Steigen jetzt die Müllgebühren?

Steigen jetzt die Müllgebühren?: Wo Nachbarn an der Bio-Tonne streiten

Weißenfels - Müllmänner lassen unreine Bio-Behälter stehen. Das sorgt vielerorts für Ärger. Steigen die Gebühren?

Von Andreas Richter 17.02.2018, 07:00

Es kommt nicht ganz überraschend: Die Aktion „Nur Bio in die Tonne“ der Abfallwirtschaft Sachsen-Anhalt Süd sorgt in einigen Wohngebieten im Landkreis für Probleme. Wie Katrin Stehfest, verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit, einräumte, gibt es vor allem dort die eine oder andere Streiterei, wo sich mehrere Mieter eine braune Tonne teilen.

Denn die Abfallbehörde greift seit Ende Januar durch. Nachdem zuvor reichlich Öffentlichkeitsarbeit betrieben wurde, erhalten jene Bio-Müllbehälter, die Fremdstoffe wie Plastik oder Glas enthalten, eine rote Karte. Soll heißen: Die Entsorger lassen die Tonne stehen. Entweder die Fremdstoffe werden bis zur nächsten Biomülltour entfernt oder aber der falsch befüllte Behälter muss gebührenpflichtig als Restmülltonne entsorgt werden. Seit Beginn der „roten Phase“ der Aktion Ende Januar sind laut Abfallwirtschaft in den ersten zehn Tagen knapp 250 rote Karten im gesamten Burgenlandkreis verteilt worden.

Fremdstoffe im Biomüll: Verursacher kann meist nur schwer ermittelt werden

Das Problem: Enthalten Biotonnen, die von mehreren Mietern genutzt werden, Fremdstoffe, so kann der Verursacher meist nur schwer ermittelt werden. „Wir kennen das Problem“, bestätigt Martin Neumann, Vorstand der Weißenfelser Wohnungsbaugenossenschaft (WBG). Dabei setzt die WBG vor allem auf Aufklärung und Appelle an die Vernunft der Mieter. In dem einen oder anderen Fall könne man sicher darüber nachdenken, mehr Tonnen zur Verfügung zu stellen, meint Neumann.

Doch vielerorts sei für noch mehr Tonnen in den Wohngebieten schlicht kein Platz. Ähnlich sieht das Kathleen Schechowiak, Geschäftsführerin der Wohnungsbau Wohnungsverwaltung Weißenfels GmbH (WVW). Auch sie hofft in erster Linie auf die Vernunft der Bürger. „Jeder sollte es doch schaffen, die richtige Mülltonne zu finden“, meint sie.

Auch zusätzliche Müllbehälter könnten eine Möglichkeit sein

Seit Beginn der Aktion im Spätsommer sei man mit den großen Vermietern in der Region im Gespräch, versichert Katrin Stehfest. Dabei gebe es keine grundsätzliche Lösung für alle. „Wir brauchen individuelle Lösungen vor Ort, müssen jeweils schauen, was wo Sinn macht“, so Stehfest. So könnten gegebenenfalls kleinere Tonnen mit einem Fassungsvermögen von 120 statt 240 Litern aufgestellt werden, um die Behälter weniger Mietern zuordnen zu können.

Auch zusätzliche Müllbehälter könnten eine Möglichkeit sein. Doch gebe es in Weißenfels zum Beispiel auch Innenhöfe, in denen es einfach keinen Platz für zusätzliche Abfalltonnen gibt. Entscheidend sei, dass die Kosten gedeckt sind. Doch Stehfest beruhigt: Selbst wenn hier und da mehr Tonnen bereitgestellt werden, so müssten die Bürger derzeit keine Erhöhung der Abfallgebühren befürchten. (mz)