Brandanschlag in Wittenberg

Brandanschlag in Wittenberg: Was wird mit dem kaputten Flüchtlingsboot?

Wittenberg - Diese Lokalpolitiker wollen es erhalten.

Von Irina Steinmann 12.11.2018, 16:28

Zwei Tage nach dem Brandanschlag auf das Flüchtlingsboot am Schwanenteich in Wittenberg steht neben der weiter offenen Frage nach den Tätern auch die Überlegung, was mit dem beschädigten Objekt geschehen soll. Der Oberbürgermeister hatte noch am Samstag, nur Stunden nach dem Brand, erklärt, mit den Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen darüber beraten zu wollen. Diese Entscheidung steht noch aus.

Ein Mahnmal

Allerdings ergab eine MZ-Umfrage, dass das beschädigte, in der Hülle aber intakte Boot bleiben soll. Als „Kunstobjekt plus Mahnmal“, wie es Stefan Kretschmar, Fraktionschef der Freien Wähler, in einer als persönlich deklarierten Stellungnahme formulierte. Auch in anderen Fraktionen hat man sich in Anbetracht der kurzen Zeit noch nicht auf einen Vorschlag verständigt.

Sie selbst finde, das Boot solle „weiter erhalten bleiben als ein Signal“, so CDU-Fraktionschefin Bettina Lange. Ob repariert oder beschädigt, sei zu überlegen. Als „Mahnmal stehen lassen“ würde es auch Uwe Loos, Stadtrat der Linken und Fraktionsvize. „Man darf als Demokrat nicht einknicken, das wäre ein falsches Signal.“

An Zufall mögen die befragten Volksvertreter angesichts der Tatzeit exakt 80 Jahre nach der Pogromnacht 1938 nämlich nicht glauben. Sie könne sich „in Anbetracht des Datums nichts anderes vorstellen“ als ein politisches Motiv, sagte Christdemokratin Lange. Sie fand ähnlich wie Kretschmar und Loos deutliche Worte gegenüber dem AfD-Kollegen Dirk Hoffmann, der vor dem Brand wiederholt „gefordert“ hatte, das Flüchtlingsboot zu „verschrotten“.

Das macht er übrigens noch immer: Das Boot „war, ist und bleibt Sondermüll“, sagte Hoffmann der MZ. „Insbesondere jetzt, wo es gebrannt hat“, sei es „fachgerecht zu entsorgen“. „Aufs Schärfste verwahre“ er sich gegen den Vorwurf, eine Mitschuld zu tragen. „Da kann ich nichts für“, fand er und bezeichnete die Tat als „ekelhaft“, zumal „ausgerechnet an dem Tag“. In getrennten Statements haben Vertreter der Landesparteien von Linken und Grünen der AfD vorgeworfen, durch Worte den Boden zu bereiten für rechte Gewalt. Als „geistige Brandstifterin“ bezeichnete Grünen-Kreisvorsitzende Reinhild Hugenroth die AfD.

Anderer Platz?

In den Reihen des Bündnisses „Wittenberg weltoffen“ gibt es unterdessen Überlegungen, das Boot an einem zentraleren Platz aufzustellen. Als besseren Schutz aber auch, wie Tobias Thiel (Evangelische Akademie), einer der Sprecher der Initiative, sagte, als „Diskursobjekt“, also Denkanstoß im Umgang mit einem „globalen Problem, für das wir keine Lösung haben“. „Wir müssen anders miteinander umgehen“, appellierte er.

(mz)