Stadt, Land, Müll

Weißenfels kämpft gegen illegale Müllhalden

Weißenfels - In Weißenfels landet immer wieder Abfall in der Landschaft. Was die Stadt dagegen tun kann.

Von Andreas Richter 24.04.2017, 11:22

Der Kirschbaum am Aupitzer Weg steht in voller Blüte. Der Kontrast am Boden könnte größer nicht sein: Ein alter Tisch liegen dort, mehrere Müllsäcke stapeln sich unterm Baum, gefüllt mit alten Gläsern, Schuhen, Grünschnitt. „Da sind sogar Pfandflaschen drin“, sagt Nicole Petasch, zieht Handschuhe über und betrachtet den Inhalt der Säcke genauer. Vielleicht findet sich ja ein Hinweis auf denjenigen, der den Müll hier mitten in der Landschaft entsorgt hat.

Illegaler Müll in Weißenfels: Das sind die Problemstellen der Stadt

Nicole Petasch arbeitet beim Weißenfelser Ordnungsamt, ist dort sozusagen die Müll-Verantwortliche. Und sie kann bestätigen, was der Leiter des zuständigen Fachbereichs bei der Stadt, Maik Trauer, kürzlich bei einer Diskussion zur Weißenfelser Kommunalpolitik gesagt hatte: „Wir beobachten, dass immer mehr Müll in die freie Landschaft gekippt wird. Und das obwohl es ein dichtes Netz an Entsorgungsmöglichkeiten gibt.“

Abfall der verschiedensten Art kann in Weißenfels auf dem Wertstoffhof in der Markwerbener Straße entsorgt werden. Zahlreiche Abfallarten können unentgeltlich abgegeben werden. Das betrifft unter anderem Sperrmüll bis zu zwei Kubikmeter (auf Bonuskarte) sowie Grün- und Astschnitt. Gegen Entgelt können unter anderem Elektrogeräte, Altreifen, Bauschutt und Bauholz angeliefert werden.

Der Wertstoffhof ist von Montag bis Freitag (außer Dienstag), jeweils von 10 bis 17.30 Uhr, geöffnet. Samstags werden Abfälle von 9 bis 15 Uhr entgegen genommen.

Eine weitere Möglichkeit zur kostenlosen Entsorgung von Grün- und Astschnitt bietet das Kompostwerk am Gewerbegebiet an der Käthe-Kollwitz-Straße. Das Werk nimmt montags bis freitags, jeweils von 13 bis 16 Uhr, Grünabfall entgegen.

Der Aupitzer Weg ist da nur ein Beispiel. Die Flur in Langendorf scheint ein beliebtes Terrain für illegale Müllentsorger zu sein. Eine weitere Station der Tour: der Nessaer Weg unweit der Autobahn 9. Hier hat jemand gleich mehrere Haufen Bauschutt in gleichmäßigen Abständen am Wegesrand abgekippt. „Diesen Weg muss man erst mal kennen“, sagt Nicole Petasch, die aus Langendorf stammt.

Da liegt der Verdacht nahe: Hier hat jemand mit genauer Ortskenntnis zugeschlagen.

Illegaler Müll in Weißenfels: Warum es schwer ist, die Müllentsorger  zu fassen

Doch die Frau vom Ordnungsamt weiß auch: Es ist schwer, die Müllentsorger in der Landschaft dingfest zu machen. Im seltenen Idealfall erwischt man einen Sünder auf frischer Tat, ansonsten können die Verantwortlichen nur auf einen verräterischen Anhaltspunkt im Müll hoffen - oder eben auf Hinweise aus der Bevölkerung. „Am Ende bezahlen wir alle für die Unvernunft einiger weniger“, sagt Petasch.

Denn wenn Müll in der Landschaft gefunden wird, muss er entsorgt werden. Auf kommunalen Flächen muss die Stadt ran, auf privatem Grund oder außerorts der Landkreis. Die Kosten schlagen am Ende bei der Abfallwirtschaft Sachsen-Anhalt Süd zu Buche, und irgendwann kommt das Ganze bei der Berechnung der Gebühren für alle an. Im Jahr 2015 musste die Stadt rund 2.200 Euro aufwenden, um illegal abgelagerten Müll zu entsorgen. Im vergangenen Jahr waren es bereits 3.000 Euro.

Illegaler Müll in Weißenfels: Völlig machtlos sind die Ordnungshüter nicht

Völlig machtlos sind die Ordnungshüter allerdings dann doch nicht. Ein Blick in die Statistik verrät: 2015 hat die Stadt immerhin Strafgeld in einer Höhe von insgesamt rund 1.300 Euro verhängt, im vergangenen Jahr waren es sogar rund 2.400 Euro.

Doch die Fläche der Stadt ist groß. Wirtschaftswege, so unter anderem im Raum Großkorbetha, Schkortleben, sind beliebte Stellen, um sich alter Reifen, Farbeimer oder anderer Bauabfälle kostenlos zu entledigen. „Manchmal werden ganze Hängerladungen mit Bauschutt in die Landschaft gekippt“, weiß Nicole Petasch. Doch nicht nur auf dem Land wird Müll illegal entsorgt.

Die Neustadt ist ein Schwerpunkt. Die Schillerstraße zum Beispiel. „Da steht immer irgendwas“, weiß die Frau vom Ordnungsamt - ein altes Sofa, ein Sack voller Altkleider. Problemquartiere sind auch die Südstadt oder der Herrmannsgarten. (mz)