Zuflucht für Jugendliche

Zuflucht für Jugendliche : Neue Wohngemeinschaft für junge Flüchtlinge ist bereit

WEISSENFELS - Die Betten sind frisch bezogen. Auf dem Kopfkissen liegt eine Tafel Schokolade - ein Willkommensgruß. So sehen Zimmer einer völlig neuen Wohngemeinschaft an der Schützenstraße in Weißenfels aus. Sie soll ein Zuhause werden für zehn Flüchtlingskinder und -jugendliche, die ohne Begleitung Erwachsener nach Deutschland gekommen sind - also ...

Von Andrea Hamann-Richter 04.03.2016, 17:38

Die Betten sind frisch bezogen. Auf dem Kopfkissen liegt eine Tafel Schokolade - ein Willkommensgruß. So sehen Zimmer einer völlig neuen Wohngemeinschaft an der Schützenstraße in Weißenfels aus. Sie soll ein Zuhause werden für zehn Flüchtlingskinder und -jugendliche, die ohne Begleitung Erwachsener nach Deutschland gekommen sind - also mutterseelenallein.

Das ist ein riesiges Problem für die Kommune. Es ist zwar nicht genau belegt, wie viele minderjährige Flüchtlinge kommen. Fakt ist aber, dass sie einer besonderen Betreuung bedürfen. Die Kinder und Jugendlichen können nämlich nicht einfach in eine der vielen Sammelunterkünfte gesteckt werden. Dieser Aufgabe hat sich nun die Interessengemeinschaft Bildung-Leuna-Merseburg (IBLM) gestellt.

Steffen Staake ist der Geschäftsführer der IBLM. „Unsere Mitarbeiter haben hier in einem Affenzahn unglaublich tolle Rahmenbedingungen geschaffen“, sagt er. Vier Wochen hatten sie nur Zeit dazu. Dann kam die Zustimmung vom Jugendamt des Burgenlandkreises.

Aus den Büro- und Beratungsräumen wurde altes Mobiliar entfernt, die Wände gestrichen, Jalousien montiert, Schränke und Betten aufgestellt. Jetzt sind es die Zimmer für die Kinder und Jugendlichen.

Steffen Staake geht in die Gemeinschaftsküche. Der Kühlschrank ist gefüllt mit Eiern, Hähnchenaufschnitt, Brot und weiteren Lebensmitteln. Herde, Waschbecken, Arbeitsfläche und mit Geschirr und Besteck bestückte Schubladen und Schränke komplettieren die Einrichtung.

Zukünftig werden dort die Bewohner gemeinsam Mahlzeiten zubereiten. Gegessen wird auch gemeinsam - wie in einer Familie. Dafür gibt es einen Raum mit großem Tisch, Couchgarnituren und dem einzigen Fernseher in der Wohngruppe. „Es gibt ganz klare Spielregeln“, macht Staake deutlich. Die beinhalten unter anderem einen Putzplan und eine festgesetzte Nachtruhe. WLAN gibt es auch. Das wird aber um 21 Uhr abgeschaltet - ebenfalls Bestandteil der Regeln. Diese müssen eingehalten werden. Dafür sorgen Sozialarbeiter. Der Mann der ersten Stunde ist Thomas Ganz. Er war bisher in der sich auf dem Gelände befindlichen Jugend- und Freizeiteinrichtung „Das Boot“ als Sozialarbeiter tätig. Nun hat er zum betreuten Wohnen gewechselt. „Das wird spannend“, freut er sich. So richtig kalt wird der Sprung in das kalte Wasser aber nicht. Seit Monaten hat sich Ganz im „Boot“ bereits um viele jugendliche Flüchtlinge gekümmert.

Bis ein Ersatz für ihn gefunden ist, leitet Mario Kabisch-Böhme die Freizeiteinrichtung allein weiter. Der Betrieb läuft also wie gehabt.

Wenn die WG mit den zehn Kindern voll belegt ist, werden sich zehn Fachkräfte um sie kümmern. Sie werden im Drei-Schicht-System rund um die Uhr anwesend sein. Das ist ein Traum an Personalschlüssel. Das weiß Steffen Staake und er will es genau so. Diese jungen Menschen brauchen besondere Unterstützung. Daher sucht er auch noch händeringend nach weiteren Sozialarbeitern (unten stehend die Bewerbungsadresse).

Die zwischen 14 und 18 Jahre alten Jugendlichen werden im Haus Deutschunterricht bekommen. Später ist die Einschulung geplant. In ihrer Freizeit können sie ins „Boot“ gehen. Aber sie werden auch an verschiedene Berufe herangeführt. „Hauswirtschaft, Tischler, Metall, Maler, Garten- und Landschaftsbau und Bürokommunikation“, zählt Staake auf. Das sind die Berufe, für die es in dem Haus Lehrwerkstätten gibt. „Wir sind seit 25 Jahren anerkannter Bildungsträger“, sagt Staake. Dadurch werden sie für den Arbeitsmarkt fit gemacht. So soll in der IBLM Integration funktionieren.

Der Kühlschrank ist gut gefüllt, die ersten Bewohner werden erwartet: es soll vorerst ein 17-jähriger Junge aus Syrien ankommen. Die neun anderen jungen Menschen werden vermutlich bald folgen. Kapazitäten für noch mehr Ankömmlinge hätte das Haus. Staake will aber keine quälende Enge, sondern eine menschenwürdige Unterbringung.

Bewerbungen für Sozialarbeiter ab sofort an staake@bal.de (mz)