Verblasster Glanz

Verblasster Glanz: Zeitplan für Sanierung des Rathauses kommt durcheinander

Weißenfels - Das Weißenfelser Rathaus ist im Inneren noch immer eine große Baustelle. Warum der Zeitplan für die Sanierung durcheinander geraten ist.

Von Andreas Richter 23.10.2019, 05:00

Nico Scherf geht in diesen Wochen einem spannenden Tagwerk nach. Und das ziemlich im Verborgenen. Denn der Arbeitsplatz des Stuckateurs ist der historische Ratssaal im Weißenfelser Rathaus.

Seit sechseinhalb Jahren steht das Gebäude am Markt leer, schrittweise wird es saniert. Hinter den verschlossenen Türen des Barockbaus ist der Ratssaal in der ersten Etage derzeit einer der Schwerpunkte. Neben den Wänden wird dort auch die historische Stuckdecke rekonstruiert. In einer Hälfte des Raumes ist die Verzierung an der Decke noch weitgehend erhalten. Deshalb nimmt Scherf an dem historischen Bestand Abdrücke, um auch die zweite Hälfte der Decke in gleicher Weise gestalten zu können.

„Das wird mit Sicherheit wieder ein repräsentativer Raum“

„Das wird mit Sicherheit wieder ein repräsentativer Raum, eine spannende Aufgabe“, meint Nico Scherf vom Stuckhaus Scherf und Ritter aus dem sächsischen Waldenburg, das immerhin auch schon im Dresdner Schloss seine Spuren hinterlassen hat. Wenn die Fachleute den verblassten Glanz aufpoliert haben, soll der Saal, der im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut wurde, im Wesentlichen wieder aussehen wie im Jahr 1895.

Doch nicht allein im historischen Saal wird in diesen Wochen eifrig gewerkelt. Maler, Fliesenleger, Elektriker und Heizungsbauer arbeiten derzeit vor allem im Erdgeschoss, in dem nach der Wiedereröffnung des Rathauses Mitarbeiter der Stadtverwaltung einziehen werden. Zu tun gibt es jede Menge. „Die letzte große Sanierung war Anfang der 1930er Jahre. Danach wurde nur noch hier und da aufgehübscht“, weiß Carmen Rex, Abteilungsleiterin Hochbau bei der Stadt.

Innensanierung des Rathauses als Mammutaufgabe

Knapp 90 Jahre später hat die Kommune mit der Innensanierung des Rathauses eine Mammutaufgabe zu schultern. Ursprünglich sollten die Arbeiten Mitte dieses Jahres beendet sein. Jetzt haben die Verantwortlichen die Mitte des nächsten Jahres im Blick. Mit der Fertigstellung des Baus rechnen sie im April/Mai.

Danach soll jener Teil der Verwaltung, der jetzt im Hinterhaus des Fürstenhauses untergebracht ist, nach und nach wieder ins Rathaus einziehen. Darunter auch Oberbürgermeister Robby Risch. Im März 2013 musste das Gebäude nahezu leer geräumt werden, nachdem sich herausgestellt hatte, dass das Rathaus nicht mehr standsicher ist.

„Wir sind oft im Zeitplan zurückgeworfen worden“

„Wir sind oft im Zeitplan zurückgeworfen worden“, sagt Carmen Rex heute. Ein Beispiel: Die Aufarbeitung der historischen Treppe - anspruchsvoll hinsichtlich Denkmal- und Brandschutz - war viel früher geplant. Doch die Stadt fand lange keine Firma,

die diese Arbeiten übernimmt. Stuck- und Putzarbeiten im Treppenhaus wurden deshalb vorgezogen. Ein weiteres Problem: Wie so oft im Verlauf eines großen Bauprojekts gab es während der Arbeiten die eine oder andere Überraschung. „Wir hatten viel Mehrarbeit. Mauerwerk musste ausgetauscht werden. Alte Kamine und zurückgelassene Installationen kamen zum Vorschein“, berichtet Carmen Rex.

Rund fünf Millionen Euro wird die Sanierung kosten

Rund fünf Millionen Euro wird die Sanierung des Rathauses nach jetzigem Stand unterm Strich kosten. Knapp zwei Millionen Euro davon stammen aus dem Investitionsförderprogramm Stark V für finanzschwache Kommunen. (mz)