Umstrittener Plan für Anbau

Umstrittener Plan für Anbau: Neue Perspektiven für das Schütz-Haus

Weißenfels - Die Weißenfelser Musikergedenkstätte soll einen Anbau erhalten. Dieser Plan ist aber nicht unumstritten.

Von Andreas Richter 25.10.2019, 09:00

Die geplante Erweiterung des Heinrich-Schütz-Hauses stößt in Weißenfels nicht auf uneingeschränkte Zustimmung. Auf der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung enthielten sich fünf Stadträte bei der Abstimmung zu einem entsprechenden Grundsatzbeschluss der Stimme. Acht Räte votierten dafür. „Ich habe Bauchschmerzen, wenn wir ein Objekt, dessen Sanierung wir 2012 beendet haben, sieben Jahre später wieder anfassen“, sagte Beate Schlegel von der Fraktion CDU/FDP/Bürger für Gerechtigkeit.

Die Gedenkstätte für den Komponisten Heinrich Schütz (1585-1672) in der Nikolaistraße 13 ist im Jahr 2012 nach umfassender Sanierung wiedereröffnet worden. Das größte Manko des einzigen original erhaltenen Wohnhauses des Komponisten: Neben einer von Experten hoch geschätzten Dauerausstellung zu Leben und Werk des Komponisten gibt es keine Räume für Sonderausstellungen, mit denen das Museum immer wieder neu auf sich aufmerksam machen kann. Darüber hinaus hat der Renaissancebau keine ausreichenden Rettungswege und ist nicht barrierefrei.

Gesamtkosten werden auf rund zwei Millionen Euro geschätzt

All das soll sich mit einem Anbau ändern. Der Plan: Das Nebengebäude Nikolaistraße 9, ein 1987 errichteter und heute leerstehender Plattenbau, wird abgerissen und an gleicher Stelle ein Neubau errichtet. In einer Machbarkeitsstudie hat ein von der Stadt beauftragtes Architekturbüro diese Variante vorgeschlagen. Die Gesamtkosten für das Vorhaben werden auf rund zwei Millionen Euro geschätzt.

Der Abriss des Plattenbaus soll rund 88.000 Euro kosten. Dass die Stadt jetzt beim Land einen Förderantrag für den Erweiterungsbau stellen kann, hat sie dem Burgenlandkreis zu verdanken. Der übernimmt den notwendigen Eigenanteil der Kommune in Höhe von 200.000 Euro.

In den vergangenen Jahren kamen jeweils rund 5.000 Besucher

Stadträtin Schlegel hat allerdings Zweifel, dass ein Anbau mit Räumlichkeiten für Sonderausstellungen tatsächlich mehr Besucher in das Heinrich-Schütz-Haus locken kann. In den vergangenen Jahren kamen jeweils rund 5.000 Besucher oder weniger pro Jahr. Stadtrat Hans Klitzschmüller (Fraktion Die Linke) versuchte, den Fokus nicht allein auf Heinrich Schütz zu lenken.

Nach seiner Ansicht ist zu überlegen, ob die Pflege des Erbes von Schütz nicht mit der Suche nach einem geeigneten Standort für eine moderne Stadtbibliothek verknüpft werden kann. Uneingeschränkte Zustimmung kommt indessen von Johannes Kunze, Kulturmanager beim Landkreis und SPD-Stadtrat in Weißenfels: „Der Anbau ist eine Investition in die Zukunft. Allein die Barrierefreiheit ist ein wichtiger Punkt, um mehr Besucher locken zu können.

Auf der Sitzung des Stadtrates am 7. November soll nun endgültig über den Erweiterungsbau entschieden werden. Gibt es grünes Licht, dann stehen alle Beteiligten unter Zeitdruck. Denn schon im Jahr 2022 soll der Anbau fertig sein. Dann jährt sich der Todestag des Komponisten, dessen Alterssitz Weißenfels war, zum 350. Mal. Im Kulturausschuss, der sich einstimmig für das Projekt ausgesprochen hat, versicherte Kulturamtsleiter Robert Brückner, dass dieses Ziel durchaus realistisch sei. (mz)