Vernunft statt Farbe

Vernunft statt Farbe: Warum Weißenfels immer weniger für Pflanzen ausgibt

Weißenfels - Weißenfels hat die Ausgaben für seine Sommerbepflanzung sehr stark reduziert. Heute gibt mancher privat mehr Geld für frische Pflanzen aus.

Von Alexander Kempf und Petra Wozny 24.05.2018, 10:15

Gepflegt wirkt das Postbeet zwischen Klosterstraße und Saalstraße noch immer. Von der Farbenpracht vergangener Tage aber ist dort nichts mehr zu sehen. Blüten suchen Spaziergänger vergebens. Es dominieren Grüntöne. Der städtische Sparkurs in Sachen Sommerbepflanzung wird nirgendwo deutlicher als hier. Weißenfels hat in diesem Jahr gerade noch 360 Euro in frische Sommerpflanzen investiert, teilt das Rathaus auf Nachfrage mit.

Es ist eine pragmatische Entscheidung. „Die Stadt Weißenfels hat aufgrund der knappen Haushaltsmittel die Bepflanzung mit Blumen verringert“, bestätigt Stadtsprecherin Katharina Vokoun. Um noch vorhandenes Geld und Personal möglichst effizient zu nutzen, würden seit geraumer Zeit sogenannte Dauerbepflanzungen vorgenommen. Das Postbeet am Ratssaal ist ein Musterbeispiel dafür.

Dauerbepflanzung benötigt weniger Pflege und verursacht dadurch entsprechend geringere Kosten

„Die Bepflanzung mit Blumen hat früher bis zu zwei Tage gedauert und war auch in der Pflege sehr zeitaufwendig“, erläutert Katharina Vokoun. So mussten die Blumen jedes Jahr aufs Neue gesetzt werden, da sie nur einjährig blühen. „Nun befinden sich vor Ort Stauden und Gehölze“, sagt die Stadtsprecherin. Diese Dauerbepflanzung benötige nicht nur weniger Pflege, sondern verursache auch entsprechend geringere Kosten.

Im nahen Hohenmölsen hingegen wird der ideelle Wert farbenfroher Pflanzen betont. „Zu zeigen, wie Hohenmölsen aufblüht, ist uns enorm wichtig“, sagt dort die Kämmerin. Laut Marion Zenne würden in die Bepflanzung von Beeten und Kübeln jedes Jahr 4.000 Euro investiert. Das wäre mehr als zehnmal so viel wie in der einstigen Residenzstadt Weißenfels.

Die Mitarbeiter des Hohenmölsener Bauhofs entscheiden übrigens selbst, welche Blumen dafür eingekauft werden. „Da entwickeln sie ganz tolle Ideen und sie pflegen die Blumenpracht später mit großem Elan“, schwärmt Kämmerin Marion Zenne.

Lützen investiert zwischen 2.500 und 3.000 Euro in neue Blumen und Saatgut

Selbst das klamme Lützen möchte auf frische Farben in den kommunalen Beeten nicht verzichten. Gemäß Kämmerin Simone Starke fließen jedes Jahr zwischen 2.500 und 3.000 Euro in neue Blumen und Saatgut. Gekauft werden davon dann unter anderem Hornveilchen, Stiefmütterchen oder Geranien.

Weißenfels hat für seine 360 Euro in diesem Jahr unter anderem einjährig blühende Petunien, Salvien und Begonien angeschafft. „Wir haben Blumenschalen in der Klosterstraße, vor dem Stadtpark und in der Jüdenstraße bepflanzt“, sagt Katharina Vokoun. Aber auch gemäß des Sparkurses in langlebige Stauden investiert.

Die Blumenampeln, die seit wenigen Tagen an Weißenfelser Laternenmasten hängen, stiftet denn auch nicht das Rathaus, sondern der Stadtmarketingverein. „Die Stadt Weißenfels unterstütz die Aktion und kümmert sich um die Pflege der Blumen“, so Katharina Vokoun. Die Pflanzen würden regelmäßig gewässert und gedüngt. (mz)