Wirtschaftsstammtisch Weißenfels

Wirtschaftsstammtisch Weißenfels: Ein Netzwerk vor dem Netzwerk

Weißenfels - Der Wirtschaftsstammtisch ist 25 Jahre alt geworden. Was ihn belebt, wiederbelebt und schließlich erhalten hat.

Von Birger Zentner 23.06.2017, 08:15

Stolzenhain bei Droyßig. Dort träumt man nur vom schnellen Internet und ist sauer, dass mit dem vom Kreis angeschobenen Ausbau noch nicht begonnen wurde. Ein Einwohner beklagte sich in dieser Woche telefonisch darüber wie langsam seine 384 Kilobit pro Sekunde sind. Was sagen da erst Unternehmer, deren Internet nur so stottert.

Am Weißenfelser IHK-Wirtschaftsstammtisch ist das immer wieder ein Thema, denn Stolzenhain ist kein Einzelfall, wenn auch in und um Weißenfels 384 Kilobit der Vergangenheit angehören sollten. Dennoch setzte in der Festveranstaltung des Stammtisches anlässlich seines 25-jährigen Bestehens Wirtschafts-Staatssekretär Thomas Wünsch (SPD) eben auch da noch mal an. Er betone, wie wichtig das Land den Ausbau der digitalen Infrastruktur nimmt.

200 Millionen Euro landesweit eingeplant

Sein Chef, Minister Armin Willingmann (SPD) hatte ja gerade Fördermittelbescheide von knapp zehn Millionen Euro an den Kreis übergeben. 200 Millionen Euro habe man landesweit eingeplant, sagte Wünsch. Nur die vom Bund avisierten Millionen fehlen noch, aber da wussten weder Staatssekretär noch Landrat Götz Ulrich (CDU) einen Termin zu nennen, wann sich das Bundes-Verkehrsministerium bewegt. Auch wenn das Thema von den Unternehmern, die sich regelmäßig am Wirtschaftsstammtisch treffen, immer wieder an die Kreis- und Landesbehörden herangetragen wird.

Und so versteht sich der Wirtschaftsstammtisch in Weißenfels auch; als Gremium des Gedankenaustauschs, als Mittler zur Politik, als Interessenvertreter. Und das seit 25 Jahren mit kleiner Unterbrechung. Hans-Jürgen Stößer, Leiter der Weißenfelser Geschäftsstelle der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau blickte im wunderschön renovierten Saal des Schlosses Burgwerben zurück.

Gründung in der Aufbruchseuphorie

In der Aufbruchseuphorie, die es neben dem Zusammenbruch ganzer Industriezweige wie der Schuhindustrie in Weißenfels, gab, gründete sich am 10. Juli 1992 der Weißenfelser Wirtschaftsclub. 17 Mitglieder hatte er am Anfang. Zwei Jahre später ging er wieder ein, um kurz darauf als Wirtschaftsstammtisch wiederbelebt zu werden. „Heute hat er 53 Mitglieder“, sagte Stößer. Darunter Roland Hirschfeld. Der 74-Jährige hat den Stammtisch einst mit aus der Taufe gehoben. Der Langendorfer und einstige Elektroanlagenbau-Geschäftsführer hält ihm auch als Senior bis heute die Treue.

Mangelndes Engagement der Politik nannte Stößer als Grund für das Ende des ersten Versuchs. Versprechen der Politik, es besser zu machen, half dem Neubeginn. Gehaltenes Wort unterstützt den Bestand bis heute. Nicht umsonst waren auch die drei letzten Oberbürgermeister von Weißenfels, Gisela Bevier, Manfred Rauner und aktuell Robby Risch zur Feier eingeladen. Auch vom Kreis wird der Stammtisch wahr- und ernstgenommen.

Mitglieder wollen Themen des Stammtisches selbst bestimmen

Vor allem aber das Engagement der Mitglieder, die die Themen des Stammtisches selbst bestimmen, haben ihn zu dem gemacht, was er heute ist. Es ist ein Netzwerk der Wirtschaft, das entstand, als man von Netzwerken noch kaum sprach.

Damit erklärt sich auch, dass er im Süden Sachsen-Anhalts ein Aushängeschild der IHK geworden ist, wie Hauptgeschäftsführer Thomas Brockmeier erklärte. Das ist der Kammer soviel wert, dass sie dem 25-jährigen Bestehen eine Sonderausgabe ihres Heftes „Mitteldeutsche Wirtschaft“ widmet. (mz)