Wochenmarkt

Wochenmarkt: Es wird extrem eng. Warum Händler vom Markt weichen müssen und mit Einbußen zu rechnen haben.

Weissenfels - Auf dem Weißenfelser Marktplatz haben sich gestern die ersten Händler mit ihren Ständen eingestellt.

Von Petra Wozny 18.01.2017, 12:51

Nach der obligatorischen Weihnachtspause haben sich gestern auf dem Weißenfelser Marktplatz die ersten Händler mit ihren Ständen eingestellt. Handverlesen kamen sie - etwa ein Fünftel der ansonsten etablierten Händlerschar. Zu spüren war: Hier herrscht die Ruhe vor dem Sturm. In etwa vier Wochen wird der Marktplatz für die bevorstehenden Bauarbeiten gesperrt - Eier- und Gemüseverkäufer, Strickwaren- und Taschenhändler müssen verschwinden.

Rings um die Marktkirche sollen sie sich laut Stadt ein Plätzchen suchen. Die Durchfahrtsbreite soll weiter gegeben sein. Hauseingänge müssen freigehalten werden. Die Stadt schätzt, dass so ungefähr 300 Meter Fläche für die Stände zur Verfügung stehen werden. Wie es jedoch in der Praxis funktionieren soll, weiß offenbar keiner.

Forellenanlage Luckenau braucht die Einnahmen

„Natürlich habe ich Bedenken. Seit 20 Jahren sind wir in Weißenfels mit frischem Fisch aus eigener Produktion vor Ort. Wir brauchen die Einnahmen. Ich denke, wir werden uns ganz schön strecken und Verluste ertragen müssen“, prognostiziert der Gesellschafter Matthias Ruh.

Rentner glaubt an Bevorzugung der Großen

Zweimal die Woche verkauft Reinhard Grober aus Kleinjena Produkte aus seinem Garten. Die Abwechslung tue ihm gut. Für die Zukunft erwartet er nichts Gutes. „Sicher werden erst einmal die Großen mit ihren Lieferautos bevorzugt. Was soll ich da mit meinem alten Wartburg und dem kleinen Tisch? Wo bleiben wir?“ Er will aber weiterhin Weißenfels ansteuern, sich von der Lage ein Bild machen und dann entscheiden. „Zweifel sind da“, so der 77-Jährige.

Kötzschauer Eierverkäufer machen sich Sorgen

Das Landwirtschaftliche Dienstleistungszentrum steht mit seinem Stand seit 25 Jahren auf dem Weißenfelser Markt. Verkauft werden jedes Mal rund 7 200 Eier. „Die müssen an den Mann, egal wo wir stehen. Die Kunden sind jetzt schon verunsichert, das teilen sie uns schon mit. Ich denke, die Anlaufzeit wird bestimmt eine schlimme Durststrecke für uns“, vermutet Händlerin Gudrun Riedel.

Kurzwarenhändlerin befürchtet Einbruch

Alle 14 Tage fährt Martina Ert aus Schkeuditz mit ihren Kurzwaren auf den Wochenmarkt - im Gepäck etwa 25 große Kartons mit Ware. „Zwei Jahre Bauarbeiten - ist das nicht etwas lange?“, fragt sie. Sie wurde informiert, dass sie ihren Stand neben der Kirche aufstellen darf. Wohin aber mit dem Transporter? „Ich kann doch meinen Stand nicht allein lassen und jede einzelne Kiste eventuell vom Klingenplatz bis zur Kirche schleppen?“ Die Frau vermutet, dass der Wochenmarkt einbricht.

Gemüsehändlerin aus Goseck glaubt ans Gute

„Ich bin schon in der zweiten Generation auf dem Wochenmarkt und verkaufe Obst und Gemüse aus meinem Garten“, schildert die 78-jährige Siegrid Bähre aus Goseck. Sie vertraut auf das Gute. „Wer mich finden will, findet mich.“

Käse-Maik spricht von Amputation

Mit zwölf Metern Länge ist der gelbe Stand des Chemnitzer Käse-Händlers dienstags der größte auf dem Wochenmarkt. Zwei Tonnen Ware werden verkauft. „Weißenfels ist eigentlich ein gutes Pflaster“, urteilt Michael Weyde. „Der Verkauf wird zurückgehen. Zwei Jahre Einschränkungen sind für einen Selbstständigen eine Amputation. Wir werden das nur durch unsere sechs anderen Fahrzeuge kompensieren können. Hoffentlich.“

Panda-Imbiss-Betreiber hat Angst

Do Van My steht die Angst ins Gesicht geschrieben. „Werde ich dann noch die 40 Essen verkaufen können wie jetzt dienstags und donnerstags? Weniger Gerichte - weniger Geld,“ sagt der Vietnamese trocken.

Nur wenige Standplatz-Garantien

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Wie schon auf dem Markt soll dieses Prinzip auch auf der Fläche der Marienkirche gelten, ist vom städtischen Veranstaltungsmanagement zu hören. Eine Standplatz-Garantie haben zwei, drei Händler mit Festverträgen. Vorrangig würden dann die Händler behandelt, die regelmäßig in Weißenfels sind. Aber theoretisch könne jeder Händler nach Weißenfels kommen und seine Waren anbieten. Die Stadt Weißenfels vermietet den Platz und kassiert die Händler vor Ort ab. Wenn der Platz voll ist, müssten die übrigen Händler wieder gehen.

Dies sei auf dem Markt aber genauso. Ab wann die Händler zum neuen Standplatz an der Marienkirche wechseln müssen, steht noch nicht genau fest. „Es wird haarig, es wird eng, es wird kompliziert“, so bringt die Weißenfelser Marktleiterin Carola Schött-Jagemann die bevorstehende Situation für die fliegenden Händler auf den Punkt. So richtig könne sie ihnen noch keine Auskunft geben, meint sie. Die Bauarbeiten an der Kirche seien noch nicht fertig.

Geplant sei, dass sich nach Bauende die Händler rechts und links der Kirchenmauer platzieren dürfen. Ob mit Lieferauto oder nicht - die Marktleiterin zuckt die Schultern. Ob dann in Sommerzeiten wirklich bis zu 40 Stände ihren Platz haben werden - Achselzucken. Was mit dem Ostermarkt im April wird? Keine Ahnung.

(mz)