Wasserspiele in Weißenfels

Wasserspiele in Weißenfels: Weshalb einer der sechs Brunnen noch außer Betrieb ist

Weissenfels - Es sprudelt wieder in Weißenfels. Und das nicht zu knapp. Immerhin gehören sechs funktionstüchtige Brunnen zum Bild der Stadt.

Von Andreas Richter 19.05.2017, 12:11

Es sprudelt wieder in Weißenfels. Und das nicht zu knapp. Immerhin gehören sechs funktionstüchtige Brunnen zum Bild der Stadt. Einer davon ist zurzeit jedoch mit einer hässlichen grünen Plane abgedeckt. Warum nur?

Die Antwort hat Frank Hyß, Abteilungsleiter Technische Dienste bei der Stadt: „Die Inbetriebnahme des Brauhausbrunnens in der Fischgasse hat sich leider aus technischen Gründen verzögert“. Ein Steuergerät für die Brunnenanlage ist defekt. Bis Ende dieses Monats, so ist Hyß zuversichtlich, soll der Brunnen in Betrieb gehen.

Dabei handelt es sich hier um ein besonderes Teil. Sind es doch die Reste jenes Brunnens, der jahrzehntelang auf dem Weißenfelser Marktplatz sprudelte. Im Februar dieses Jahres war der Stadt das wohl bekannteste Postkartenmotiv - Marktbrunnen mit Barockschloss im Hintergrund - abhanden gekommen. Weil der zentrale Platz völlig neu gestaltet wird, wurde der Brunnen abgetragen.

In Weißenfels sprudeln Brunnen in der Regel zwischen 7 und 22 Uhr

Die große Betonwanne wurde entsorgt, das Mittelstück jedoch hinübergerettet in die Fischgasse. Dorthin, wo sich früher ein Seerosen-Wasserspiel befand. 83.700 Euro Fördermittel von Bund und Land hat die Stadt für die Wiederherstellung der technischen Anlagen erhalten, die beim Saale-Hochwasser 2013 arg in Mitleidenschaft gezogen wurden. Für die Umsetzung der Brunnentulpe vom Markt in die Fischgasse und die Beseitigung von Schäden hat die Stadt 17.000 Euro aus beigesteuert.

Nun also soll bald wieder Wasser fließen aus dem Überbleibsel des Marktbrunnens. Wer allerdings eine Fontäne wie einst erwartet, der wird enttäuscht sein. Das Wasser wird vielmehr sacht über die Schale laufen und im Boden abfließen. „An der Ecke ist es oft windig. Eine Fontäne wäre hier ungünstig.“, erklärt Hyß.

In der Regel sprudelt es in Weißenfels zwischen 7 und 22 Uhr. Damit die Brunnen alle fließen, dreht ein Mitarbeiter der Stadt nahezu täglich seine Runde und kontrolliert den Zustand aller Wasserspiele. „Die Unvernunft von Leuten führt immer mal wieder zu Verunreinigungen“, weiß Frank Hyß. In diesem Jahr habe es glücklicherweise noch recht wenig Schäden gegeben. Knapp 22.000 Euro hat die Stadt im vergangenen Jahr für die Brunnen ausgegeben - Kosten für Wasser, Abwasser und Strom, für Material und Personal, das sich um die Anlagen kümmert.

Brunnen an der Promenade mausert sich zu Treff mit besonderem Flair

Der neueste Brunnen befindet sich übrigens an der neu gestalteten Promenade und er hat sich inzwischen zu einem Treffpunkt mit besonderem Flair gemausert. Ein Hingucker ist zweifellos der Palmenbrunnen in der Jüdenstraße. Das kleine Kunstwerk mit den besonders bei Kindern beliebten beweglichen Metall-Figuren des Aachener Brunnenbauers Alois Stirnberg erinnert mit seiner Palme an die Fruchtbringende Gesellschaft, der der Weißenfelser Herzog dereinst 13 Jahre lang vorstand. Weit weniger auffällig ist da einige Meter weiter der kleine Trinkbrunnen in der Jüdenstraße, der bei heißem Wetter für so manchen eine willkommene Erfrischung bereithält.

An der Marienapotheke in der Beuditzstraße fällt ein weiterer Brunnen ins Auge: Eine Bronzeplastik des Weißenfelser Stadtjungen steht im Mittelpunkt des 1903 enthüllten Brunnens. Ein Schmuckstück steht schließlich etwas außerhalb des Zentrums.

1910 wurde vom Weißenfelser Verschönerungsverein an der Gabelung der Merseburger und der Tagewerbener Straße in der Neustadt der Märchenbrunnen nach dem Motiv der Geschichte des Aschenputtels gestaltet. Rund um den Brunnen fanden in den vergangenen Jahren immer wieder kleine Feste statt. Zu Ostern wird er mit bunten Eiern geschmückt.

Während zahlreiche Brunnen in Weißenfels also Geschichte atmen, können sich Weißenfelser und Gäste nach der Sanierung des Marktplatzes auf ein eher modernes neues Wasserspiel freuen. Soll dort doch eine sogenannte weiße Fuge entstehen, ein mehrfach unterbrochenes Band aus weißen Profilplatten, in dem nach Musik von Heinrich Schütz ein dünner Wasserfilm fließt. (mz)