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Blog 7. März

Blog 7. März: Lottogewinn und Muskelkater

Wittenberg - Ich bin mir nicht sicher, ob die aktuelle Kampagne zur „Sonderausstellung der Reformation“ auf den ersten Blick so gelungen ist? Im Bahnhof Berlin Gesundbrunnen springt mich eine grellbunte Reklametafel an - und auch auf der Rückseite der aktuellen Bahnzeitschrift, die ich hier im Zug gerade vor mir habe, lese ich ...

Von Peter Benedix 08.03.2017, 12:38

Ich bin mir nicht sicher, ob die aktuelle Kampagne zur „Sonderausstellung der Reformation“ auf den ersten Blick so gelungen ist? Im Bahnhof Berlin Gesundbrunnen springt mich eine grellbunte Reklametafel an - und auch auf der Rückseite der aktuellen Bahnzeitschrift, die ich hier im Zug gerade vor mir habe, lese ich „3xHammer“.

Von den Farben her denke ich als erstes „Ach…die FDP ist jetzt auf den Reformations-Zug aufgesprungen“ (man beachte das Wortspiel). Dann denke ich „nee – wahrscheinlich eine Werbung vom Zentralverband des Deutschen Handwerks“.

Aber der kleine Luther in der Ecke zeigt dann doch an, dass wir wieder beim Thema wären. Bevor ich noch lange darüber nachdenken kann, muss ich auch schon aussteigen. Der Schaffner hielt es leider nicht für notwendig, die Station zwischen Berlin-Südkreuz und Leipzig anzusagen und so bleibt der Halt im Herzen der Reformation heute namenlos. Also wirklich…so klein ist die Stadt nun auch wieder nicht.

Heute gibt es wieder einmal eine Pressekonferenz. Oberbürgermeister Thorsten Zugehör, Margot Käßmann und Vertreter des Refo-Vereins haben ins alte Rathaus geladen. Es ist halb 11 und ich bin der Erste. Der Raum ist so dunkel, dass die Kamera fast an ihre Grenzen kommt - aber die Deckenlampe und das Licht eines regnerischen Dienstags sind zumindest stets bemüht.

Peter Benedix ist Filmregisseur und arbeitet an einer Langzeit-Dokumentation über das Reformationsjubiläum 2017 in der Lutherstadt Wittenberg. Auf der Seite www.mz.de/herz und www.worandeinherz.de berichtet der 36-Jährige über die Fortschritte bei den Arbeiten an dem abendfüllenden Film über seine Heimatstadt. Sie erreichen Peter Benedix per Mail unter [email protected]

Ich gehe noch mal nach draußen, da ich Herrn Zugehör für ein Spontaninterview abpassen möchte. Als ich fünf vor 11 wieder in den Raum trete, ist dieser bis auf den letzten Platz belegt. Ich bin überrascht.

Wann kamen die denn alle an mir vorbei ins Rathaus? Die Pressekonferenz beginnt und wir erhalten einen Überblick über den Reformationssommer. Die Nachricht der Stunde ist wohl, dass in diesem Jahr der Eintritt für „Luthers Hochzeit“ entfällt. Damit möchte sich die Stadt für das Engagement und die Belastbarkeit der Bürger bedanken.

Ein schönes Zeichen, wie ich finde. Ich hoffe nur, dass die damit entgangenen Einnahmen irgendwie kompensiert werden können. Die PK endet, und es ist Zeit für mich, meinen neuen Reichtum einzustreichen, denn ich habe Lotto gespielt und die Tage der finanziellen Sorgen sind vorbei!

Einmal im Jahr fahre ich mit ein paar Freunden irgendwohin und wir wandern. Dann spiele ich vor Ort auch aus Spaß mal Lotto - und da wir in diesem Jahr auf den Brocken gewandert sind, muss ich meinen Gewinn natürlich auch in Sachsen-Anhalt abholen. Ich überreiche der Kioskbesitzerin in der Coswiger Straße meinen Lottoschein und fordere Geld.

Zwei Richtige + Zusatzzahl = 5,-€.

Hurra! Und was ich der heimatlichen Lottogesellschaft genommen, gebe ich der heimischen Wirtschaft wieder zurück und gehe erstmal ins Culinela etwas essen. Dort treffe ich auch wieder Michaela, die Besitzerin, welche mir vom letzten Wochenende erzählt. Das Lutherhaus wurde wiedereröffnet und im Zusammenhang mit dem guten Wetter wurde ihr Laden buchstäblich leergefuttert.

Das ist kein Witz. Das Culinela musste am Sonntag geschlossen bleiben, da alle Wochenendvorräte am Samstag schon über die Ladentheke gegangen sind – und wir befinden uns noch nicht mal im Reformationssommer, sondern noch im Schmuddelwinter.

Ein Tipp übrigens an alle, die auch gern einmal im Jahr wandern gehen – seht euch vorher nicht nur die Streckenkilometer, sondern auch die zu überwindenden Höhenmeter an. Wer kann denn auch wissen, dass Ilsenburg im Harz nur auf 250 Meter Höhe über dem Meer liegt? Jedenfalls spüre ich die gut 900 Meter Höhe bei zwölf Kilometer Strecke bis zum Brocken gerade mehr als deutlich in meinen Schienbeinen.

Aua, aua. Das kann Daniel Pflug nicht passieren. Der läuft sogar Ultramarathon. Wer Daniel Pflug ist? Zum einen gehört ihm das Bekleidungsgeschäft in der Coswiger Straße. Zum anderen ist er der Initiator des Fußballspiels gegen den Vatikan. Diese kleine Sportveranstaltung, die meiner Meinung nach die witzigste Form der Ökumene ist, die ich mir vorstellen kann, trug einst einen großen Teil zum Entstehen dieses Films bei.

Als ich vor fast zwei Jahren von der Idee hörte, dachte ich mir: „Daraus müsste man doch eigentlich einen kleinen Film machen“. Dass jetzt solch ein Projekt daraus geworden ist, hätte ich mir nicht träumen lassen – aber ich schweife ab.

Das Hinspiel fand übrigens im letzten Jahr statt - und wir haben 0:1 verloren. Am 17. Juni gibt es hier in Wittenberg das Rückspiel auf der Kampfbahn des Friedens und nächste Woche erzählt mir Daniel mehr darüber.

Zum Schluss noch eine Bitte an all die künstlerisch Begabten, die es für nötig halten, den Globus auf dem Markt zu sabotieren und die Tore der Freiheit mit ihren Ergüssen zu verzieren. Lasst den Scheiß! Niemand findet das cool – echt jetzt! (mz)