Zielscheibe von Vandalen

Weißenfels: Nach Attacke von Vandalen - Was wird aus dem zerstörten Klosterbrunnen?

Weißenfels - Chef vom Klosterverein ist dafür, die historische Anlage einlagern zu lassen und eine Kopie aufzustellen. Warum die Stadt das nicht machen wird.

Von Andrea Hamann-Richter 19.01.2019, 15:06

Der zerstörte Klosterbrunnen in der Nikolaistraße in Weißenfels bewegt immer noch die Gemüter. Besonders das des Vorsitzenden des Klostervereins. „Ich war geschockt, als ich von dem Vandalismus erfuhr“, sagt Olaf Brückner. Ihm bereite das historische Wasserspiels schon länger Sorgen. „Ich war von Anfang an dafür, dass der barocke Brunnen abgebaut, eingelagert und als Kopie nachgebaut werden sollte.“

Wer ist überhaupt für die Pflege des Brunnens zuständig?

Vor wenigen Tagen war der Brunnen beschädigt worden. Unter anderem war seine Kuppel herabgestoßen worden. Die Täter konnten flüchten. Der Standort sei keineswegs ideal, sagt Brückner. Der Brunnen stehe auf einem privaten Grundstück. Nirgendwo sei festgelegt, wer für seine Pflege zuständig sei.

Der Brunnen bestehe aus Sandstein und müsse beispielsweise im Winter geschützt werden. Denn Wasser, welches in seine Fugen eindringe und dann gefriere, dehne sich aus und sorge dafür, dass sich die Risse vertiefen. Das wäre schade um den 106 Jahre alten Brunnen.

Klosterbrunnen war einst beliebtes Auszugsziel in Weißenfels

Brückner schlägt ein Fotoalbum auf. Darin ist schnell zu sehen, dass der Brunnen für viele Weißenfelser von Bedeutung war. Früher stand er im Kloster. Als das Gebäude 1908 zum städtischen Museum umgebaut wurde, war er ab diesem Zeitpunkt vor allem an den Wochenenden ein beliebtes Ausflugsziel.

In Weißenfels gibt es sechs Brunnen. Das sind der Brunnen an der Marienapotheke, das Wasserspiel auf dem Markt, der Brunnen an der Promenade, der Trinkbrunnen auf der Jüdenstraße, der Märchenbrunnen an der Gabelung Merseburger/Tagewerbener Straße und der Klosterbrunnen. Außer der Klosterbrunnen, sind alle funktionstüchtig. Ursprünglich stand er im Hof des historischen Klosters St. Claren und wurde später in die Nikolaistraße versetzt. Dort fehlten aber die technischen Voraussetzungen, um ihn an Wasserleitungen anzuschließen.
Der Klosterbrunnen wurde im Zuge der 800-Jahrfeier 1985 in die Nikolaistraße versetzt, die damals saniert wurde. Da das alte Gasthaus „Zum Schützen“ abgerissen wurde, entstand eine Baulücke, die mit dem Brunnen geschlossen werden sollte.

Brückner zeigt die Fotografien, auf denen verschiedene Familien abgebildet sind und die sich alle am Brunnen wiederfinden. Gebaut wurde er übrigens auf Initiative des damaligen Verschönerungsvereins. Brückner zeigt auf andere historische Aufzeichnungen. Dort steht geschrieben, dass der Verein am 7. Juli 1911 dem Magistrat der Stadt mitteilte, dass im Rahmen der Erweiterung der gärtnerischen Anlagen im Kloster und der Errichtung eines Brunnens einen Brunnen errichten wolle. 7.000 Mark wurden dafür bewilligt.

1912 wurde er dann gebaut. Für Brückner wäre es schade, wenn dieses geschichtsträchtige Wasserspiel nun in seinem beschädigten Zustand an der Nikolaistraße weiter verfiele. Die Einlagerung wäre für ihn die beste Idee.

Der Brunnen gehört der Stadt Weißenfels

Wie von der Stadt zu erfahren ist, steht der Brunnen tatsächlich auf einem Privatgrundstück. „Der Brunnen gehört aber der Stadt Weißenfels“, so Stadtsprecherin Katharina Vokoun. Er sei seit vielen Jahren außer Betrieb. Er müsse also beispielsweise nicht winterfest gemacht werden, sagt sie. Die Mitarbeiter der Stadtwirtschaft pflegen die Brunnenanlage im stillen Einvernehmen mit dem Grundstückseigentümer.

Kosten von rund 5.000 Euro für die Reparatur

Sollte in Erwägung gezogen werden, den Brunnen wieder ins Kloster zurückzuversetzen, müsste dieses Vorgehen mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt werden, so Vokoun. Der Brunnen wäre dann nicht mehr den Gefahren des Vandalismus’ ausgesetzt, er würde aber auch aus dem Stadtbild verschwinden, da das Kloster ja nicht jederzeit zugänglich ist. „Es sind derzeit keine finanziellen Mittel eingeplant, um eine Kopie des Klosterbrunnens anzufertigen.

In Anbetracht der angespannten Haushaltslage ist auch fraglich, ob Mittel für ein solches Vorhaben zur Verfügung gestellt werden könnten“, so Katharina Vokoun. Die Reparatur des Wahrzeichens würde ungefähr 5.000 Euro kosten. (mz)