Weißenfelser Fleischwerk

Weißenfelser Fleischwerk: Es soll bald weniger stinken

Weißenfels - Das Tönnies-Fleischwerk in Weißenfels plant Investitionen zur Verringerung der Geruchsbelastung im umliegenden Gewerbe- und Industriegebiet in der Neustadt. Vorgesehen sind unter anderem die Errichtung einer neuen Wartehalle für Transporte lebender Tiere sowie eine Erweiterung der Waschstraße für die Viehwagen von acht auf zwölf Plätze. Der Stadtrat hat den Vorhaben auf seiner jüngsten Sitzung bei 24 Ja-, drei Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen ...

Von Andreas Richter 31.05.2016, 06:52

Das Tönnies-Fleischwerk in Weißenfels plant Investitionen zur Verringerung der Geruchsbelastung im umliegenden Gewerbe- und Industriegebiet in der Neustadt. Vorgesehen sind unter anderem die Errichtung einer neuen Wartehalle für Transporte lebender Tiere sowie eine Erweiterung der Waschstraße für die Viehwagen von acht auf zwölf Plätze. Der Stadtrat hat den Vorhaben auf seiner jüngsten Sitzung bei 24 Ja-, drei Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen zugestimmt.

Der Weißenfelser Schlachtbetrieb befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Wohnhäusern. Die vom Werk ausgehende Geruchsbelastung beschäftigt die Kommunalpolitik seit vielen Jahren. Ausgangspunkt für die aktuell notwendigen Investitionen ist eine sogenannte Geruchsrasterbegehung, die zwischen Dezember 2012 und Dezember 2013 im Umfeld des Fleischwerkes stattgefunden hatte.

Verringerung der Geruchsbelastung

Die Analyse hatte zwar eine Verringerung der Geruchsbelastung ergeben, dennoch lagen die Werte, die in Prozent der Jahresstunden mit Geruchsbelastung ermittelt werden, in vielen Teilen noch deutlich über den Grenzwerten, die für Gewerbe- und Industriegebiete gelten. So hatte laut Gutachten 2013 mehr als die Hälfte des untersuchten Gebietes noch mehr als 15 Prozent der Jahresstunden mit Gestank zu kämpfen. Als Grenzwerte für Gewerbe- und Industriegebiete gelten zwölf Prozent der Jahresstunden mit Geruch.

Ein Grund für die Überschreitung der Grenzwerte: Transportfahrzeuge mit lebenden Tieren mussten teilweise auf dem Hof warten. Deshalb soll nun eine Wartehalle für bis zu zwölf Lebendtiertransporte gebaut werden. Bestandteil eines Sanierungskonzeptes, das der Schlachtbetrieb dem Landesverwaltungsamt übergeben hat, ist zudem eine Erweiterung des Biofilters, da auch die Wartehalle von der Abluftreinigungsanlage versorgt werden muss. Diese Investition hat das Fleischwerk bereits umgesetzt.

„Wir entscheiden über Investitionen im Interesse der Bürger“, sagte der Weißenfelser Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) auf der Sitzung des Stadtrates.

Bis zu 20.000 Schweine täglich

Allerdings wollten nicht alle Stadträte die geplanten Baumaßnahmen im uneingeschränkt positiven Licht sehen. Die Fraktion Bündnis für Gerechtigkeit/Grüne (BfG) wollte den Punkt sogar noch einmal von der Tagesordnung nehmen lassen, da sie der Auffassung war, dass das Thema zuvor im Ausschuss für Stadtentwicklung nicht ausreichend diskutiert worden war. Der Antrag wurde jedoch mit deutlicher Mehrheit abgelehnt.

Während der Diskussion brachte BfG-Fraktionsmitglied Gunter Walther seine Befürchtung zum Ausdruck, dass die Investitionen eine Erhöhung der Schlachtkapazität des Fleischwerkes zur Folge haben werden. Dem widersprach Risch: „Es geht um eine Verminderung der Geruchsbelastung, nicht um eine Erhöhung der genehmigten Produktionskapazität.“ Das hat auch das Fleischwerk auf MZ-Anfrage bestätigt. Die Schlachtkapazität liegt derzeit laut Risch bei täglich bis zu 20.000 Schweinen.

Walther forderte, dass die Verminderung der Geruchsbelastung infolge der Investition des Fleischwerkes später auch nachgewiesen werden müsse. Worauf Andreas Bischoff, zuständiger Fachbereichsleiter bei der Stadt, bestätigte, dass eben diese Kontrolle in den Auflagen bereits festgeschrieben sei. Siegfried Hanke, Vorsitzender der SPD-Fraktion, konnte die Einwände der BfG-Fraktion ebenso wenig nachvollziehen. „Wir sollten nicht wieder alles zerreden“, meinte er im Stadtrat. Gunter Walther erinnerte daran, dass der planungsrechtliche Status des Gebietes rund um den Schlachthof nach nunmehr zwölf Jahren noch immer nicht grundsätzlich geregelt sei. (mz)