Weißenfels

Weißenfels: Protest gegen Abwasserverband wird heftiger

weissenfels/MZ. - "In Weißenfels stinkt es nicht nur nach Tönnies, sondern auch nach Korruption. Deswegen fordere ich die sofortige Abwahl des gesamten Stadtrates und des Oberbürgermeisters Robby Risch", sagte Heidelinde Penndorf am Montagabend vor rund 150 Demonstranten auf dem Weißenfelser ...

Von Matthias Voss 16.07.2012, 18:55

"In Weißenfels stinkt es nicht nur nach Tönnies, sondern auch nach Korruption. Deswegen fordere ich die sofortige Abwahl des gesamten Stadtrates und des Oberbürgermeisters Robby Risch", sagte Heidelinde Penndorf am Montagabend vor rund 150 Demonstranten auf dem Weißenfelser Marktplatz.

Zum zweiten Mal war die Montagsdemo der von Penndorf ins Leben gerufenen Bürgerinitiative für soziale Gerechtigkeit eine Protestveranstaltung gegen die Herstellungskostenbeiträge, die der Abwasserzweckverband Weißenfels (ZAW) voraussichtlich ab Ende 2013 von seinen Kunden fordern wird. In den letzten drei Wochen hatte die Initiative nach eigenen Angaben bereits mehr als 2 000 Unterschriften gegen die Abgabe gesammelt. Am Montag kamen noch einmal etliche Menschen, die sich gegen die Beiträge in einer Gesamthöhe von über 50 Millionen Euro wehren, um zu unterschreiben.

Offener Brief an Penndorf

Die harten Forderungen und Worte der ehemaligen Landtagsabgeordneten Penndorf hatten am Montagmorgen bereits den ZAW-Verbandsvorsitzenden Franz Patzschke auf den Plan gerufen, als die MZ zwei offene Briefe von diesem erreichten. Einer davon richtetet sich an Penndorf direkt. Darin kritisierte Patzschke "ihre teilweise aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen".

Nach Meinung des ZAW-Vorsitzenden sei die bestehende Gesetzeslage in Sachsen-Anhalt der eigentliche Grund für den Ärger der Bürger. Penndorf, die den Brief selber nicht erhalten hatte, sagte dazu: "Herr Patzschke hat keine Ahnung. Um ein Gesetz zu kippen, bedarf es eines Volksentscheides mit einer Mehrheit von mindestens 55 Prozent. Zu allem anderen gebe ich keinen Kommentar ab."

Kommentare gab es dagegen von diversen Betroffenen, die sich ans Mikrofon wagten oder gegenüber der MZ äußerten. So wie Andreas Bergner aus Reichardtswerben, der sein Haus 1996 gebaut hatte und demnach den höheren Abgabesatz von 3,30 Euro pro Quadratmeter zahlen muss. Hätte er vor Juni 1991 gebaut, wären es nur 90 Cent. "Der Unterschied erscheint mir viel zu hoch, ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen. Ich habe den Eindruck, dass nur nach einer billigen Lösung gesucht wird", so der verärgerte Grundstückseigentümer.

Große Grundstücke auf Dörfern

Christine Gering aus Burgwerben sieht dagegen in der Eingemeindung der vielen Dörfer in die Stadt Weißenfels das Hauptproblem. "Viele hier haben doch total große Grundstücke, da werden Unsummen auf sie zukommen. Außerdem betrifft das zahlreiche ältere Leute, die verstehen das doch gar nicht", regte sich Gering auf und erntete Zustimmung von Umstehenden.

So wie von Christoph Belger aus Langendorf, der sich ebenso wie Bergner an den beiden verschiedenen Sätzen stieß. "Ich finde, hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Außerdem werden es doch immer weniger Einwohner. Warum brauchen wir dann eine größere Kläranlage", fragte Belger, der damit, wie Penndorf, dem Tönnies-Schlachthof in Weißenfels-Nord als Haupteinleiter von Schmutzwasser die Schuld zuschob.