Jubiläum im Science Center

Jubiläum im Science Center: Lebendige Chemie bei Futurea

Wittenberg - Das Futurea Science Center bietet zum ersten Jahrestag ein buntes Programm zum Thema Stickstoff. Der kostenlose Eintritt sorgt zeitweise für Warteschlangen.

Von Stefanie Hommers
Mit ihrem Theaterstück über SKW begeisterten die Schüler des Lucas-Cranach-Gymnasiums die Besucher zum Tag der offenen Tür.

Wer am Samstagmorgen über den Wittenberger Marktplatz schlendert, kann es schon draußen vor dem Renaissance-Gebäude mit der Hausnummer 25 hören: Hier spielt die Musik. Die Schülerband des Lucas-Cranach-Gymnasiums bringt dem Futurea Science Center zum ersten Geburtstag ein munteres Ständchen.

Unter dem Motto „Wo die Chemie stimmt“ gewährt das von den Stickstoffwerken SKW Piesteritz gestaltete Wissenschaftszentrum wie gewohnt lebendige und unterhaltsame Einblicke in chemische Prozesse. Anschauen und vor allem Mitmachen heißt die Devise. Besucher können Moleküle zusammenbauen, eine Harnstoffsynthese durchführen, Wetter gestalten, Blitze produzieren oder Landnehmen.

Im Spiel Landnahme geht es an einem elektronischen Spieltisch darum, um die knappe Ressource Land zu kämpfen und sich selbst das größte Stück vom Kuchen für den eigenen Teller zu sichern. Nils mag sich gar nicht trennen. „Nur noch einmal“, bettelt der Siebenjährige, „das Spiel ist cool“. Dennis Röher muss einige Überzeugungsarbeit leisten, um seinen Neffen vom Spieltisch loszueisen. Nils Begeisterung kann er durchaus nachvollziehen.

„Die Kinder freuen sich über die interaktiven Möglichkeiten, und für Erwachsene ist auch viel dabei“, so sein Fazit. Der Besuch im Science Center ist ein Programmpunkt beim Treffen der zwei Familien aus Hamburg und Bayreuth in der Lutherstadt, denn die beiden Ehefrauen stammen ursprünglich aus Wittenberg. Dass sie sich in die Warteschlange am Eingang einreihen und eine Weile ausharren mussten, habe sich gelohnt, so das abschließende Urteil.

Der Strom der Besucher reißt auch am Nachmittag nicht ab. Da maximal 100 Gästen Einlass gewährt wird, heißt es warten, bis wieder jemand die Ausstellung verlässt. Und das kann dauern. Denn zum Jubiläumstag gibt es noch ein paar Möglichkeiten mehr, aktiv zu werden als sonst.

An einem Stand, den die benachbarte Cranach-Apotheke im Obergeschoss aufgebaut hat, können Interessierte unter Anleitung von Apothekerin Birgit Biernoth selbst eine Handcreme im Tiegel anrühren, die dank Alleskönner Harnstoff die Feuchtigkeit der Haut bewahrt. Der in der Kosmetikindustrie vielfach verwendete Stoff firmiert hier allerdings diskret unter seinem lateinischen Namen Urea.

Außerdem findet er Verwendung bei der Zahnpastaherstellung und in der Tablettenproduktion. Er ist Bestandteil von Spanplatten, kommt bei speziellen Helmlackierungen zum Einsatz, als Dünger in der Landwirtschaft und ist selbst auf Geldscheinen zu finden. Denn dank einer Melamin-Beschichtung sind Euro-Geldschein waschbar - im Gegensatz zum Dollar übrigens.

Seit der Eröffnung im März 2017 haben rund 8.000 Gäste das Science Center besucht, und ihr Wissen über Chemie im Alltag aufgefrischt oder auch Neues erfahren. „Unser Hauptaugenmerk liegt aber nicht bei den Besucherzahlen im Allgemeinen“, sagt Janina Dorn.

„Wir wollen vor allem junge Leute erreichen und ihnen Orientierung bieten“, unterstreicht die Leiterin des Hauses. Deshalb habe man von Anfang an den Kontakt zu Schulen gesucht und ausgebaut.

Mit dem Lucas-Cranach-Gymnasium in Piesteritz gibt es seit der Eröffnung eine Kooperation, und insgesamt haben bereits über 100 Schulklassen das Science Center in Augenschein genommen. Von der Vorschule über Grund- Sekundar- und Berufsschulen reiche das Spektrum, so Dorn, mittlerweile habe man auch die Zusammenarbeit mit Hochschulen im Programm.

Studenten im naturwissenschaftlichen Bereich unterbreite man spezifische Angebote etwa mit Mitarbeitern der Forschungsabteilung von SKW. Man arbeite mit vielen verschiedenen Gruppen gut zusammen, resummiert die Leiterin des Science Centers.

Das gelte im übrigen nicht nur für Besucher. „Wir sind in der Stadt angekommen. “ Der avisierte Brückenbau zischen Gesellschaft und moderner Chemie sei gelungen, findet sie. „Wir bereichern die Stadt und die Stadt bereichert uns.“ (mz)

Vivian und Jolina (re.) bedrucken eine Tüte mit Kartoffeln.
Marlen war fasziniert von den Erläuterungen über das Labor.