Tafel in Weißenfels

Tafel in Weißenfels: Ein neuer Bus für den guten Zweck

Weissenfels - Der Fuhrpark bei der Tafel in Weißenfels hat sich erweitert und nicht einmal etwas gekostet. Und das ist am Freitag noch nicht die ganze Überraschung gewesen.

Von Andrea Hamann-Richter 19.03.2018, 14:07

Christine Krössmann und Mathias Gröbner stehen vor einem weißen Transporter. Mathias Gröbner öffnet vorsichtig die Tür. Christine Krössmann bekommt große Augen. Bettwäsche, Taschen, Unmengen von Tee, Mehl, Maisdosen. Das alles befindet sich in dem Laderaum des Autos. Es sind Gaben der Tafel in Düsseldorf. Dabei sind die Artikel nur eine kleine Beigabe. Denn die Institution aus den alten Bundesländern hat dem Tafelverein im Burgenlandkreis das Auto geschenkt, weil sie selbst ein neues Gefährt bekommen hatten.

Die Mitglieder machten sich auf die Suche, wem sie ihr ausgedientes Auto geben könnten und stießen auf die Naumburger Tafel, dessen Vorsitz Mathias Gröbner inne hat. „Wir haben ein gutes Verhältnis zueinander“, sagt er und schaut sich das Auto erfreut an. Es ist in einem guten Zustand. „72.000 Kilometer, Tüv gerade erst bekommen. Wir werden lange mit ihm fahren können, ohne dass Reparaturen anstehen“, sagt er.

Auto können die Initiatoren der Tafel in Weißenfels gut gebrauchen

Das Auto können die Initiatoren der Tafel gut gebrauchen. Schließlich sind sie regelmäßig unterwegs, um Essen einzusammeln. „Von Günthersdorf bis Ronneburg“, fasst Gröbner zusammen. Kein Wunder, im gesamten Bereich der Tafel, dazu zählen Naumburg, Weißenfels, Lützen und Laucha, sind 3.000 Bedürftige registriert. Sie kommen zu den Ausgabetagen, um sich die kostenlosen Lebensmittel abzuholen.

Dabei gibt es ganz klare Regeln. Christine Krössmann, die sich um die Tafel in Lützen kümmert, nennt sie. „Zuerst kommen Rentner an die Reihe. Die, die in ihrem ganzen Leben gearbeitet haben und nicht mit ihrer Rente auskommen“, sagt sie. Danach sind alleinerziehende Eltern mit ihren Kindern an der Reihe. Anschließend kommen alleinstehende Personen zum Zuge.

Rentner, die ihren Enkeln nicht einmal zwischendurch eine Tafel Schokolade schenken können

Christine Krössmann weiß um die Nöte der Menschen. Sie kennt Rentner, die ihren Enkeln nicht einmal zwischendurch eine Tafel Schokolade schenken können. Es ist schlicht und ergreifend einfach kein Geld dafür da. Umso dankbarer sind sie, wenn sie solche seltenen Leckereien bei der Tafel bekommen - nicht für sich, sondern für ihre Enkel, damit sie denen eben auch einfach mal etwas zustecken können. Eine Geste, die für andere Menschen, die mehr Geld haben, ganz selbstverständlich ist.

Daher empört es die Frau auch, was vor wenigen Tagen der CDU-Politiker Jens Spahn öffentlich geäußert hat, nämlich, dass jeder das, was er zum Leben brauche, mit Hartz IV bezahlen könne. „Für mich steht dieser Mann überhaupt nicht im Leben“, sagt die Dehlitzerin. Solche Aussagen zu tätigen, ohne jemals in der Tafel gearbeitet zu haben und die Situation zu kennen, könne sie nicht verstehen. „Ich finde es nicht richtig und respektlos den Menschen gegenüber, die die Tafel besuchen müssen“, sagt sie weiter.

Sie kenne viele Personen, die bedürftig sind, aber lieber arbeiten würden, als sich bei den Tafeln für ein Zubrot anstellen zu müssen. (mz)