Digitalisierung

Aufbau von „Smart City“ verzögert sich in Wittenberg

Wittenberg geht beim Bundesprogramm leer aus. Und jetzt?

Von Irina Steinmann
Wie geht es weiter ohne die Millionenförderung für die „Smart City“ in Wittenberg?
Wie geht es weiter ohne die Millionenförderung für die „Smart City“ in Wittenberg? (Foto: imago images/Science Photo Library)

Wittenberg - Die Hoffnungen der Stadt Wittenberg, eine Millionen-Förderung des Bundes für die Umgestaltung zu einer „Smart City“ zu bekommen, haben sich zerschlagen. Wie jetzt bekannt wurde, zählt die Lutherstadt nicht zu jenen 28 Kommunen, die, über mehrere Jahre verteilt, viele Millionen Euro bekommen, um die Herausforderungen der modernen Gesellschaft zu meistern; Wittenberg hatte sich sechs Millionen erhofft.

94 Kommunen im Rennen

Unter dem Motto „Gemeinsam aus der Krise“ hatte das Bundesinnenministerium nach dem ersten Corona-Jahr 2020 im Frühjahr Kommunen zur Bewerbung aufgerufen. 94 Städte reichten Unterlagen ein, in Wittenberg fasste der Stadtrat am 14. April einstimmig den Beschluss, dass die Kommune „Smart City“ werden solle. Unterstützt wurde die Stadt im Wettbewerbsverfahren wie berichtet vom Kompetenzzentrum Stadtumbau Sachsen-Anhalt, das Land hatte die Wittenberger Bewerbung zudem ausdrücklich unterstützt.

Durchgesetzt hat sich stattdessen als einzige Kommune in Sachsen-Anhalt Halle sowie aus der näheren Umgebung Potsdam. Berücksichtigt worden seien im Osten fast nur Großstädte, murrte es nach Bekanntwerden der Entscheidung in der Mittelstadt. „Wir sind schon enttäuscht“, so Stadt-Sprecherin Karina Austermann; Modellprojekt zu werden, „wäre ein wichtiger Schritt gewesen“.

Wie es in Wittenberg nun weitergeht mit dem Umbau zur „Smart City“, in der, beispielsweise, dann auch im Verhältnis Bürger und Verwaltung vieles digital erledigt werden können soll, ist derzeit noch nicht völlig absehbar. Das Thema ist ja keines, von dem man sich jetzt einfach verabschieden könnte. Andererseits ist der Spielraum mit den ausbleibenden Millionen deutlich kleiner geworden. Geplant war im Rahmen der Wettbewerbsbeteiligung unter anderem die Einsetzung eines CDO, Chief Digital Officer, also eines Experten - oder einer Expertin - die den Prozess in der Verwaltung vorantreibt, fachbereichsübergreifend und darüber hinaus vernetzt mit externen Partnern.

Den CDO werde es ohne die Bundesmillionen jetzt jedenfalls erst einmal nicht geben, so Stadtplanerin Janine Stiller, ebenso wenig die ebenfalls geplante rasche und umfassende Vernetzung der Akteure in der Stadt. Stiller arbeitet im Fachbereich Stadtentwicklung, wo das Bewerbungsverfahren hausintern angesiedelt war.

Abseits der nun zumindest verzögerten „gesamtstädtischen Strategie“ ist es allerdings nicht so, dass Wittenberg auf die Millionen bloß gewartet hätte, um überhaupt zu beginnen. Drei Online-Projekte sind es denn auch, die bereits zuvor in Arbeit gewesen waren und nun unabhängig von den entgangenen Millionen weiterverfolgt werden sollen: Stiller nennt das Baulückenkataster, das Solar- und Gründachkataster, das womöglich bereits Anfang 2022 fertig sein wird, sowie last not least die im Aufbau befindliche eigene Internetseite in der Kampagne „Stadtgrün naturnah“. „Smart“ ist ohne „ökologisch“ heutzutage bekanntlich nicht mehr zu denken.

Lernen von den anderen

„Wir verdauen erstmals die Absage“, sagt Stiller, ohne dabei pessimistisch zu wirken. Denn auch wenn es mit den Millionen nicht geklappt hat, so wolle die Lutherstadt zumindest vom Wissenstransfer profitieren, der mit dem Smart-City-Prozess der anderen einhergehen soll.

Ausdrücklich habe der Auslober bei seiner Absage auf die geplante Koordinierungs- und Transferstelle verwiesen, die für den Austausch der Modellstädte untereinander und eben auch als Lieferant von „best practice“-Beispiele für die unterlegenen Interessierten dienen soll. Wittenberg wolle sich Vorhaben und Vorgehen der anderen Städte genau ansehen, um Anregungen und Erkenntnisse zu gewinnen. Nicht nur für eine mögliche Bewerbung in einer vierten Staffel. (mz)