Rundgang durch die Stadt

Weißenfels: Museumspfad als besonderer Rundgang durch Stadt

Weißenfels - Tim Müller (7) hatten es die tanzenden Mädchen des Weißenfelser Karnevalclubs im Hof des Novalis-Hauses besonders angetan. Immerhin lautete das Motto des Museumspfades am Samstagabend „Weißenfels bewegt sich“. Und so wurde dann außer am Gericht überall getanzt.

Von Holger Zimmer 22.05.2016, 15:38

Tim Müller (7) hatten es die tanzenden Mädchen des Weißenfelser Karnevalclubs im Hof des Novalis-Hauses besonders angetan. Immerhin lautete das Motto des Museumspfades am Samstagabend „Weißenfels bewegt sich“. Und so wurde dann außer am Gericht überall getanzt.

Schon am Geleitshaus war das so, als das später dort auftretende Ensemble „Dansa Banda“ aus Gera in die schaurige Moritat um Liebe, Eifersucht und Tod einbezogen wurde. Die trug Pub-Chef Uwe Brückner vor und als dann zwei Ritter mit Holzschwertern um die Gunst der schönen Leonora kämpften und tot zu Boden fielen, zeigte sich Tim Müller geschockt.

Hauch von Karneval

Am Schützhaus warteten das Ensemble „Faux Pas“ und Johannes Kreis im Kostüm des Komponisten auf die Gäste. Den gibt Kreis bereits seit 15 Jahren, „weil Schütz fast schon vergessen war“, wie er betonte.

Und angesichts des Tanzes von Nymphen und Hirten fühlte er sich an seine „Dafne“ von 1627 erinnert, deren Musik aber leider verloren gegangen ist, so dass man nicht sicher weiß, ob es eine Oper oder ein Theaterstück mit Musik war.

Danach gab es einen Hauch von Karneval am Novalishaus. Wer sich darüber wunderte, dem hielt Jörg Riemer, der den Rundgang moderierte, entgegen, dass das Novalis gefreut hätte, denn der lebte nicht in fernen Sphären und war voller Lebensfreude. Die Romantik nannte Riemer das Aufbegehren der Jugend, die den streng durchkomponierten Texten etablierter Dichter ihre Gefühle und Emotionen entgegensetzte.

Spannende Stadtgeschichte erfahren

Jörg Riemer hatte erst am Donnerstag erfahren, dass er einspringen müsse, weil Gudrun Schulze erkrankt war, die den Rundgang ursprünglich leiten sollte. „Doch wir arbeiten ja ohnehin auch bei den Nachtwächter-Führungen zusammen“, sagte Riemer. Insofern sei das kein Problem gewesen, aber dennoch habe er sich noch einmal einige Stunden speziell vorbereiten müssen.

Am Amtsgericht überließ er das Wort freilich Direktor Michael Koch, der das Bildprogramm und die Sanierung des Hauses erläuterte. Zum Abschluss des Museumspfades gab es im Kloster Tänze von Mitgliedern des TSC Blau-Gelb und Tim Müller schaute wieder interessiert zu.

Kathrin Reifarth und Andreas Müller aus Reichardtswerben nahmen es zur Kenntnis. Sie sagte, dass es interessant sei, mal was über die Stadtgeschichte zu erfahren und er gestand, dass man dazu ja im täglichen Trubel keine Zeit habe. Anschließend gingen beide mit ihrem Tim zum Schloss und dort zu Kindertheater und Zaubershow.

Komödie im Gerichtssaal

Eine Premiere gab es dann im Gericht. Dort bot Lutz Teetzen seine „Erbschleicherei“ als heitere Rechtsberatung an. Der Rechtspfleger sagte: „Schauspielerei erlebt man im Gericht oft, eine Komödie eher selten“.

Die ersten Lacher gab es dann schon bei der von ihm verlesenen Eröffnung des Testaments von Egon Schleicher, bei der es auch um eine Trabant-Anmeldung ging. Bislang war Teetzen eher als Schusterjunge bekannt, nun thematisiert er seinen Arbeitsalltag und macht Erbrecht an Tennislegende Boris Becker und Bundeskanzlerin Angela Merkel nachvollziehbar.

Gefühle für alle Lebenslagen

Geschrieben habe er das Stück im Urlaub. Länger habe dann die Vorbereitung gedauert, ist auch die Stimme seiner Frau Iris zu hören. Und noch am Premierenmorgen hat er im Schleicher-Testament etwas umgeschrieben. Denn lustiger sei doch, wenn die Witwe statt des Hauses die Bierdeckelsammlung erbt. Für Kurzweil war gesorgt.

Die hatten ebenfalls Jeannine Clauss und Jana Lukas beim Flamenco-Abend im Kloster. Es war eine Veranstaltung, die mit der Weinhandlung „Ambiente“ organisiert worden war. Die Frauen zeigten sich begeistert und klatschten intensiv zu den Rhythmen von Marion Heinz und Christof Schill.

Die Künstler hält der Rhythmus aus Spanien schon lange gefangen und sie spricht von Gefühlen aus allen Lebenslagen, die man hier zum Ausdruck bringen könne. (mz)