„Wir müssen uns einen Kopf machen“

„Wir müssen uns einen Kopf machen“: Was tun gegen Sturzfluten in Weißenfels?

Weissenfels - Hätte die Sturzflut im Weißenfelser Ortsteil Leißling vor einer Woche verhindert werden können? Der Weißenfelser Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) hat daran seine Zweifel. „Das ist einfach Pech“, sagt er in der jüngsten Stadtratssitzung und bedankt sich zugleich bei allen ehrenamtlichen Helfern, die mitgeholfen haben den angespülten Schmutz am Folgetag des Unwetters zu ...

Von Alexander Kempf 28.05.2019, 07:52

Hätte die Sturzflut im Weißenfelser Ortsteil Leißling vor einer Woche verhindert werden können? Der Weißenfelser Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) hat daran seine Zweifel. „Das ist einfach Pech“, sagt er in der jüngsten Stadtratssitzung und bedankt sich zugleich bei allen ehrenamtlichen Helfern, die mitgeholfen haben den angespülten Schmutz am Folgetag des Unwetters zu entfernen.

Pflanzenschutz- und Unkrautvernichtungsmitteln negativen Einfluss

Als ein Problem macht der Oberbürgermeister aus, dass die Äcker in der Region nicht mehr tiefgründig bearbeitet werden und so aus seiner Sicht deutlich weniger Regenwasser als früher aufnehmen können. Der Einsatz von Pflanzenschutz- beziehungsweise Unkrautvernichtungsmitteln wie Glyphosat habe an der Entwicklung einen Anteil, da diese effizienter wirken und die unteren Bodenschichten nicht mehr durchgeackert werden und sich so verdichten.

Aus Sicht von Grünen-Stadtrat Gunter Walther ist die Sturzflut in Leißling ein weiterer Beleg dafür, dass es in der Saalestadt neue Konzepte braucht, um auf lokale Starkregenereignisse reagieren zu können. „Der Umweltausschuss sollte sich dringend mit dem Thema beschäftigen. Wir müssen uns einen Kopf machen“, sagt er. Seine Fraktion habe der Stadtverwaltung schon Ende April dazu eine Vielzahl von Fragen gestellt.

Maßnahmen zu Sturzfluten in Weißenfels

Städte, die sich wie Weißenfels zu großen Teilen in einer Tallage befinden, sehen Gunter Walther und seine Fraktionskollegen einer besonderen Bedrohung durch sogenannte „urbane Sturzfluten“ ausgesetzt. Sie wollen daher wissen, inwieweit es in der Stadt vorbeugende Maßnahmen in Flächennutzungsplänen gibt und ob bereits eine gezielte Regenwasserleitung in Bodenmulden oder Gräben erfolgt.

Bisher sind diese und auch die Frage nach einem Computermodell, das Überflutungen simulieren kann, im Stadtrat noch nicht geklärt worden. In Leißling wurde im Zuge der Sturzflut vergangene Woche kurzzeitig die Winterleite gesperrt, da sie von Geröll überflutet war. In Teilen des Ortes stand der Schlamm bis zu zehn Zentimeter hoch. Anwohner zeigten sich geschockt. „So etwas habe ich hier zuletzt vor 30 Jahren gesehen“, sagte Andreas Esche. (mz)