Immobilien in Wittenberg

Immobilien in Wittenberg: Stadt plant weitere Rochaden

wittenberg - „K-Gebäude“ wird nicht für Flüchtlinge benötigt und kann nun vorfristig Museumsdepot werden. Altes Rathaus soll 2017 „Willkommenszentrum“ sein.

Von Irina Steinmann

Das so genannte K-Gebäude neben dem Wittenberger Neuen Rathaus wird nun doch nicht als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Grund sind die drastisch zurückgegangenen Zahlen. Es „besteht aktuell kein Bedarf mehr“, teilte Landrat Jürgen Dannenberg (Linke) der Stadt mit, die ihm ihre leerstehende Immobilie vor Jahresfrist für zehn Jahre zur Miete angeboten hatte. Damit ist grundsätzlich der Weg frei für eine vorzeitige Nutzung des früheren Polizeigebäudes als Museumsdepot für die Städtischen Sammlungen. Wie Bürgermeister Jochen Kirchner der MZ am Mittwoch auf Anfrage mitteilte, ist dafür ein neuer Stadtratsbeschluss notwendig.

Bei der Entwicklung der sanierungsbedürftigen Immobilie arbeitet die Stadt wie auch sonst in der Altstadt mit der Landesentwicklungsgesellschaft Saleg bzw. dem dort angeschlossenen Kompetenzzentrum Stadtumbau zusammen. In dessen Regie arbeiteten Studenten derzeit an einer Depot-Nutzung, so Kirchner. Eine Entscheidung solle nach Vorliegen dieser Ergebnisse und einer entsprechenden Kostenschätzung fallen; klar sei allerdings, dass zur Realisierung dieses Vorhabens die ursprünglich für eine provisorische Sanierung als Flüchtlingsheim angesetzten 850 000 Euro nicht ausreichen werden.

Das K-Gebäude steht auf einer Liste von 23 kommunalen Objekten in der Wittenberger Altstadt, die die Verwaltung vor wenigen Tagen „auf vielfache Nachfrage“ (Kirchner) als Informationsvorlage für den Stadtrat veröffentlicht hat - und dabei auch entsprechende Nutzung(-sänderung)en aufzeigt. Es handele sich um „Möglichkeiten“, um „Vorstellungen“ der Verwaltung, so der Bürgermeister, nicht bereits um konkrete Pläne.

„Willkommenszentrum“ im Alten Rathaus in Wittenberg

Ein Blick lohnt gleichwohl, zumal mindestens im Fall des Alten Rathauses die Veränderungen im Zusammenhang mit 2017 stehen, die Zeit also drängt. Ein „Willkommenszentrum“ schwebt der Stadt dort zum Reformationsjubiläum im Erdgeschoss vor, dahinter verbirgt sich laut Kirchner eine Selbstdarstellung Wittenbergs parallel zur „Weltausstellung“ (Mai bis September), quasi „der Pavillon der Stadt“. (Langfristig soll „das Haus der Stadt schlechthin“ für „bürgernahe Nutzung“ zur Verfügung stehen).

Dies setzt insbesondere voraus, dass die Stiftung Christliche Kunst mit ihrer hochkarätigen Ausstellung auszieht. Für sie ist bereits seit längerem der Standort Schloss vorgesehen, und zwar im Südteil des Altbaus. Die Vertragsverhandlungen liefen derzeit, erklärten am Mittwoch Kirchner wie auch Stiftungsgeschäftsführerin Jutta Brinkmann. Der Standort Schloss wäre „sehr gut“, so Brinkmann, und sie hoffe daher, dass es rasch zu einer Entscheidung kommt, zumal die Stiftung 2017 eine große Ausstellung mit Werken von Barlach und Kollwitz vorbereitet. Problematisch sei im Übrigen weniger der Umzug als vielmehr die Aussicht, lediglich für drei Jahre im Schloss bleiben zu können, so Brinkmann insbesondere mit Blick auf eine maßgeschneiderte Ausstellungstechnik. Ab 2019/ 2020 soll nämlich auch das bisher am Markt 4 ansässige Zentrum für Predigtkultur ins Schloss umziehen - aber mal sehen, ob der Platz dort nicht doch für alle reicht...

Klassische Vorratsvorstellungen ohne konkreten Anlass scheinen unterdessen die aufgeführten Ideen für zwei Gebäude an der Wallstraße, das frühere Gesundheitsamt und die ehemalige Kreismusikschule. Sollte die Leucorea eines Tages Ambitionen haben, sich aus dem alten Universitätsgebäude heraus zu erweitern, könnte sich die Stadt dort eine entsprechende Nutzung („Bildungseinrichtungen“) vorstellen, für das Gesundheitsamt allerdings auch einen Verkauf. Letzteres Gebäude wird derzeit noch durch die Städtischen Sammlungen genutzt (unter anderem als Depot) und in der Ex-Musikschule ist vor gar nicht mal allzu langer Zeit der kommunale Kita-Eigenbetrieb „KommBi“ eingezogen, dieser könnte im Fall der Fälle dann doch im Neuen Rathaus unterkommen.

Die Rochaden dürften also - anders als die leidigen Interims - auch auf absehbare Zeit kein Ende nehmen in der Lutherstadt. Wobei die Verwaltung an ihrem Vorhaben festhält, den Zentralen Besucherempfang am Arsenalplatz auch zu einem solchen zu machen. Eine Rolle soll hier überraschenderweise das heruntergerockte Gebäude Pfaffengasse 18 spielen. Vorgeschlagen wird, dort „Büros“ der Touristeninformation unterzubringen. Einen Totalumzug vom 1a-Standort an der Thesentür hat der Betreiber GLC bisher stets abgelehnt und ist am Arsenalplatz bis dato lediglich mit einer kleinen Filiale vertreten (deren Nutzung allseits als zu gering bewertet wird).

„Es macht Sinn“, über den Standort der Touristeninfo „nachzudenken“, beharrt Kirchner, allerdings nur in Zusammenhang mit der „Neuordnung des Polizeigeländes“ nördlich der Mauerstraße, für das die Stadt wie berichtet große Pläne hat. Zwölf Millionen Euro will sie dafür an Fördermitteln vom Bund bekommen; im Fall eines - wahrscheinlichen - Scheiterns 2016 werde man sich für das kommende Jahr erneut bewerben, so Kirchner.

Bibliothek bleibt vorerst in der Schloss-Straße

Nicht für jedes der 23 Objekte ist die Funktion so eindeutig wie die von T wie Tierpark. So möchte die Stadt durchaus, dass die Bibliothek irgendwann („langfristig“) vielleicht doch noch (aus der kommunalen Immobilie Schloss-Straße 7) ins Bildungszentrum Lindenfeld zieht. Eine Entscheidung hänge zusammen mit der demographischen und der Entwicklung der benachbarten Diesterweg-Grundschule; derzeit nutze der Kreis sämtliche Räume im Bildungszentrum (Musikschule, Volkshochschule). Längst nicht alle aufgeführten Objekte haben - man denke etwa an den Zentralen Besucherempfang oder das Neue Rathaus - Sanierungsbedarf. Gleichwohl wäre laut Kirchner eine zweistellige Millionensumme notwendig. Nachzulesen ist die InfoVorlage auf www.wittenberg.de, Stichwort „Ratsinformation“. (mz)