Stadtentwicklung

Geldsegen: Wittenberg bekommt 5,4 Millionen Euro - was die Stadt damit vorhat

Fördermittel von Bund und Land fließen aus vier verschiedenen Programmen. Was die Stadt damit vorhat.

Von Irina Steinmann 13.01.2022, 11:00 • Aktualisiert: 13.01.2022, 15:19
Energie sparen will die Stadt mit der Umstellung der Beleuchtung auf LED in der Collegienstraße. Am Markt ist dies bereits geschehen.
Energie sparen will die Stadt mit der Umstellung der Beleuchtung auf LED in der Collegienstraße. Am Markt ist dies bereits geschehen. Foto: Thomas Klitzsch

Wittenberg/MZ - Wieder hat es für die Stadt Wittenberg Weihnachtsgeschenke in Form von Zuwendungsbescheiden gegeben. Wie die Stadtverwaltung in dieser Woche mitteilte, handelt es sich um insgesamt 5,4 Millionen Euro aus vier verschiedenen Förderprogrammen. Erfreut und „dankbar“ angesichts des Geldsegens zeigte sich am Dienstag in seiner ersten Pressekonferenz 2022 Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) und dankte ausdrücklich den Mitarbeitern im Rathaus, die „viel Arbeit investiert“ hätten, damit die Lutherstadt die - vielfach bekanntlich hoch komplizierten - Förderbedingungen am Ende erfolgreich erfüllen konnte. Nicht verkneifen mochte sich Zugehör allerdings einen kleinen Seitenhieb auf die grundsätzlich unzureichende Finanzausstattung der Kommunen und die damit verbundenen Grenzen der kommunalen Selbstverwaltung: Die Stadt würde gerne „selbstständig entscheiden“, wohin Geld fließt, sagte er. Was im Einzelnen dank der Millionen von Bund und Land in der Lutherstadt geplant ist:

Dickster Fisch: Die Hafenpromenade

Mit 2,7 Millionen Euro entfällt der Großteil der Zuwendungen auf den Bau einer Hafenpromenade entlang der Elbe Richtung Westen, also nach Kleinwittenberg. Mit dem Geld aus dem Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ soll das im Frühjahr 2021 vorgestellte „Freiraumkonzept Hafenpromenade“ von 2020 in diesem Jahr weiterentwickelt werden; ebenfalls finanziert werden soll damit der Bau eines ersten Teilabschnitts, dies allerdings voraussichtlich erst ab Mitte 2023. Wo genau begonnen wird, sei noch nicht festgelegt, sagte Zugehör. Insgesamt soll die Promenade laut Freiraumkonzept etwa 1,4 Kilometer lang sein. Ziel der Stadt ist, den Weg mit bisher bloßer Verbindungsfunktion zusätzlich zu einem Aufenthalts- und Erholungsort zu machen. Flächen sollen entsiegelt und geeignetes Grün gepflanzt werden.

Reinsdorf bekommt neue Turnhalle

Finanziell zweitgrößtes Einzelprojekt ist mit gut zwei Millionen Euro Förderung die Erweiterung der Sporthalle „Heinrich Heine“ in Reinsdorf. Diese Mittel stammen aus dem Bundesfördertopf „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ und es handelt sich ebenfalls um eine 90-Prozent-Förderung, sprich, der Eigenanteil der Stadt an den Gesamtkosten beträgt wie bei der Hafenpromenade lediglich zehn Prozent. Die bestehende Halle gilt seit vielen Jahren als zu klein für die Nutzung durch Grund- und Sekundarschule. Neu entstehen nun eine zusätzliche Einfeldhalle sowie ein Sozialgebäude mit Umkleiden etc. Als Baubeginn ist März 2023 avisiert. Zugehör zeigte sich am Dienstag zuversichtlich, dass es auch gelingen werde, die Bedingungen im Volkspark zu verbessern. „Auch da bleiben wir dran“, versprach er.

Lange gewartet hat man auch in der Kita „Borstel“, einer Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt an der Sternstraße. Die Erneuerung der Fassade war schon vor gut einem Jahrzehnt Thema gewesen, nun aber ist es offenbar bald so weit: Die Kita bekommt eine Wärmedämmfassade. Zudem ist die Erneuerung der Trink- und Abwasserleitungen vorgesehen, ebenso neue Personal-WC. Ein Termin für den Beginn der Bauarbeiten bei „Borstel“ wurde noch nicht genannt. Abgeschlossen sein wird damit dann allerdings die 2008 begonnene Sanierung des Hauses, das 2010 wegen Gift im Fußboden aus DDR-Zeiten in die Schlagzeilen geraten war.

Auch aus dem Fördertopf „Sozialer Zusammenhalt“ (vormals „Soziale Stadt“) fließen Mittel für die Grundschule „Käthe Kollwitz“, die ebenfalls im Fördergebiet „Lerchenberg/Trajuhnscher Bach“ liegt. Dort wird, voraussichtlich in den Sommerferien 2022, die Raumakustik verbessert, und zwar durch Maßnahmen zur Schallabsorption, wie sie in einigen Räumen dort bereits 2015 und 2019 durchgeführt worden sind. Maximal acht weitere Räume sind nun hierfür vorgesehen, damit Kinder mit Hörbehinderung dem Unterricht besser folgen können. Die Grundschule versteht sich als „inklusiv“.

Schluss mit holprig: Zwei Straßenbaumaßnahmen

Auch ein Straßenbauvorhaben wird aus dem Programm „Sozialer Zusammenhalt“ finanziert, es handelt sich um die Straße An der Christuskirche in Wittenberg-West, dem zweiten Fördergebiet. Hier soll Ende 2022 ausgeschrieben und dann 2023 gebaut werden. Die Planungen seien abgeschlossen, derzeit liefen die Baugrunduntersuchungen, hieß es hierzu. Aus Autofahrersicht ist diese Maßnahme überfällig: Der Straßenzustand sei in der Tat ein „Live-Test für die Stoßdämpfer“, beklagte auch Zugehör.

Auch in der Altstadt wird noch einmal gebaut: An der Bürgermeisterstraße fehlt noch ein Stück, nämlich der nördliche Abschnitt am Schwanenteich. Neben dem „grundhaften Ausbau“ der Straße sind, ähnlich wie in der neuen Neustraße, barrierefreie Übergänge in die Wallanlagen vorgesehen, außerdem werden die Parkplätze und Bushaltestellen neu gestaltet, wobei die „Allee“ gesichert und entwickelt werden soll. Gebaut werden soll ab dem zweiten Halbjahr 2022, unter Vollsperrung, versteht sich, und bis voraussichtlich Frühjahr 2023, wenn alles gut geht.

Die Bürgermeisterstraße verschlingt den Löwenanteil der gut 354.000 Euro, den die Stadt - als Zwei-Drittel-Förderung - aus dem Topf „Lebendige Zentren“ für das Fördergebiet „Altstadt“ bekommt. Ein Teil der Summe ist außerdem dafür vorgesehen, dort sparsamer Licht zu machen: Die Laternen der Collegienstraße werden auf LED umgestellt. Am Markt sei dies bereits geschehen. Neben dem Bauen werden zudem zwei Maßnahmen gefördert, die gewissermaßen die gesellschaftliche Software betreffen: Quartiersmanagement und Citymanagement, ersteres im Wohngebiet Lerchenberg/Trajuhnscher Bach“, letzteres in der Altstadt.

Für den Ausbau der Bürgermeisterstraße stehen jetzt ebenfalls Mittel bereit. Gebaut werden soll ab der zweiten Jahreshälfte, unter Vollsperrung.
Für den Ausbau der Bürgermeisterstraße stehen jetzt ebenfalls Mittel bereit. Gebaut werden soll ab der zweiten Jahreshälfte, unter Vollsperrung.
Foto: Thomas Klitzsch
Eine neue Fassade ist schon lange Thema für die Kita „Borstel“.
Eine neue Fassade ist schon lange Thema für die Kita „Borstel“.
Foto: Thomas Klitzsch
Westlich der Altstadt soll die Hafenpromenade entstehen.
Westlich der Altstadt soll die Hafenpromenade entstehen.
Foto: Steinmann