Wochenmarkt Weißenfels

Wochenmarkt Weißenfels: Händler sind wieder vereint

Weissenfels - Stadt lenkt überraschend ein. Alle Verkäufer dürfen ab Dienstag auf der Jüdenstraße ihre Waren verkaufen. Pflanzenhändler atmen auf.

Von Andrea Hamann-Richter 02.05.2017, 08:30

Großes Aufatmen bei den Grünhändlern des Wochenmarktes von Weißenfels. Ihr tristes Dasein an der Marienkirche hat ein Ende. Sie dürfen nun doch ab dem heutigen Dienstag auf die Jüdenstraße ziehen. Damit geht ein großer Wunsch in Erfüllung.

Das ist auch an den ersten Reaktionen zu merken. „Da freue ich mich“, sagt Elke Dechant-Fabig. Die Direktvermarkterin aus Markwerben erfährt am Telefon von der MZ von den Neuigkeiten. „Es war so frustrierend, dass keiner mehr kam“, sagt sie. Auf dem Platz an der Marienkirche war kaum noch ein Kunde erschienen. Anders sah es dagegen auf der Jüdenstraße aus. Dort steppte der Bär.

Wochenmarkt Weißenfels: Umsatzeinbußen von mehr als 20 Prozent hatte

Elke Dechant-Fabig schätzte ein, dass sie Umsatzeinbußen von mehr als 20 Prozent hatte. Sie selbst war in ihrer Verzweiflung schon auf der Jüdenstraße gewesen und hatte dort Gewerbetreibende und Händler gefragt, ob sie etwas dagegen hätten, wenn die Mitstreiter an der Marienkirche zu ihnen umziehen würden. „Viele waren einverstanden“, erzählt die Frau, sie seit 38 Jahren auf dem Markt verkauft. Sie hofft, dass die zweite Saison, das heißt, das Geschäft mit Beet- und Balkonpflanzen, nun besser läuft, als die erste, in der sie hauptsächlich Frühblüher angeboten hatte.

Begeistert reagiert auch Carsten Krehahn, als er durch die MZ vom Umzug erfährt. Der Mann aus Naumburg verkauft seit 21 Jahren seine landwirtschaftlichen Produkte in Weißenfels. Er fand es auch sehr deprimierend, in der Nebenstraße seine Produkte anbieten zu müssen. Seit dem Beginn der Marktplatzsanierung habe er Umsatzeinbußen von ungefähr 30 Prozent hinnehmen müssen, schätzt er. „Aber von Luft und Liebe können wir nicht leben“, macht er klar. An manchen Tagen war es so schlimm, dass er gerade mal seine Standmiete eingenommen hatte. Ab Dienstag wird sich das Geschäft wieder erholen, so hofft auch er.

Stadt Weißenfels hatte sich erst gegen diese Möglichkeit eines gemeinsamen Marktes auf der Jüdenstraße gesträubt

„Wir begrüßen das alle“, sagt auch Siegrid Bähre aus Goseck. Sie findet es auch schön, weil ihrer Meinung nach die Jüdenstraße noch mehr belebt wird.

Die Stadt hatte sich erst gegen diese Möglichkeit eines gemeinsamen Marktes auf der Jüdenstraße gesträubt. Sie hatte angegeben, dass gewisse Flächen auf der Jüdenstraße freizuhalten sind. Das waren zum Beispiel Schaufenster, gemietete Flächen vor Geschäften, Bänke und Zugänge. Dabei hatten die Gewerbetreibenden und Händler dort signalisiert, dass es für jeden Händler eine Möglichkeit geben würde. Außerdem gab es Aussagen, dass eben zusammengerückt werde.

Prioritätenliste in Weißenfels: Kleinsterzeuger sowie Händler mit Lebensmitteln und pflanzlichen Produkten haben Vorrang

Nun die überraschende Wende. Das städtische Veranstaltungsmanagement hatte in einer Pressemitteilung bekanntgegeben, dass die Stellplätze geändert werden. „Wir freuen uns, dass der Markt in der Jüdenstraße zur Belebung der Innenstadt beiträgt. Wir wollen, dass die Bauarbeiten am Markt für alle Betroffenen mit möglichst wenig Einschränkungen verbunden sind. Und wenn das bedeutet, dass wir unsere Pläne noch einmal neu überdenken müssen, dann machen wir das“, erklärte Bürgermeister Robby Risch (parteilos).

Allerdings gibt es eine Prioritätenliste. Kleinsterzeuger sowie Händler mit Lebensmitteln und pflanzlichen Produkten haben Vorrang. Händler mit Leder- Haushaltswaren oder Textilien erhalten die restlichen freien Plätze auf der Jüdenstraße. Wird es knapp, wird gelost. Wer von ihnen das Nachsehen hat, muss anstelle der Grünhändler an die Marienkirche. Damit kein Chaos ausbricht, kündigt das städtische Ordnungsamt vermehrt Kontrollen an. (mz)