Weißenfels

Weißenfels: Der Problembär

weissenfels/MZ. - Armin Deubel hat eine Mission. Der Weißenfelser Stadtjäger will mehr erfahren über die Verhaltensweisen von Waschbären. Deshalb auch hat er vor wenigen Tagen einen Umschlag an einen Wildbiologen in Heiligenstadt geschickt. Darin befanden sich Proben von Muskelgewebe erlegter Waschbären. "Ich beteilige mich an einem bundesweiten Projekt, das Verhaltensweisen und bestimmte Wanderbewegungen der Waschbären näher erforscht", erklärt ...

Von Andreas richter 27.08.2012, 13:07

Armin Deubel hat eine Mission. Der Weißenfelser Stadtjäger will mehr erfahren über die Verhaltensweisen von Waschbären. Deshalb auch hat er vor wenigen Tagen einen Umschlag an einen Wildbiologen in Heiligenstadt geschickt. Darin befanden sich Proben von Muskelgewebe erlegter Waschbären. "Ich beteilige mich an einem bundesweiten Projekt, das Verhaltensweisen und bestimmte Wanderbewegungen der Waschbären näher erforscht", erklärt er.

Seitdem die Tiere immer mehr in die Städte vordringen, seien es zwei Herzen, die in seiner Brust schlagen, bekennt der Stadtjäger. Auf der einen Seite wird der nachtaktive Allesfresser zunehmend zum Problembär. In leerstehenden Gebäuden ist der gute Kletterer mittlerweile ebenso heimisch wie auf meterhohen Bäumen, durchstöbert Grundstücke, wird satt von alldem, das auch dem Menschen als Nahrung dient. Wenn auch nur bedingt, so kann das kleine Raubtier mit der typischen schwarz-weißen Gesichtszeichnung zudem potenzieller Überträger von Krankheiten, wie etwa der Viruserkrankung Staupe, sein. Nicht selten wird der Stadtjäger deshalb über das Ordnungsamt gerufen, weil Waschbären auf Grundstücken herumstreifen. Jüngst war der Jäger wieder mehrfach unterwegs, im Jahnweg, in der Roßbacher Straße oder in der Alten Leipziger Straße. Dann stellt er Kastenfallen auf und erlegt die Tiere. Rund 40 Waschbären stehen schon jetzt auf einer Abschussliste des Weißenfelser Stadtjägers, die im jeweiligen Jagdjahr, das von April bis März dauert, geführt wird. Im gesamten vorangegangenen Jagdjahr waren es 48 Tiere.

Während Deubel seine Verantwortung als Jäger wahrnimmt und regulierend in den wachsenden Waschbärenbestand eingreift, weiß er andererseits von den extrem unterschiedlichen Verhaltensweisen der Menschen. Er warnt vor regelmäßiger Fütterung ebenso wie vor Hysterie. "Wir sollten dem Lebewesen schon mit einer gewissen Achtung entgegen treten. Das sind keine Schädlinge. Ich kann Leute nicht verstehen, die die Tiere einfach mit dem Spaten erschlagen wollen", meint Deubel und fügt hinzu: "Es sind gelehrige und wissbegierige Tiere, die letztlich wir Menschen in unsere Nähe geholt haben".

Um aber Bürger sachkundig beraten und Zusammenhänge erklären zu können, will der Stadtjäger selbst so viel wie möglich über die pelzigen Tiere erfahren. Deshalb verschickt er nicht nur Gewebeproben, sondern filmt auch eifrig, beobachtet die Tiere in den verschiedensten Situationen. Dass sich immer mehr Leute im Zusammenhang mit dem Vorkommen von Waschbären an ihn wenden, wertet er auch als gutes Zeichen. "Die Leute werden sensibler", glaubt er. Und das sei auch gut so. Denn für Armin Deubel steht fest: "Wir müssen lernen, mit diesen Tieren zu leben." Die vom Menschen selbst verschuldete "Einbürgerung" der Waschbären jedenfalls werde nicht mehr rückgängig zu machen sein. So sieht es auch der Naturschutzbund (Nabu). Die Menschen sollten sich daran gewöhnen, dass die Tiere da sind, meint Andreas Meißner, der Vorsitzende des Regionalverbandes Saale-Elster. Was den Umfang des Vorkommens betrifft, so gibt es für Deubel eine große Dunkelziffer. Exakte Zahlen wie etwa vom Nabu hält er da für wenig aussagekräftig. Mitglieder des Regionalverbandes hatten Ende vergangenen Jahres knapp 900 Waschbären im Burgenlandkreis registriert. "Wir sehen nur die Spitze des Eisberges", glaubt Deubel. So würden in Deutschland nur etwa zehn Prozent des Gesamtbestandes erlegt. Klar ist für den Stadtjäger, dass die Zahl der Waschbären in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird.