Zugeparkte Straßen

Zugeparkte Straßen in Weißenfels: Kein Platz für die Rettungsdienste

Weißenfels - Bei Kontrollen haben die Brandschützer festgestellt, dass Straßen mitunter so zugeparkt sind, dass für Rettungsfahrzeuge im Notfall kein Durchkommen ist.

Von Andreas Richter 24.04.2017, 06:52

Sorgen bei der Weißenfelser Feuerwehr: Bei Kontrollen haben die Brandschützer festgestellt, dass Straßen mitunter so zugeparkt sind, dass für Rettungsfahrzeuge im Notfall kein Durchkommen ist.

Die Albert-Schweitzer-Straße in der Neustadt ist da nur ein Beispiel. Wie Ortswehrleiter Steve Homberg berichtete, gibt es dort vor allem donnerstags Probleme. Weil die Kehrmaschine kommt, darf zwischen 11 und 13 Uhr auf der rechten Seite nicht geparkt werden. Dann stehen die Autos links, nach dem Kehren parken die ersten wieder rechts. „Wenn die Autos dann zu dicht wechselseitig parken, ist es der Feuerwehr unmöglich, die Straße zu passieren“, sagt Homberg. Und er setzt noch einen drauf: „Wir sind chancenlos bei der Rettung von Menschen, wenn wir die Drehleiter nicht ausfahren können.“

Zugeparkte Straßen in Weißenfels: Vorgeschriebene Abstände werden nicht eingehalten

In den meisten Fällen, so haben Kontrollen auch anderswo in der Stadt ergeben, werden vorgeschriebene Abstände nicht eingehalten. Homberg: Zwischen abgestellten Fahrzeugen und dem gegenüberliegenden Bordstein müssen laut Straßenverkehrsordnung mindestens drei Meter Platz vorhanden sein. Zwischen wechselseitig parkenden Fahrzeugen müssen von Stoßstange zu Stoßstange mindestens zehn Meter Platz sein.

Weil diese Vorschriften offenbar vielen kaum bewusst sind, will die Weißenfelser Feuerwehr nun eine Offensive starten. Unter dem Motto „Wir würden Sie gern retten, wenn Sie uns lassen“, wollen die Brandschützer Aufklärungsarbeit leisten. Über soziale und andere Medien, aber auch mit einem eigens erstellten Flugblatt, auf dem auf die vorgeschriebenen Mindestabstände hingewiesen wird. „Wir wollen den Flyer in Wohngebieten verteilen und in die Briefkästen stecken“, kündigt Homberg an. Bei dieser Aktion soll auch die Kinder- und Jugendfeuerwehr einbezogen werden.

Ordnungsamt Weißenfels: Wir werden den Vorstoß der Feuerwehr zum Anlass nehmen, um uns die Parksituation in einigen Wohngebieten noch einmal vor Ort anzuschauen

Rückenwind bekommt die Feuerwehr vom städtischen Ordnungsamt. „Wir hoffen, dass der Flyer zum Umdenken anregt, die Mindestabstände beim Parken einzuhalten“, sagt der zuständige Fachbereichsleiter Maik Trauer. Zugleich versichert er, dass die Stadt verstärkt die Einhaltung der Parkvorschriften kontrollieren wird.

Allerdings ist Trauer ebenso wie Homberg bewusst, dass das Problem noch ein gutes Stück tiefer liegt. „Wir werden den Vorstoß der Feuerwehr zum Anlass nehmen, um uns die Parksituation in einigen Wohngebieten noch einmal vor Ort anzuschauen“, sagt Trauer. Mitunter könne vielleicht durch eine veränderte Beschilderung etwas getan werden. Der Vertreter der Stadt appelliert allerdings auch an die Bürger, in dem einen oder anderen Fall die Bequemlichkeit zu überwinden und auch Parkplätze zu nutzen, die ein paar Meter weiter möglicherweise problemlos zur Verfügung stehen. So könnten enge Straßen mitunter entlastet werden.

Ordnungsamt Weißenfels: Wir müssen neue Parkgelegenheiten schaffen

Das kann auch Steve Homberg nur begrüßen. So gebe es beispielsweise am Röntgenweg vor ehemaligen Einkaufsmärkten zahlreiche Parkmöglichkeiten. „Wir müssen neue Parkgelegenheiten schaffen und gleichzeitig das Parken an bestimmten sensiblen Stellen rigoros verbieten“, meint Homberg. Beim dem Thema sieht er allerdings auch die Vermieter in der Pflicht.

„Dort, wo etwas machbar ist, haben wir schon etwas getan“, versichert Kathleen Schechowiak, Geschäftsführerin des städtischen Großvermieters Wohnungsbau Wohnungsverwaltung Weißenfels GmbH (WVW), zum leidigen Thema Parkplätze. Als Beispiele nennt sie die Fröbel- und die Fichtestraße, in denen in jüngster Zeit einige zusätzliche Stellflächen geschaffen wurden. Allerdings: Wunderdinge könne man gerade in historisch gewachsenen Wohngebieten nicht erwarten. Auch Schechowiak appelliert deshalb an das Verständnis der Bürger. Nicht immer und überall sei es halt möglich, zehn Meter vor der eigenen Haustür zu parken. (mz)