Weißenfelser Schlosskirche

Weißenfelser Schlosskirche: Nachfahre von Olearius weiht Gedenktafel ein

Weissenfels - Er war Superintendent, Hofprediger und Verfasser vieler evangelischer Kirchenlieder. Johannes Olearius ist Angestellter am sächsisch-weißenfelsischen Hof gewesen und weihte die Schlosskirche der Neu-Augustusburg am 1. November 1682. Nun erinnert an den Gelehrten und Theologen eine Tafel an genau dieser Kirche. Zur Enthüllung ist dessen Nachfahre aus Hamburg, Christian Olearius, nach Weißenfels gekommen, um diese Aufgabe zu ...

Von Carmen Busch 10.06.2016, 09:57

Er war Superintendent, Hofprediger und Verfasser vieler evangelischer Kirchenlieder. Johannes Olearius ist Angestellter am sächsisch-weißenfelsischen Hof gewesen und weihte die Schlosskirche der Neu-Augustusburg am 1. November 1682. Nun erinnert an den Gelehrten und Theologen eine Tafel an genau dieser Kirche. Zur Enthüllung ist dessen Nachfahre aus Hamburg, Christian Olearius, nach Weißenfels gekommen, um diese Aufgabe zu übernehmen.

Weißenfels als Kulturhochburg

„Ich bin durchaus berührt, hier an einer Wirkungsstätte meines Ahnens zu stehen“, sagt Christian Olearius lächelnd. Mit der Schlosskirche im Rücken wird dem Banker und promoviertem Juristen bewusst, welch kulturelles Erbe in der Saalestadt liege und welchen Beitrag auch sein Vorfahre dazu beigetragen habe. „Die Stadt Weißenfels und die gesamte Region ist nach dem Dreißigjährigen Krieg nicht zum Stillstand gekommen, sondern hat sich zu einem der berühmtesten kulturellen Orte seiner Zeit entwickelt“, lobt Olearius die Weißenfelser Geschichte. Dass Weißenfels eine Hochburg der Kultur im 17. und 18. Jahrhundert gewesen sei, bezeugt vor allem, laut dem Hamburger, die Frühbarocke Schlosskirche. „Sie ist ein Kleinod und wirklich mehr als beeindruckend“, fügt er gerührt hinzu.

Spurensuche in der Familie

Seit seiner Zeit als Student habe er alles, was er über seinen Vorfahren in die Hände bekommen konnte, gesammelt. „Heute besitze ich mehr als 100 Bücher von ihm“, verrät er und bemerkt, dass er nicht der Einzige in seiner Familien gewesen ist, der sich für den Gelehrten interessiert hat. „Bereits mein Onkel hatte vor dem Zweiten Weltkrieg eine stattliche Sammlung von Dokumenten und Büchern zusammengetragen. Leider sind viele Aufzeichnungen während des Krieges verloren gegangen“, erzählt der 74-Jährige. Daher ist es ihm ein Anliegen gewesen, selber nachzuforschen und weitere Spuren seiner Familie in der Geschichte zu finden.

50 Ahnen weltweit

So habe er herausgefunden, dass Olearius mit Georg Friedrich Händel verwandt gewesen ist. „Eine seiner Urgroßmütter ist eine Olearius gewesen“, berichtet Christian Olearius und gerät ins Schwärmen über die den Charakter des gebürtigen Hallensers. „Er muss ein fleißiger und mutiger Mann gewesen sein“, beschreibt er seinen Vorfahren, der neben theologischen Büchern viel gedichtet hat. Während des Dreißigjährigen Krieges habe er sich zum schwedischen Soldatenheer begeben und um Gnade für die Stadt Querfurt gebeten. „Es ist bewundernswert, mit welcher Kraft und welchem unbekümmerten Glauben mein Vorfahre durch die Welt gekommen ist. Er ist eine so beeindruckende Figur“, rühmt Olearius den Ahnen, an den er sich auch ein Beispiel nehme. „Das Leben hat Johannes Olearius wahrlich nicht gut behandelt. Zeitig wurde er zum Waisen, dann wurde er adoptiert und erneut wurde er zum Waisen. Das ist wahrlich kein guter Ausgangspunkt für das Leben, aber er hat es gemeistert“, meint der Nachfahre stolz.

Christian Olearius weiß leider nicht, von welchem der 15 Kinder des Weißenfelser Hofpredigers er abstamme. „Es leben noch rund 50 Olearier auf der ganzen Welt, ich bin nur einer davon“, sagt er. (mz)