Baufirma gibt auf

Weißenfels droht Bauruine im Stadtzentrum

Weißenfels - Dem Weißenfelser Zentrum droht eine große Bauruine. Die Bauarbeiten am neuen Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Saalstraße/Jüdenstraße sind zum Stillstand gekommen.

Von Andreas Richter 22.03.2017, 07:00

Dem Weißenfelser Zentrum droht eine große Bauruine. Martin Neumann, Vorstand der Weißenfelser Wohnungsbaugenossenschaft (WBG), hat jetzt auf MZ-Anfrage bestätigt, was Passanten auf dem Fußgängerboulevard längst ahnten: Die Bauarbeiten am neuen Wohn- und Geschäftshaus an der Ecke Saalstraße/Jüdenstraße sind zum Stillstand gekommen.

Die Firma baut nicht mehr am neuen Wohn- und Geschäftshaus in Weißenfels

„Die Firma baut nicht mehr“, räumte Neumann ein. Viel mehr wollte der WBG-Chef mit Verweis auf die laufende rechtliche Auseinandersetzung mit der betreffenden Firma nicht sagen. Nur noch so viel: „Wir sind bestrebt, die Baumaßnahme zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.“

Erste Schritte in diese Richtung seien eingeleitet, so Neumann. Was wohl mit der Suche nach einer neuen Firma übersetzt werden kann.

Es ist der Tiefpunkt eines schwierigen Kapitels innerstädtischen Bauens in Weißenfels

Das schwierige Kapitel innerstädtischen Bauens ist damit an einem vorläufigen Tiefpunkt angelangt. Viele Jahre lang war die Baulücke an der Saalstraße ein Schandfleck mitten in der Stadt. Vor mehr als vier Jahren entstanden im Rahmen eines Architektenwettbewerbes unter dem Motto „Mut zur Lücke“ 13 Vorschläge für eine Bebauung der Ecke.

Lange hatte man allerdings nach einem Investor für das Gebäude gesucht, das in der Nähe zur Saale und damit auf schwierigem Baugrund entstehen sollte. Schließlich stellte sich die WBG der Aufgabe und entschied sich dafür, den zweitplatzierten Wettbewerbsentwurf zweier Architekten aus Halle umzusetzen.

Die WBG kündigte bereits Anfang des Jahres an, dass der Bau sich verzögern werde

Im Februar vergangenen Jahres war es dann so weit: Symbolischer erster Spatenstich für den lange ersehnten Lückenschluss im Zentrum. Um die hohen Aufwendungen für die Bohrpfahl-Gründung des Gebäudes unweit des Flusses auffangen zu können, erhielt der Investor für das ursprünglich mehr als zwei Millionen Euro teure Projekt eine halbe Million Euro Fördermittel.

Dass das Projekt mit beengten Platzverhältnissen und sensiblem Baugrund zu einer echten Herausforderung wird, sollte jedoch spätestens zu Beginn dieses Jahres klar werden. Die WBG musste verkünden, dass das Wohn- und Geschäftshaus, für das es bereits Interessenten geben soll, frühestens im Frühjahr und damit mehrere Monate später als geplant im Rohbau fertig sein wird.

Weißenfels OB pocht darauf, dass die restlichen Leistungen neu ausgeschrieben werden

Nun also der komplette Stillstand. „Wir erwarten, dass die restlichen Leistungen neu ausgeschrieben werden und das Haus doch noch errichtet wird“, sagte der Weißenfelser Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) und erinnerte daran, dass nicht eben wenig Geld der Steuerzahler in dem Bauvorhaben steckt.

Risch will zugleich Zuversicht verbreiten: „Hinter dem Projekt steht eine leistungsstarke Genossenschaft, die das zu Ende bringen wird.“ Immerhin hat auch WBG-Chef Neumann noch eine gute Nachricht: In das neue dreiflügelige Wohnhaus in der Neustadt, das zweite große Bauvorhaben der Genossenschaft, ziehen in diesen Tagen die ersten Mieter ein.

Warum sich bis zum Jahresende an der Bauruine wohl kaum etwas bewegen dürfte

Am halb fertigen Eckhaus im Zentrum dürfte auf die Akteure allerdings wohl bald das nächste Problem zukommen. Von April bis November sind in der Saalstraße umfangreiche Bauarbeiten geplant.

Aufgrund der Enge ist es kaum vorstellbar, dass die Bauarbeiten am Eckhaus zeitlich parallel zum Straßenbau fortgesetzt werden. Und so ist derzeit vor allem ein Szenario realistisch: Bis zum Jahresende wird sich an der Bauruine wohl kaum etwas bewegen. (mz)