Tausende Raser

Zwei stationäre Blitzer bringen der Stadt 67.600 Euro

Weissenfels - Wer am heutigen Tag geblitzt wird, der kann sich freuen.

Von Birger Zentner 21.01.2017, 07:00

Wer am heutigen Tag geblitzt wird, der kann sich freuen. Nicht etwa darüber, dass er nicht bezahlen muss. Aber er ist sozusagen Teil der Geburtstagsparty, denn am 21. Januar 1957 wurde in Düsseldorf zum ersten Mal in einem öffentlichen Test geblitzt. Der Blitzer, der seither Emotionen jederart von stoischer Gleichgültigkeit über den verbalen Wutausbruch, den Stinkefinger und den Biss ins Lenkrad bis hin zum Diebstahl der gesamten Anlage ausgelöst hat, wird 60 Jahre alt.

Keine besonderen Blitzeraktionen zum Jubiläum im Burgenlandkreis geplant

Im Burgenlandkreis hat die Polizei allerdings versichert, dass sie aus diesem Anlass keine Blitz-Sonderschichten einlegen wird. Dass dennoch geblitzt wird, ist natürlich nicht auszuschließen.

Unter anderem sind in Weißenfels die beiden städtischen Blitzlichter in der Naumburger Straße bergauf und in der Selauer Straße stadtauswärts in Borau aktiv. Die haben übrigens im vorigen Jahr 67.600 Euro in die Stadtkasse gespült. Das reißt zwar den Haushalt nicht aus seiner permanenten Schwindsucht, zumal man die Unkosten abziehen muss. 3.069 Kraftfahrer haben dafür blechen müssen. So weist es die Statistik der Stadtverwaltung aus, in die Pressesprecherin Katharina Vokoun einen Einblick gab.

Bei dem Ergebnis könnte man meinen, dass es sich lohnen würde, noch an anderen Stellen der Stadt stationäre Blitzer in Form des Starenkastens in der Naumburger Straße oder der bildhübschen Stele in Borau aufzustellen. Allerdings hat die Stadt diese Absicht vorerst nicht, wie Vokoun sagte.

Würde man das Geschäft so richtig betreiben wollen, da vermag die Autobahnpolizei als Beispiel dienen. Das zuständige Revier in Weißenfels hat ja noch den Zusatznamen „spezialisierte Verkehrsüberwachung“. Deswegen sind deren Messgeräte nicht nur auf den Autobahnen 9, 14, 38 und 143 unterwegs, sondern unter anderem auch an verschiedenen Bundesstraßen wie an der B 91 zwischen Weißenfels und Zeitz an der Aupitzer Kreuzung.

Diese Geräte verwendet die Autobahnpolizei

Was die Autobahnpolizei dafür einsetzt, liest sich beeindruckend. Zwei ESO-Geschwindigkeitsmessgeräte, zwei VKS-Systeme für Geschwindigkeits- und Abstandskontrolle, zwei zivil aussehende Provida-Fahrzeuge, die dem Sünder hinterhereilen, und noch ein Poliscan-Speed-Messgerät.

Laut Veit Raczek, Pressesprecher des Autobahn-Polizeireviers Weißenfels, wurden mit Hilfe dieser Gerätschaften im vorigen Jahr 12.877 Kraftfahrer zur Kasse gebeten. 1.788 von ihnen waren nach dem Fotografieren sogar temporär Fußgänger geworden, bekamen also ein Fahrverbot.

Wieviel Geld in dem Zusammenhang in die Landeskasse kam, ist nicht bekannt. Würde man im Durchschnitt aber pro Geschwindigkeitsübertretung 21 bis 25 Kilometer pro Stunde (km/h) annehmen, was laut Bußgeldkatalog 70 Euro kostet, dann kommen rund 900.000 Euro zusammen. Vermutlich sind es mehr.

Dagegen nimmt sich die Bilanz des Reviers Burgenlandkreis geradezu mickrig aus. Die Handgeräte, auch Laserpistole genannt, waren im vorigen Jahr 1.093 Stunden im Einsatz, sagte Pressesprecherin Gesine Kerwien. Die Beamten, die damit unterwegs waren, stellten dabei rund 1.080 Geschwindigkeitsverstöße fest und baten entsprechend zur Kasse. Auch hier kann man nur mutmaßen. Da auf Landstraßen ein wenig weniger gerast wird als auf Autobahnen, sind vielleicht irgendwas zwischen 25.000 und 35.000 Euro zusammengekommen.

Den Schnellsten des Jahres hat die Autobahnpolizei erwischt. Auf der A 14 bei Petersberg, nordöstlich von Halle, hatte der Betreffende am 21. Juni 227 Kilometer pro Stunde drauf, 120 waren erlaubt. So ein Rekordergebnis zieht viel nach sich. Denn bei mehr als 70 Kilometern pro Stunde über dem Erlaubten werden zwei Punkte fällig, 600 Euro Bußgeld und drei Monate Fahrverbot. Kann man dagegen was tun? Die Internetseite www.bussgeldbescheid.org bietet eine kostenlose Prüfung der Einspruchchancen an. Oder einfach nicht so schnell fahren.

(mz)