Von der Feuerwehr zum Job?

Von der Feuerwehr zum Job?: Einsatzkräfte möchten stärker berücksichtigt werden

Weißenfels - Die Einsatzkräfte möchten bei Stellenausschreibungen der Stadt Weißenfels stärker berücksichtigt werden.

Von Jan Iven 12.04.2018, 14:27

Seinen Job im Reichardtswerbener Bauhof verdankt Christian Klehm nicht zuletzt seinem Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr Weißenfels. „Die Wehrleitung hatte mich auf die Stellenausschreibung aufmerksam gemacht, als ich nach der Bundeswehr eine Stelle gesucht habe“, erzählt der 31-Jährige aus Reichardtswerben, der bereits in der Kinderwehr angefangen hat. Auch Dank seines Lkw-Führerscheins und seiner Feuerwehr-Ausbildung zum Maschinisten klappte es mit seiner Bewerbung bei der Kommune.

Wenn Christian Klehm am Tag als Gemeindearbeiter im Ortsteil unterwegs ist, steht er im Falle einer Alarmierung der Feuerwehr Reichardtswerben zur Verfügung. Nachts rückt er mit den Weißenfelser Kameraden aus. „Die Stadt hat natürlich ein Interesse daran, dass ihre Mitarbeiter bei der Feuerwehr sind. Das ist bei vielen anderen Arbeitgebern leider anders“, sagt Klehm. Dass sich Mitarbeiter der Stadt als sogenannte kommunale Einsatzkräfte auch bei der Feuerwehr engagieren, hält er deswegen für sinnvoll.

Von 531 Beschäftigten in Weißenfels sind 13 Mitarbeiter bei der Feuerwehr aktiv

Derzeit sind von 531 Beschäftigten der Stadt Weißenfels gerade 13 Mitarbeiter bei der Feuerwehr aktiv. Aus Sicht des stellvertretenden Stadtwehrleiters Steve Homberg sind das noch zu wenig. „Wir brauchen mehr kommunale Einsatzkräfte“, sagt Steve Homberg. „Die Stadtverwaltung muss ihrer Verantwortung als Arbeitgeber gerecht werden und von ihren Bewerbern die Bereitschaft zur Feuerwehrausbildung einfordern.“ Gerade weil die Zahl der Einsätze im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent auf 531 gestiegen ist, sind die Einsatzkräfte auf jede Unterstützung angewiesen.

Im Umkehrschluss wünschen sich die Weißenfelser Feuerwehrleute aber auch, dass sie bei Stellenausschreibungen der Stadt Weißenfels noch stärker berücksichtigt werden. Denn schließlich sind die Kameraden bereits bei der Feuerwehr aktiv und haben bewiesen, dass sie sich für das Gemeinwohl engagieren.

OB von Weißenfels: Beim Thema Ehrenamt gibt es auch bei städtischen Mitarbeitern noch Nachholbedarf

Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) räumte bei der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr ein, dass es beim Thema Ehrenamt auch bei städtischen Mitarbeitern noch Nachholbedarf gibt. „Es krankt insgesamt an der Verantwortung. Wir brauch mehr Menschen, die sich engagieren“, sagte er.

In den Stellenausschreibungen für das Ordnungsamt und im Bereich Grünflächen werde bereits betont, dass Feuerwehrleute bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt werden. Die Helfer lobt Risch ausdrücklich. „Wir haben vollsten Respekt vor dem Engagement der kommunalen Einsatzkräfte und der anderen Kameraden“, sagt er. (mz)