VerkehrsknotenWeißenfels

VerkehrsknotenWeißenfels: Problemfall Bahnhof

Weißenfels - Der Verkauf des Bahnhofsgebäudes an die Stadt Weißenfels ist unter Dach und Fach. Nachdem der Stadtrat zuvor bereits eine Grundsatzentscheidung zum Erwerb der Immobilie gefasst hatte, stimmte er nun im nichtöffentlichen Teil seiner Sitzung am Donnerstagabend dem Kaufvertrag mit dem bisherigen Eigentümer, der Deutschen Bahn (DB), zu. 26 Räte waren für den Kauf, zwei stimmten dagegen und fünf enthielten sich der ...

Von Andreas Richter 02.04.2016, 15:00

Der Verkauf des Bahnhofsgebäudes an die Stadt Weißenfels ist unter Dach und Fach. Nachdem der Stadtrat zuvor bereits eine Grundsatzentscheidung zum Erwerb der Immobilie gefasst hatte, stimmte er nun im nichtöffentlichen Teil seiner Sitzung am Donnerstagabend dem Kaufvertrag mit dem bisherigen Eigentümer, der Deutschen Bahn (DB), zu. 26 Räte waren für den Kauf, zwei stimmten dagegen und fünf enthielten sich der Stimme.

Allerdings ging die Kommune diesen Schritt zum jetzigen Zeitpunkt nicht ohne Druck. Spätestens nachdem die DB offengelegt hatte, dass sich ein privater Dritter für das Weißenfelser Bahnhofsgebäude interessiert, stand die Kommune unter Zugzwang. Wollte sie doch verhindern, dass sich das große, derzeit weitgehend leerstehende Gebäude am Saaleufer in eine wenig vorteilhafte Richtung entwickelt. Als Beispiel dafür hatte Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) im Vorfeld der Stadtratssitzung gegenüber der MZ Gotha genannt. Die thüringische Stadt versuche ihren Bahnhof jetzt von Privaten zurückzubekommen und hätte seinerzeit für ein Drittel des Preises der Privaten kaufen können. Jetzt liege der Gothaer Bahnhof verwahrlost da.

Diskussion in Stadtratssitzung

Ein Szenario, das Weißenfels unbedingt verhindern will. Wobei die Diskussion im öffentlichen Teil der Stadtratssitzung deutlich machte, dass der Erwerb der Immobilie nur der erste Schritt auf einem langen Weg ist. Denn eigentlich ist das gesamte Areal rund um den Bahnhof ein Problemfall. Eine ordentliche Zufahrt fehlt ebenso wie ausreichende Parkplätze und eine Haltestelle für Schienenersatzverkehr und Fernbusse. Letztere müssen derzeit in der Innenstadt nahe des Klosters halten.

Im Stadtrat konnte Risch freilich nur mit ersten Ansätzen auf dem Weg zur Besserung dienen. So soll in den nächsten drei bis vier Jahren die ramponierte Straße zum Bahnhof, die die Kommune bereits 2011 von der Bahn übernommen hatte, grundhaft saniert werden. Während nach ersten Kostenschätzungen hierfür etwa zwei Millionen Euro investiert werden müssen, sprach der Verwaltungschef bei der Wiederbelebung des Bahnhofsgebäudes von mehr als vier Millionen Euro. Konkretes Baugeschehen sei da in den nächsten beiden Jahren noch nicht zu erwarten.

Fördermittel aus dem Revita-Programm

Die Stadt werde sich um Fördermittel aus dem Revita-Programm des Landes Sachsen-Anhalt bemühen, sagte Risch. Ludger Sippel, Leiter der Abteilung Struktur und Förderprogramme bei der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (Nasa), bestätigte gegenüber der MZ, dass die Stadt Fördermittel aus dem Programm angemeldet hat. „Weißenfels ist ein vielversprechender Standort“, schätzte Sippel ein und verwies darauf, dass jeden Tag immerhin knapp 3.000 Fahrgäste den Verkehrsknoten frequentieren. In den nächsten Monaten werde eine Grundsatzentscheidung darüber zu treffen sein, ob es Sinn macht, einen konkreten Fördermittelantrag für die Revitalisierung des Bahnhofs zu stellen.

Als nächste Schritte nannte Risch Detailuntersuchungen zum Zustand des Bahnhofsgebäudes ebenso wie Kostenermittlungen und die Suche nach möglichen Mietinteressenten. Der Wartebereich soll künftig neu gestaltet werden. Ein Bistro gehört zu den Vorstellungen, und die Wiederinbetriebnahme einer Toilette.

Dass der Kauf des Gebäudes trotz aller Zwänge nicht unumstritten ist, machte die öffentliche Diskussion im Stadtrat noch einmal deutlich. „Die Stadt zieht sich ein weiteres Problem auf den Tisch. Doch wir haben keine andere Wahl“, meinte der Vorsitzende der CDU/FDP-Fraktion, Manfred Rauner, und übte scharfe Kritik am „erpresserischen Vorgehen“ der Deutschen Bahn. Ähnlich unzufrieden äußerte sich Hans Klitzschmüller, Vorsitzender der Fraktion Die Linke. Die Deutsche Bahn nutze für ihre Fahrgäste künftig ein Gebäude, in das die öffentliche Hand Geld hineinsteckt. Gunter Walther (Fraktion Bündnis für Gerechtigkeit/Grüne) witterte gar, dass die Bahnhofsstraße vor allem als Transportweg für das im Norden der Stadt gelegene Fleischwerk mit öffentlichen Mitteln ausgebaut werden soll. Was OB Risch allerdings entschieden verneinte. Und auch in einem anderen Punkt versuchte er so manchen Zweifler zu überzeugen: „Wir können den Bahnhof vor Ort besser umgestalten als die Bahn von irgendeiner Zentrale aus.“ (mz)