In die Verlängerung

Entscheidung über Verlängerung der Wittenberger Reinsdorfer Strandbadstraße erneut vertagt

Verbindung zwischen Strandbadstraße und L 124 ist umstritten. Die Verwaltung will darauf verzichten, der Bauausschuss weiß noch nicht so recht.

Von Irina Steinmann 16.09.2021, 08:20
Baustellenschild
Baustellenschild Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Wittenberg/MZ - Die Verlängerung der Reinsdorfer Strandbadstraße geht in die Verlängerung. Das umstrittene Verbindungsstück zwischen Strandbadstraße und L 124 ist nur wenige 100 Meter lang, beschäftigt die politischen Gremien aber seit zig Jahren.

Rund eine Stunde befasste sich am Montagabend der Bauausschuss mit dem Thema - um seine Entscheidung am Ende erneut zu verschieben. Die Verwaltung hat wie berichtet vorgeschlagen, auf den Bau der Verbindungsstraße zu verzichten, was Uwe Branschke vom Fachbereich Öffentliches Bauen noch einmal ausführlich begründete.

Hindernisse überall

Er argumentierte mit explodierenden Baukosten und nicht erfüllbaren Umweltschutzauflagen sowie der Gefahr, dass eine neue Straße auch mehr Verkehr in den Ort ziehen würde, insbesondere als willkommene Abkürzung zwischen Landesstraße und den Gewerbegebieten im Westen der Stadt. Vor allem aber zog Branschke die Schulwegsicherheit heran. Diese hatte seinerzeit das Bauprojekt begründet, ist nach Auffassung der Verwaltung zwischenzeitlich aber durch die Umgestaltung der Heinrich-Heine-Straße weitgehend erreicht worden.

Zudem, so Branschke, ließe sich die Kreuzung am Hotel „Stadt Brandenburg“ so umgestalten, dass Fußgänger, Schulkinder vor allem, dort sicherer unterwegs sind. Konkret nannte er eine Verbreiterung des Fußwegs. All das weckt Erinnerungen an frühere Debatten, bis hin zu dem überkommenen Vorschlag, dafür ein Haus zu erwerben und abzureißen. Mit einem Video wollte Branschke beweisen, dass eine Verbreiterung des Gehwegs auch bei der gegenwärtigen Bebauung möglich wäre. Tapfer schlängeln sich darin selbst Tanklaster um die Hütchen herum, die den Weg markieren. Dieser wäre fast überall 2,50 Meter breit, an einer Engstelle 1,80.

Wer schweigt, stimmt zu?

Im Ortschaftsrat war die Absicht der Stadt, die Verbindungsstraße nicht zu bauen, erneut auf Ablehnung gestoßen, wobei Branschke die drei Enthaltungen dort als „starke Tendenz zur Zustimmung“ werten wollte. Er werde zwar „nicht den Don Quichote spielen“, erklärte dazu als Ausschussgast Reinsdorfs Ortsbürgermeister Reinhard Rauschning (SPD) und räumte ein, dass es in der Tat „nachvollziehbar“ sei, „nicht drei Millionen Euro für 300 Meter Straße“ zu investieren.

Allerdings kenne er „keine Beschlussvorlage, die so akribisch bewertet wurde ins Negative“. Zugleich zog er in Zweifel, dass sich die problematische Kreuzung alternativ durch die vorgeschlagene Gehwegverbreiterung entschärfen ließe. Man sollte nicht erst auf einen Unfall warten, sagte er sinngemäß, nachdem Branschke erklärt hatte, dass es dort im vergangenen Jahrzehnt keinen einzigen Unfall mit verletzten Fußgängern oder Radfahrern gegeben habe.

Vom „Harakiri-Weg“ sprach gleichwohl das Reinsdorfer Bauausschussmitglied Ronny Zegarek (Freie Wähler) mit Blick auf den Schulweg und forderte den Bau der Verbindungsstraße. Menschenleben seien wichtiger als der Neuntöter; der Vogel ist wie berichtet eines der Tiere, die dem Projekt artenschutzrechtlich im Weg stehen. Wie sein Fraktionschef Stefan Kretschmar verwies Zegarek zudem auf den Fahrzeugverkehr der Reinsdorfer Wurstwaren. Eine Lösung gebe es „nicht ohne ,Reinsdorfer’“, so Kretschmar. Deshalb: erste Lesung. Bereits jetzt zum Verzicht auf das Projekt bereit gewesen wären Vertreter von CDU und SPD. „Die Argumente sind erdrückend“, sagte SPD-Vize Johannes Ehrig.