„Schmerz lass nach“

Weißenfels: Herbe Enttäuschung über „toten“ Klimaparkplatz

Weißenfels - Die Gestaltung des geplanten Klimaparkplatzes in Weißenfels wird von den MZ-Lesern heftig diskutiert. Bedauert wird vor allem die Ablehnung der Grünfläche.

Von Jan Iven 12.02.2018, 11:42

Lange Zeit war den Plänen für den neuen Klimaparkplatzes an der Saale wenig Beachtung geschenkt worden. Doch nachdem sich der Weißenfelser Stadtrat zuletzt gegen den Gestaltungsvorschlag mit einer Grünfläche am Niemöllerplatz entschieden hat, sorgt das Projekt für einige Diskussionen in der Stadt. Auch im Internet machen die MZ-Leser ihrem Ärger auf der Facebook-Seite der Mitteldeutschen Zeitung Weißenfels/Zeitz Luft.

Kein Grün für Klimaparkplatz: Auf Facebook hagelt es Kritik

So schreibt ein Facebook-Nutzer etwa: „Schmerz lass nach. Da wird wertvolle Fläche in der Uferzone mit Parkflächen verschandelt, statt sie attraktiv zu gestalten.“ Ein weiterer Leser sieht das ähnlich: „Es ist wirklich sehr schade, solch eine Chance zu vergeben.“

Weiter heißt es: „Überall nur noch grau in grau. Da wäre doch dieser Ruhepol nicht nur für Einheimische ein Anziehungspunkt gewesen.“

„Offene Variante“ für Klimaparkplatz abgelehnt - auch aus Angst vor Müll und Biertrinkern

Hintergrund: Die Weißenfelser Stadtverwaltung wollte den geplanten neuen Klimaparkplatz mit rund 70 Stellflächen am Niemöllerplatz um eine Grünfläche ergänzen. Dazu sollte der derzeit unterirdisch verlaufene Greißlaubach teilweise offengelegt werden. Mehrere Sitzgelegenheiten sollten zum Verweilen an dem offengelegten Bach einladen. Derzeit befindet sich am Niemöllerplatz noch ein provisorischer Schotterparkplatz.

Doch der Weißenfelser Stadtrat lehnte diese sogenannte „offene Variante“ mit der Grünfläche bei seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich ab. Stattdessen entsteht am Niemöllerplatz nun einer reiner Parkplatz mit 84 Stellflächen sowie Ladestationen für Elektroautos und Elektrofahrräder.

Die Begründung der Weißenfelser Stadträte: Es bestehe die Gefahr, dass die Grünfläche zugemüllt werden könnte. Daher wird befürchtet, dass die Stadt auf hohen Reinigungskosten sitzenbleiben könnte. Offenbar soll aber auch vermieden werden, dass der Parkplatz ein Anziehungspunkt für Biertrinker wird.

„Schade für die Stadt“: Nicht alle können Entscheidung nachvollziehen 

Einige MZ-Leser zeigten im Internet für diese Begründungen zumindest zum Teil auch Verständnis: „Ich kann die Bedenken der Stadträte nachvollziehen. Ich finde es aber schade, dass dies der Grund ist, den Parkplatz zu favorisieren. Schade für die Stadt.“

In einem anderen Beitrag ist zu lesen: „Biertrinker und Müll als Argument? Ich kann es total nachvollziehen. Es ist aber ein Armutszeugnis, wenn wegen solcher Zustände irgendwelche Projekte nicht realisiert werden.“

Doch viele sind von den Gegenargumenten nicht so richtig überzeugt. Auch dass der Bach nicht freigelegt wird, bedauern einige. „Andere Städte mit vergleichbaren Gewässern nutzen die Chance und versuchen, diese wieder zu öffnen. Hier verpasst man diese Chance, die zudem noch kostenneutral realisierbar wäre.“

So betragen die veranschlagten Kosten für beide Varianten rund 1,5 Millionen Euro. Ein anderer schreibt zustimmend: „Ich denke, dass hier die Gestaltungschance des offenen Baches verspielt wurde.“

Idee von grünem Parkplatz kam von der Stadt

Der Ton der Diskussion bleibt insgesamt jedoch sachlich und zum Teil weisen sich die Leser sogar gegenseitig auf Missverständnisse hin. Auf den Beitrag „Die Stadt vertut mal wieder eine Gelegenheit, etwas Vernünftiges zu machen. Schade“ erwidert ein Leser: „Nicht ganz. Die Stadtverwaltung bevorzugt ja den Entwurf mit offenem Gewässer. Es scheiterte dann am Stadtrat“.

Tatsächlich stammte der Vorschlag mit der Grünfläche von der Verwaltung. Auch der Weißenfelser Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) bedauerte bereits, dass die Offenlegung des Baches vom Stadtrat abgelehnt wurde. Stattdessen werde nun ein „toter Parkplatz“ errichtet. (mz)