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Cranach im Wahlkampf Cranach im Wahlkampf: Luther würde NPD wählen? Gedenkstätten prüfen rechtliche Schritte

Von Irina Steinmann 07.05.2019, 11:56
Cranachs Luther-Porträt von 1528
Cranachs Luther-Porträt von 1528 Stiftung Luthergedenkstätten

Wittenberg - Sie haben es wieder getan. Wie schon zur Bundestagswahl 2017 setzt die rechtsextreme NPD den Reformator Martin Luther für ihre Zwecke ein. Seit einigen Tagen hängen Wahlplakate mit dem Luthers Konterfei an den Masten. Die Partei benutzt dabei, wie bereits 2017, ein Cranach-Porträt, das sich im Eigentum der Stiftung Luthergedenkstätten befindet.

Stiftung empört

Davon jedenfalls geht die Stiftung nach wie vor aus und hat nun wie schon beim ersten Mal rechtliche Schritte angekündigt. „Natürlich finden wir als Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt es unerhört, ja geradezu abstoßend, dass die NPD Martin Luther für ihre Parteizwecke instrumentalisiert“, erklärte am Montag Direktor Stefan Rhein in einer Mitteilung der Stiftung.

„Gemeinsam mit unserem Rechtsanwalt prüfen wir derzeit rechtliche Schritte gegen die NPD und sammeln Belege für den Einsatz des Plakates. Dazu haben uns bereits mehrere Hinweise erreicht, nicht nur aus Sachsen-Anhalt, sondern auch aus Mecklenburg-Vorpommern und Bayern.“ Nach Auskunft von Stiftungssprecherin Nina Mütze ist auch im 2017er Verfahren zwar noch keine Klage eingereicht worden, diese sei aber „in Vorbereitung“.

Zur Erklärung: Von Luthers Cranach-Porträt existieren mehrere Versionen, darunter das Gemälde im Lutherhaus. Wer dieses, für welche Zwecke auch immer, nutzen möchte, braucht die Genehmigung der Stiftung. Entsprechende Anträge wurden allerdings nicht gestellt, geschweige denn der NPD eine Erlaubnis erteilt.

Unrühmliche Historie

Besonders perfide wirkt die Luther-Nutzung für rechtsextreme Zwecke, wenn man in Rechnung stellt, dass die damals junge Lutherstadt während der NS-Diktatur eine durchaus unrühmliche Rolle spielte. Historische Fotografien zeigen etwa Umzüge mit Hakenkreuzfahnen und hohen geistlichen Würdenträgern.

Dass Luther selbst als erklärter Antisemit seiner Zeit der NPD in die Hände spielt, ist ebenso eine Tatsache. Ob er heute NPD wählen würde, wie die Partei insinuiert, steht freilich dahin. (mz)