Uraufgeführt in Weißenfels

Uraufgeführt in Weißenfels: Die verschollene Kantate wurde rekonstruiert

Weißenfels - Am 6. April wird in Erfurt ein rekonstruiertes Werk von Bach uraufgeführt. Warum das auch für den Weißenfelser Museumsverein ein wichtiges Ereignis ist.

Von Andreas Richter 02.04.2018, 12:16

Am kommenden Freitagabend hat Matthias Böttger schon etwas Wichtiges vor. Dann fährt der Vorsitzende des Weißenfelser Museumsvereins zu den Thüringer Bachwochen nach Erfurt. In der Thomaskirche wird er sich Musik anhören, die so ähnlich schon vor 293 Jahren am Hof auf Schloss Neu-Augustusburg erklungen ist.

Am 23. Februar 1725 wird aus Anlass des 43. Geburtstages von Herzog Christian die Schäferkantate von Johann Sebastian Bach (1685-1750) in Weißenfels uraufgeführt. Originale und Abschriften des Werkes sind im Lauf der Jahrhunderte verschollen. Nun jedoch lebt das Werk von Bach wieder auf. Anhand überlieferter Fragmente hat der Musikforscher Alexander Grychtolik die Schäferkantate rekonstruiert.

Zahlreiche Vokalwerke von Johann Sebastian Bach rekonstruiert

„Das war ein ausgesprochen spannendes Projekt“, erzählt Grychtolik, der bereits zahlreiche Vokalwerke von Johann Sebastian Bach, so unter anderem die Köthener Trauermusik, rekonstruiert hat. „Die Arien und Chöre der Kantate sind über das Oster-Oratorium von Bach überliefert“, erklärt der 37-Jährige, der im Jahr 2008 mit der Deutschen Hofmusik ein Orchester gegründet hat, das sich auf die Rekonstruktion und und Wiederaufführung alter Musikwerke konzentriert.

Die Rezitative jedoch seien verloren gegangen. Im Jahr 1943 sei schon einmal eine Rekonstruktion der Schäferkantate im schweizerischen Basel veröffentlicht worden. Doch diese sei aus heutiger Sicht überholt, sei mit stilistischen Fehlern, falschen Quellen und Interpretationen behaftet. Deshalb habe er sich zu einer Neuauflage entschlossen.

Kantate sei wie eine kleine Oper in Dialogen

„Ich habe das Werk so neu komponiert, dass das Ganze wieder nach Bach klingt“, sagt der Musikforscher. Die Kantate sei wie eine kleine Oper in Dialogen geschrieben. Und der Musiker vermittelt dem Laien eine Vorstellung davon, wie die Musik vor knapp 300 Jahren am Weißenfelser Hofe dargeboten wurde. „Das war damals Tafelmusik zum festlichen Essen, mit kostümierten Sängern und szenischen Aufführungen“, beschreibt Grychtolik. Schauplatz der Uraufführung war vermutlich der heute so nicht mehr existierende Festsaal auf Schloss Neu-Augustusburg.

„Wir sind sehr froh, dass sich ein so renommierter Bachforscher eines Werkes angenommen hat, das in engem Zusammenhang mit der Weißenfelser Geschichte steht“, sagt Matthias Böttger. Während der Rekonstruktion des Werkes habe man in enger Verbindung gestanden. Und schon zeichnet sich ab, dass das Museum unmittelbar von der Arbeit des Musikforschers profitieren wird.

„Im kommenden Jahr wird eine CD mit der rekonstruierten Kantate erscheinen, die dem Weißenfelser Museum als Hörprobe zur Verfügung gestellt wird“, kündigt Böttger an. Zudem hoffen sie im Museumsverein darauf, dass Grychtolik zu einem Vortrag nach Weißenfels kommt und über seine Arbeit berichtet. Doch nun freut sich Böttger erst einmal auf den 6. April und die Rückkehr der Schäferkantate.

››Aufführung Schäferkantate: Freitag, 6. April, 19.30 Uhr, Thomaskirche Erfurt. (mz)