Wirtschaftsamt Weißenfels

Wirtschaftsamt Weißenfels: Ein neues Beratungstrio für Existenzgründer

Teuchern/Weißenfels - Mit einer anderen Herangehensweise will das Wirtschaftsamt der Stadt Weißenfels Existenzgründer und Unternehmer beraten.

Von Klaus-Dieter Kunick 05.02.2017, 07:00

„Wer das jeden Tag macht, also das ist schon gefährlich“ - Siegfried Köhler bezog seinen Satz auf das Fällen eines zirka 15 bis 20 Meter hohen Spitzahorns, der dieser Tage im Stadtpark in Teuchern gefällt wurde. Der Baum mit einem Stammdurchmesser von 70 Zentimetern stand in unmittelbarer Nähe des Flüsschens Rippach und zudem nur wenige Meter entfernt vom Wohnhaus von Siegfried Köhler. Doch Martin Bauer leistete Maßarbeit: Er setzte die Kettensäge so an, dass der Spitzahorn genau entlang des Baches fiel.

Weg führt ihn nach Weißenfels

Was Martin Bauer an Genauigkeit und Präzision beim Fällen des Baumes in die Waagschale werfen kann, muss er in Sachen Selbstständigkeit erst noch lernen. Und so führte ihn sein Weg dieser Tage nach Weißenfels, ins Technische Rathaus der Stadtverwaltung. Der 27-Jährige betrat eher vorsichtig den Beratungsraum und erkundigte sich behutsam, ob er denn hier richtig sei. War er, denn Katrin Jährling von der Unternehmensberatung Servicebüro Jährling und Elke Simon-Kuch, die Geschäftsführerin der Simon Werbung, sowie Lars Meinhardt, Leiter des städtischen Amtes für Wirtschaftsförderung, erwarteten ihn schon.

Martin Bauer erschien aus gutem Grund: Der 27-Jährige will sich selbstständig machen. „Brennholzhandel“ ist auf seiner Visitenkarte zu lesen. Dazu gehören unter anderm die Baumfällung und die Baumentsorgung. Dass er sich diesem Metier widmet, hat einen realen Hintergrund: Ihm und weiteren Kollegen seines ehemaligen Betriebes sei gekündigt worden. Warten, was da kommt, ist nicht sein Ding, der Weg in die berufliche Selbstständigkeit kam für ihn als eine machbare Lösung in Frage.

Noch einmal auf die Schulbank

Doch bevor Martin Bauer so richtig loslegen will, will er sich umfassend beraten lassen. Und genau diesen Part übernahmen dieser Tage Elke Simon-Kuch, Katrin Jährling und Lars Meinhardt. In dieser Runde traf sich das Trio erstmalig. Aber nicht zum letzten Mal, denn monatlich einmal wollen sie Existenzgründern mit ihrer Erfahrung unter die Arme greifen. Der gelernte Kfz-Mechatroniker hatte selbstverständlich jede Menge auf dem Herzen. „Mein Ziel ist, von Anfang an alles richtig zu machen“, erklärte er dem Beratungsteam. Sozusagen im Plauderton gab es konkrete Hinweise, worauf er auf seinem Weg alles achten möge.

„Elke berät seit langem Existenzgründer, ich ebenfalls. Aber wir wollten eben mal was zusammen machen“, ergänzte Kathrin Jährling. „Es ist Aufgabe der Stadt, Existenzgründern zu helfen. Wir wollen die Wirtschaft voranbringen“, fügte Lars Meinhardt hinzu. Geholfen werden soll nicht nur denen, die ihr eigener Chef werden wollen, sondern auch Firmenchefs, die Schwierigkeiten im Unternehmen haben. Als Konkurrenz zur IHK, die sich ebenfalls der Ausbildung von Existenzgründern widmet, sehe sich das Trio nicht, eher als Kooperationspartner.

Fehler von vornherein vermeiden

Martin Bauer aus Trebnitz hörte sich geduldig an, was ihm erzählt wurde. „Es ist bei den Finanzen auf viele Kleinigkeiten zu achten, die aber am Ende richtig viel Geld ausmachen“, so Kathrin Jährling. Beispielsweise bei der Auflistung gegenüber dem Finanzamt. Daher sei der steuerliche Berater wichtig, um Fehler zu vermeiden. „Das Schlimmste ist, sich unter Zeitdruck zu setzen“, ergänzte sie. „Bevor Sie den Businessplan abgeben, bieten wir Ihnen an, dass wir noch einmal drüberlesen“, bot sich Elke Simon-Kuch an. Wichtig sei zudem, sich in Netzwerken einzubringen. „Ich weiß, Kontakte sind wichtig“, erwiderte Martin Bauer. Und der Trebnitzer erhielt einen weiteren wichtigen Ratschlag: „Achten Sie bei Bildern und Videos auf das Recht am Bild“, schärfte ihm die Geschäftsführerin ein. Gerade beim Baumfällen könne sie sich gut vorstellen, so etwas im Bild festzuhalten. Es könne später sehr teuer werden, wenn die Rechte am Bild nicht geklärt seien.

Gründung erst im Herbst

Unter Zeitdruck will sich der Trebnitzer nicht setzen lassen. Wahrscheinlich erst im Herbst dieses Jahres soll es mit der Gründung seines Unternehmens ernst werden. Bis dahin wolle er sich Zeit lassen, um noch möglichst viele Informationen zu erhalten. Neulich habe er beispielsweise in Dresden an einem Seminar teilgenommen zum Thema Ausschreibungen. Das soll allerdings nicht heißen, dass Martin Bauer bis zum Herbst die Hände in den Schoß legt - er ist bis dahin im Nebenerwerb tätig. Das habe er schon im vergangenen Jahr so gehandelt. Für etliche Firmen, aber auch Bürger habe er bereits gearbeitet. Sein berufliches Vorhaben sei auf alle Fälle ausbaufähig. Dazu gehöre zum Beispiel, dass er noch seinen Lkw-Führerschein machen will, um später flexibler reagieren zu können und nicht um jeden Preis auf Fremdfirmen angewiesen sei. Elke Simon-Kuch war am Ende der Beratung noch etwas wichtig: „Haben Sie jemanden, mit dem Sie vertrauensvoll über alles reden können?“, stellte sie Martin Bauer die Frage. „Den habe ich, meinen Vater“, ergänzte er.

Die Beratung findet jeden dritten Dienstag eines Monats von 15 bis 17 Uhr im Technischen Rathaus der Stadt Weißenfels statt (Raum TO18), Klosterstraße 5. Um eine Anmeldung wird gebeten unter der Telefonnummer 03443/7370333 (mz)