begrüße das Angebot sehr, so Dirk Hoffmann (AfD), auch Johannes Ehrig (SPD) sprach von einem „guten Antrag“, der, wie er meinte, auch dem Einzelhandel nutzen könnte. Die Stadt versteht den freien Eintritt als zeitlich befristete Werbemaßnahme.

Weitere Beschlüsse, die auf der Ratssitzung am Mittwoch gefasst wurden, betrafen die neue Feuerwehrgebührensatzung, die unter anderem eine pauschale Kostenerhebung bei Fehlalarm automatischer Brandmeldeanlagen vorsieht (die MZ berichtete ausführlich) und die Verlängerung des Vertrags mit dem Betreiber vom Naturgarten „Vergissmeinnicht“. (mz)