Wahrzeichen in Weißenfels

Wahrzeichen: Was läuft im schiefen Haus?

Weissenfels - Weißenfels hat seinen eigenen schiefen Turm. Zugegeben, nicht so hoch wie im italienischen Pisa. Doch immerhin. Denn das Nebengebäude am Kloster, in dem sich der Ratssaal befindet, neigt sich in Richtung Westen. „Das Haus ist etwa 45 Zentimeter aus dem Lot geraten“, erklärt Lothar Voß, Sachbearbeiter Hochbau, vor ...

Von Andreas Richter 18.02.2017, 10:59

Weißenfels hat seinen eigenen schiefen Turm. Zugegeben, nicht so hoch wie im italienischen Pisa. Doch immerhin. Denn das Nebengebäude am Kloster, in dem sich der Ratssaal befindet, neigt sich in Richtung Westen. „Das Haus ist etwa 45 Zentimeter aus dem Lot geraten“, erklärt Lothar Voß, Sachbearbeiter Hochbau, vor Ort.

Dass das Gebäude nicht ganz senkrecht steht, habe man bereits seit längerer Zeit gewusst, so Voß. Das ganze Ausmaß der Neigung sei jedoch erst zutage getreten, als das Gebäude im Vorfeld der jetzt anstehenden Bauarbeiten vermessen wurde.

Seit 2009 gab es mehrere Anläufe zum Umbau des Hauses, in dem sich Anfang des vorigen Jahrhunderts unter anderem die Aula des benachbarten Lehrerseminars befand. Erst Ende letzten Jahres wurde es schließlich konkret. So wurde der Heizungsraum, der sich in einem kleinen Flachbau neben dem Ratssaal befand, in das Dachgeschoss des Gebäudes verlegt. Vor wenigen Tagen wurde der alte Flachbau abgerissen. An seiner Stelle wird nun eine Außentreppe errichtet, die künftig als zweiter Fluchtweg genutzt werden kann.

Spätestens seit Anfang dieses Jahres ist das Haus nahe des Goethegymnasiums nun eine große Baustelle. Sowohl die von Vereinen und Kitas genutzte Turnhalle im Erdgeschoss als auch der Ratssaal in der ersten Etage sind derzeit gesperrt. Der Stadtrat und seine Ausschüsse tagen deshalb im Kulturhaus oder in anderen Räumlichkeiten, unter anderem im Beratungsraum in der Stadthalle.

Verwirklicht wird jetzt unter anderem ein seit Jahren diskutiertes Vorhaben: der Einbau eines Hubliftes. Da der Weg zum Ratssaal in die erste Etage über steile Treppen führt, waren gehbehinderte Bürger bislang praktisch von der Teilnahme an den Ratssitzungen ausgeschlossen. Künftig sollen sie mit dem Aufzug nach oben gelangen können - allerdings nur bis in die erste Etage. Was vor allem bautechnische Gründe hat. Aufgrund der Neigung des Gebäudes müsste die Fläche des Liftes verkleinert werden, um ihn senkrecht bis zur Empore für Besucher in der zweiten Etage führen zu können, so Lothar Voß. Höhere Kosten wären die Folge. Fraglich wäre zudem, ob ein Rollstuhl dann überhaupt noch Platz im Lift finden würde.

Es sind vor allem strenge Vorgaben des Brandschutzes, die die Stadt jetzt erfüllen muss. „Turnhalle, Toiletten und Umkleidekabinen erhalten eine Brandschutzdecke“, erklärt Voß. Darüber hinaus werden in der Turnhalle eine zweite Fluchttür sowie neue Heizkörper eingebaut. Der Abschluss der Bauarbeiten ist Ende Juni geplant. Verbunden ist das Ganze mit nicht unerheblichen Kosten. Nachdem erste Schätzungen einmal von rund 150.000 Euro ausgegangen waren, wird laut Stadt nun mit etwa 410.000 Euro geplant. Davon fließen 220.000 Euro aus dem Förderprogramm „Soziale Stadt“ in die Bauarbeiten rund um den Ratssaal.

Hinzu kommen weitere 190.000 Euro aus dem kommunalen Haushalt. Die Neigung des Gebäudes auf schwierigem Baugrund ist eine wesentliche Ursache für die hohen Kosten. So muss der Lift auf Pfählen gegründet werden, um eine zusätzliche Belastung zu vermeiden. (mz)