Zum vierten Mal Vorsitzender im Stadtrat Weißenfels

Zum vierten Mal Vorsitzender im Stadtrat Weißenfels: „Es macht noch Spaߓ

Weißenfels - Jörg Freiwald wurde in Weißenfels zum vierten Mal als Vorsitzender gewählt. Wie er die Herausforderung in den nächsten fünf Jahren meistern will.

13.08.2019, 11:00

In wenigen Tagen nimmt der neu gewählte Weißenfelser Stadtrat mit der Sitzung von Ausschüssen seine Arbeit auf. Auf der konstituierenden Sitzung im Juli wurde Jörg Freiwald (Die Linke) ohne Gegenkandidaten erneut zum Vorsitzenden gewählt. Reporter Andreas Richter sprach mit dem 64-Jährigen über seine bevorstehende Aufgabe.

Sie sind seit 15 Jahren Vorsitzender des Stadtrates. Was motiviert Sie noch einmal fünf Jahre dranzuhängen?
Freiwald: Ich mache das gern und es macht mir auch nach 15 Jahren noch immer Spaß. Es reizt mich, unterschiedliche Auffassungen zu einer Entscheidung zusammenzuführen. Ich habe als Rentner jetzt mehr Zeit für das Ehrenamt und ausreichend Erfahrung. Auch deshalb habe ich mich aktiv um den erneuten Vorsitz im Stadtrat beworben.

Der neue Stadtrat hat ein deutlich anderes Gesicht als bislang. Mit der AfD und Der Partei sind neue Kräfte eingezogen. Wie wird sich das auf Ihre Arbeit auswirken?
Freiwald: Ich sehe der neuen Legislaturperiode positiv und mit Spannung entgegen. Neue Ideen und Impulse sind doch grundsätzlich positiv. Ich habe mit keiner Meinung ein Problem, entscheidend ist für mich eine ehrliche und sachliche Argumentation.

Rechnen Sie mit der einen oder anderen Provokation?
Freiwald: Das ist nicht auszuschließen. Ich werde damit sachlich und sauber umgehen. Grundlage sind für mich die Regeln der Geschäftsordnung. Ich hoffe nicht, dass sich der Ton im Stadtrat grundsätzlich verschärft. Was eine mögliche Flut von Anfragen im Rat betrifft, so bin ich schon dafür abzuwägen, ob es wirklich die Aufgabe des Stadtrates ist, jedes Bedürfnis an Wissen eines Abgeordneten zu befriedigen.

Sie sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Stadtrat und Verwaltung. Wie bewerten Sie Ihr Verhältnis zu Oberbürgermeister Robby Risch?
Freiwald: Wir arbeiten sachlich-konstruktiv zusammen und tragen keine Konflikte vor uns her. Es geht immer um die Sache. Ich würde mir allerdings in dem einen oder anderen Fall wünschen, dass der OB den Rat in bestimmte Entscheidungen stärker einbezieht.

Die unmittelbare Leitung ist ja nur ein Teil Ihrer Aufgabe. Wie wird eine Ratssitzung eigentlich vorbereitet?
Freiwald: Nachdem das Büro des Stadtrates die Tagesordnung für die nächste Sitzung aufgestellt hat, treffe ich mich etwa zehn Tage vorher mit dem Oberbürgermeister. Dann sprechen wir Punkt für Punkt durch, prüfen, ob die einzelnen Themen vorher in den Ausschüssen beraten wurden. Um fit zu sein, lese ich mir vorher alle Sachstandsberichte und Beschlussvorschläge der Verwaltung durch. Das sind schon noch mal drei bis vier Stunden. Jeweils montags vor der Ratssitzung am Donnerstag treffe ich mich mit den Vorsitzenden der Fraktionen. Das hat sich bewährt. So lässt sich möglicherweise Konfliktpotenzial frühzeitig erkennen.

In der vergangenen Legislaturperiode wurde die Arbeit des Rates weitgehend digitalisiert. Wie hat sich das Ganze bisher bewährt?
Freiwald: Ich bin sehr zufrieden damit. Nach anfänglichen Schwierigkeiten spürt man jetzt immer mehr, wie die Digitalisierung die Arbeit erleichtert.

In den nächsten fünf Jahren werden wieder viele Themen zu diskutieren und Entscheidungen zu treffen sein. Wo sehen Sie die Schwerpunkte?
Freiwald: Da ist zuallererst die angespannte finanzielle Situation der Stadt. Hier werden wir immer wieder nach Kompromissen suchen müssen, um als Kommune handlungsfähig zu bleiben. Fragen der baulichen Entwicklung werden uns weiter beschäftigen. Das zeigt auch die aktuelle Debatte um den Marktplatz. Hier müssen wir die Frage klären, wie wir mit den vielen Ideen der Bürger umgehen.

Der Anbau des HeinrichSchütz-Hauses, die weitere Sanierung des Schlosses oder die Umsiedlung des Heimatnaturgartens - solche Themen werden uns umtreiben. Mir persönlich liegt am Herzen, die Zusammenarbeit mit den Ortsteilen weiter zu verbessern. Wir sollten endlich die noch immer gefühlte Diskrepanz zwischen Kernstadt und Ortschaften überwinden. (mz)