Weißenfels Neustadt

Weißenfels Neustadt: Kinder und Jugendliche entdecken Skateboards für sich

Weißenfels - In der Neustadt entdecken Kinder und Jugendliche Skateboards für sich. Die sind bald auch ein Fall fürs Museum.

Von Alexander Kempf 05.07.2019, 09:00

Schon mal Skateboard gefahren? „Nein“, antwortet der Junge vor dem Weißenfelser Neustadtbüro verlegen und sein Gegenüber lächelt. „Sehr gut“, sagt Tony Behrends, „dann wirst Du heute die Erfahrung Deines Lebens machen.“ Anschließend hilft der 31-Jährige dem Jungen dabei, die Schutzausrüstung richtig einzustellen und hilft ihm bei den ersten Schritten auf dem Rollbrett. Tony Behrends ist einer der Dozenten, die Weißenfelser Kinder und Jugendliche am Donnerstagnachmittag für das Skateboardfahren begeistert haben.

Dabei stand nicht nur der Sport selbst im Mittelpunkt, der im kommenden Jahr in Tokio seine olympische Premiere feiern wird. Im Rahmen des Sportsfreunde Projekts des Weißenfelser Museums konnten die Jugendlichen auch Skateboard-Bretter, sogenannte Decks, mit Sprühdosen gestalten. Wenn im Dezember die Ausstellung öffnet, dann wird auch eine Auswahl dieser Kunstwerke auf Schloss Neu-Augustusburg zu sehen sein. „Skateboard ist an der Grenze zwischen Sport und Lifestyle“, beschreibt Projektleiterin Andrea Wieloch den besonderen Reiz der Subkultur.

Ohne Versagen und Schmerz lassen sich die eigenen Grenzen nicht ausloten

Das Angebot, sich vor dem Neustadtbüro an Sprühdose oder Skateboard auszuprobieren, hat viele Kinder angelockt. Dabei habe es im Vorfeld keine Anmeldungen gegeben, berichtet Andrea Wieloch. Doch der Projektleiterin ist schon bei vorherigen Projekten aufgefallen, dass es sich am meisten lohnt, genau dort zu sein, wo die Jugendlichen ohnehin sind. Die Sozialpädagogen vor Ort hätten das Projekt sehr unterstützt.

Die Dozenten für den Workshop kommen indes aus dem nahen Leipzig und sind leidenschaftliche Botschafter ihrer Sportart. Für den langjährigen Skater Tony Behrends ist die nicht nur ein guter körperlicher Ausgleich, sondern wirke auch persönlichkeitsbildend. „Man frisst Dreck“, sagt er und spielt darauf an, dass es Ausdauer braucht, um sich auf dem Brett weiterzuentwickeln und neue Tricks zu erlernen. Ohne Versagen und auch Schmerz ließen sich die eigenen Grenzen nicht ausloten.

Kunstwerke wandern später in Sportsfreunde-Ausstellung

Damit sich die jungen Teilnehmer nicht verletzen, achten die Dozenten auf Schutzausrüstung und geben Hilfestellung. Tony Behrends spricht von einem „lebensverändernden Sport“. Wenn die Dozenten nicht Jugendlichen in die Spur helfen, dann geben sie auch Workshops, die sich mal gezielt an Frauen, mal an Erwachsene allgemein richten. Mancher entdeckt das Rollbrett auch noch recht spät für sich. „Unser ältester Teilnehmer ist ein 59-Jähriger“, erzählt Tony Behrends.

Er und Vereinsvorstand Martin Klimpel vom Leipziger Jugendkulturzentrum Urban Souls bemühen sich auch gerade um einen Trainerschein für die Sportart. Die Theorie haben beide schon erfolgreich absolviert und auch vor der praktischen Prüfung ist ihnen nicht bange. Vermitteln wollen beide aber mehr als reine Technik. „Wir machen Kulturarbeit“, sagt Martin Klimpel. Die umfasst auch Breakdance oder Graffiti.

In Weißenfels unterstützt sie der Leipziger Graffiti-Künstler Oscar Metzger. Der leitet den Nachwuchs an, ein Dutzend Skateboard-Bretter aus kanadischem Ahorn-Holz mit Sprühdosen zu gestalten. Die Kunstwerke wandern später in besagte Sportsfreunde-Ausstellung. Anschließend sollen die Kinder und Jugendlichen sie aber wieder zurückerhalten. (mz)