Hauptbahnhof Wittenberg

Hauptbahnhof Wittenberg: Tor zum Osten wird realisiert

Wittenberg - Ab dem Frühjahr 2019 soll binnen Jahresfrist der lang erwartete Tunnel in die Elstervorstadt gebaut werden. An den Wänden fließt die Elbe - bildlich.

Von irina steinmann 02.02.2018, 19:49

Zwei Jahre wird es auch jetzt auf jeden Fall noch dauern, bis Menschen ohne Umwege vom Hauptbahnhof in die Elstervorstadt gelangen können (oder auch nur zum neuen Großparkplatz) - nach annähernd 25 (!) Jahren allerdings ist es eine gute Nachricht, dass ab Frühjahr 2019 binnen Jahresfrist die Tunnelverlängerung nach Osten realisiert wird. Zwischen 3,5 und vier Millionen Euro sind veranschlagt für das Vorhaben, das Stadt und Bahn gemeinsam realisieren. „Die Finanzierung ist gesichert“, bekräftigte am Freitag Uwe Branschke vom Fachbereich Öffentliches Bauen. Wie berichtet fließen Fördermittel.

Zuviel Bewegung

Die Realisierung des Tunnelprojekts hatte sich immer wieder verzögert; eine Rolle spielten zuletzt die Versetzung des Empfangsgebäudes von der Mitte auf die Westseite des Hauptbahnhofs sowie Arbeiten der Bahn an ihren Gleisen auf der Ostseite, wo unter anderem der neue „Inselbahnsteig“ (Gleise 5/6) entstanden ist. Geld war bzw. ist schon seit Jahren da, die Baugenehmigung von 2008 muss allerdings neu gestellt werden. Mit im Boot sitzt hier das Eisenbahnbundesamt; nachdem die Entwurfsplanung im Januar „einvernehmlich bestätigt“ worden sei, so Branschke, werde nun spätestens Anfang März der entsprechende Antrag beim Eisenbahnbundesamt eingereicht. Gebaut wird für den Tunnel nämlich bereits in den nächsten Monaten: Im Juni soll von den beiden Hilfsbrücken, die die Tunnelarbeiten unter den Gleisen ermöglichen, schon etwas zu sehen sein. Die Bahn baut 2018 an den Gleisen 7, 8 und 9, Gleis 8 verschwindet. Nicht nur die Wohngebiete in der Elstervorstadt, auch das Berufsschulzentrum im Mittelfeld und letztlich der Luthersbrunnen samt Elblandschaft werden dank des Ost-Tunnels für Radfahrer gut erreichbar sein. In Verlängerung des Tunnelausgangs mit Rampe wird - ebenfalls 2019 - Richtung Osten ein beleuchteter und von Bäumen gesäumter Rad- und Gehweg gebaut, der in die Kirchhofstraße mündet. Neben dem Großparkplatz entsteht eine überdachte Fahrradabstellanlage, weitere Fahrradbügel würden am Beginn des Weges installiert, so Sachgebietsleiter Branschke.

Einen Vorgeschmack auf die Elbe wird der Tunnel selbst bieten. Der Fluss wird sich als blaues Band an der Tunnelwand entlangschlängeln, zusätzlich beleuchtet sowie hie und da von großformatigen Fotos zum Thema Stadt am Fluss unterbrochen, wie Ulrike Beetz vom Fachbereich Stadtentwicklung erläuterte. Mit dieser Gestaltung der Betonwände lasse sich die übliche „Fliesenmonotonie“ vermeiden. Bürgermeister Jochen Kirchner kündigte unterdessen an, dass die Stadt hierfür zu einem Fotowettbewerb aufrufen werde, an dem sich etwa auch Schulen beteiligen könnten. Dass der „Tunnel“ in weiten Teilen nach oben offen sein wird, spare nicht nur Kosten, sondern erspare den Nutzern auch die Passage eines schlauchartigen „Angstraumes“, so Landschaftsplanerin Beetz. Analog, also nicht nur aus Gründen der Barrierefreiheit, soll die Rampe lang und an den Seiten möglichst flach gestaltet werden.

Mehr Wittenberger

Mit der Fertigstellung des Tunnels komplettiert die Stadt ihr „Schnittstellenprogramm“, durch das - dank Unterstützung von Land und Bund - der Umstieg zwischen Auto und ÖPNV erleichtert werden soll. Der Tunnel in der Elstervorstadt soll, wie Kirchner sagte, allerdings noch mehr bewirken. Langfristig hofft die Stadt hier auf neue Einwohner, sprich die Entstehung eines neuen Wohngebiets: Wohnen in Wittenberg, Arbeiten in Berlin oder Leipzig, lautet die Devise. Wer den Wohnungsmarkt in Berlin kennt - und auf den ICE-Halt vertraut - weiß, dass das kein Hirngespinst ist. (mz)