Ausstellung in Gräfenhainichen

Ausstellung in Gräfenhainichen: In der Paul-Gerhardt-Kapelle sind Klöppel-Kunstwerke zu sehen

Gräfenhainichen - Spitze ziert Tische und Schränke. Sie verfeinert edlen Zwirn. Aber muss Klöppeln trotz seiner großen Geschichte immer und ewig klassischen Mustern entsprechen? „Muss es nicht“, sagt Edelgard Sängerlaub. Die Sächsin zeigt in der Paul-Gerhardt-Kapelle „Klöppelspitze einmal ...

Von Ulf Rostalsky 04.02.2015, 10:42

Spitze ziert Tische und Schränke. Sie verfeinert edlen Zwirn. Aber muss Klöppeln trotz seiner großen Geschichte immer und ewig klassischen Mustern entsprechen? „Muss es nicht“, sagt Edelgard Sängerlaub. Die Sächsin zeigt in der Paul-Gerhardt-Kapelle „Klöppelspitze einmal anders“.

Kreativer Freiraum ist wichtig

Edelgard Sängerlaub hat dafür mit gängigen Normen gebrochen. Zwar greift die Frau aus Krostitz noch immer zum althergebrachten Handwerkszeug, hat Klöppelkissen und Klöppel bei der Hand. „Aber auf Klöppelbriefe verzichte ich fast immer.“ Die Musterbögen hat sie zur Seite gelegt. „Ich arbeite frei, lassen meinen Gedanken den nötigen Freiraum.“b

Das eröffnet in Verbindung mit anderen als gewohnten Materialien eine neue Welt. Statt feinem Zwirn nimmt Edelgard Sängerlaub schon einmal Wolle oder Bindfaden zur Hand. „Das gibt andere Strukturen und Tiefe.“ Feine Spitze ist so allerdings nicht herzustellen. Das möchte die geprüfte und anerkannte Kursleiterin für Klöppelkunst auch nicht. Sie will sich ausleben und klöppelt ganze Landschaften und Fassaden.

Individualität und Vielfalt

„Nein, ich mache keine Meterware“, lacht die Frau, die Mitte der Neunziger durch Zufall zum Klöppeln kam. Eine Kollegin schenkte ihr das Handwerkszeug. Sie selbst steuerte die nötige Neugier bei. „Ich versuche Fassaden, Tiere und Menschen darzustellen.“ Auf der Empore der Paul-Gerhardt-Kapelle sind die Arbeiten zu sehen. Sie sind ein Mix aus Malerei und Klöppelkunst. Das Au-Tor von Bad Schmiedeberg ist zu erkennen. Die Doppelkapelle von Landsberg ist verewigt. Auch Napoleon trägt Spitze. „Den habe ich 2013 fertig gemacht. Pünktlich zum Völkerschlachtjubiläum.“

Katzen, Tänzer, die Silhouette von Torgau tauchen auf. Dann gibt es einen alten Baum und eine schielende Katze. „Jeder muss seine Fantasie ausleben“, ist Edelgard Sängerlaub überzeugt. Sie freut sich, dass auch die von ihr begleitete Klöppelgruppe in Gräfenhainichen den Mut aufbrachte, neue Wege einzuschlagen. Die Frauen haben sich für Farbe entschieden. Die Ergebnisse stundenlanger Arbeit sind ebenfalls in der Paul-Gerhardt-Kapelle zu sehen. „Wir haben die Ausstellung zweigeteilt“, betont die Kursleiterin, die immer neue Dinge entdeckt.

Ein langer Weg zum Erfolg

„Ich wollte schon als Kind alles ausprobieren.“ Nur die Sache mit der Klöppelei habe ihre Zeit gebraucht. Im Erwachsenenalter setzte sich Edelgard Sängerlaub auf die Schulbank. „Einfach war das nicht. Meine Klöppellehrerin war sehr streng.“ Die Sächsin hat sich dennoch durchgebissen. Dem Einmaleins in Leipzig folgte die Ausbildung zur Kursleiterin in Chemnitz. Nun hat sie sich frei geschwommen, betreut Klöppelgruppen, unterrichtet an der Volkshochschule und stellt immer wieder aus. Von Anstrengung möchte sie nicht reden. Gleichwohl sie weiß, dass die Handarbeit Konzentration verlangt. „Aber mich strengt das nicht an. Für mich ist das Klöppeln ganz einfach eine schöne Art der Entspannung.“

Die Lockerheit spiegelt sich in den Arbeiten wider. Klassische Formen wechseln mit Collagen. „Es gibt immer was Neues.“ Nicht zuletzt deshalb ist die Klöpplerin zum dritten Mal mit einer Ausstellung Gast in Gräfenhainichen. (mz)