Stadtwerke

Stadtwerke: Senkung der Gaspreise - warum 200 Kunden nicht davon profitieren

Weissenfels - Wie andere Kunden auch hatte sich Ulrich Jende aus Weißenfels gefreut, als angekündigt wurde, dass der Gaspreis bei den Stadtwerken sinken soll.

Von Birger Zentner 18.01.2017, 05:45

Wie andere Kunden auch hatte sich Ulrich Jende aus Weißenfels gefreut, als angekündigt wurde, dass der Gaspreis bei den Stadtwerken sinken soll. Wir geben die sinkenden Preise auf dem Markt an unsere Kunden weiter, hieß es noch im alten Jahr. Verwundert, dann ungläubig und schließlich verärgert, schaute Jende dann aber auf die Bescheide. Denn für ihn kam heraus, dass er mehr zahlen soll als bislang. „Wie kann das sein, wenn der Gaspreis sinkt?“ fragt er.

Mehr zahlen statt vom sinkenden Gaspreis profitieren: Diese Weißenfelser sind betroffen

„Es ist in der Tat so, dass von unseren 6.000 Gaskunden etwa 200 nicht von der Preissenkung profitieren“, räumt Stadtwerke-Geschäftsführer Ekkart Günther auf Nachfrage der MZ ein. Betroffen sind in erster Linie allein lebende Weißenfelser, die lediglich mit Gas kochen. Sie liegen unter der Verbrauchsschwelle von rund 1.600 Kilowattstunden im Jahr (umgerechnet zirka 160 Kubikmeter). Dass das so ist, liegt daran , dass die Stadtwerke zwar den sogenannten Arbeitspreis gesenkt haben, also das Entgelt für den tatsächlichen Verbrauch, aber im Gegenzug die Grundgebühr gerade für die Kleinkunden drastisch angehoben haben. Die haben bislang einen jährlichen Grundpreis von 19,32 Euro gezahlt, und müssen jetzt wie alle Kunden 78,60 Euro berappen. Was ab diesem Jahr weniger für den Verbrauch gezahlt wird, wiegt die Grundpreisanhebung nicht auf.

„Für den Einzelnen bedauerlich“, so der Weißenfelser Stadtwerke-Geschäftsführer Ekkart Günther

Nach den Worten des Geschäftsführers haben zwei Dinge den Ausschlag für diese neue Rechengrundlage bewirkt. „Einerseits ging es uns darum, die Aufwendungen, die wir für die Gasversorgung haben, zu decken. Andererseits um mehr Gerechtigkeit“, sagt Günther. Er meine damit, dass allein - umgerechnet pro Kunde - rund 50 Euro im Jahr nur an Netzgebühren anfallen.

Darüber hinaus habe man weitere Unkosten für Wartung, Ablesung, Rechnungslegung, Abschreibung und ähnliches. Das summiere sich zu dem neuen Grundpreis. Die andere Seite sei, dass der bisher niedrige Grundpreis für Kleinkunden eine Art Quersubventionierung gewesen sei. Die größeren Verbraucher - die schon immer einen deutlich höheren Grundpreis hatten - hätten demnach den niedrigeren der Kleinkunden mitfinanziert. Das habe man jetzt geändert. „Sicher ist das für den Einzelnen bedauerlich und schwer nachzuvollziehen“, sagt Günther. Aber man müsse bei der Kalkulation die eigenen Aufwendungen decken, anders gehe es nicht mehr.

Dabei spielt auch eine Rolle, dass es auf dem Gasmarkt mehrere Mitbewerber gibt, die versuchen, den Stadtwerken die Kunden abzujagen. Von der neuen Preiskalkulation versprechen sich die Stadtwerke für die Kunden, die mit Gas nicht nur kochen, sondern auch heizen und Warmwasser erzeugen, einen nennenswerten Spareffekt von zehn bis zwölf Prozent und damit den Anreiz, bei den Stadtwerken zu bleiben.

Die Konkurrenz lockt, je nach Verbrauchsmenge, nach wie vor mit beachtlichen Boni von 100 bis an die 500 Euro allein nur für den Anbieterwechsel, der Wettbewerb für die Stadtwerke bleibt also hart. Allerdings arbeiten auch sie mit einem Bonus für den Wechsel. 50 Euro kann man dann gewinnen.

Während der Gaspreis zumindest für die überwiegende Mehrheit der Stadtwerkekunden zu Spareffekten führt, wird es beim Strom für alle ab 1. Februar teurer. In dem Fall regeln die Stadtwerke steigende Preise auf dem Markt generell über den Grundpreis. Der wird für die Mehrzahl der 20.000 Stromkunden im meist genutzten Energy-M-Tarif um 1,79 Euro steigen, von bislang 7,08 auf 8,87 Euro pro Monat. Der Arbeitspreis für den tatsächlichen Verbrauch bleibt nach den Worten von Günther gleich.

So hoch steigt der Preis in der Grundversorgung

In der sogenannten Grundversorgung steigt der Grundpreis deutlicher, von bislang 8,33 auf 10,33 Euro pro Monat. Allerdings taugen die beiden Beispiele nicht für alle Stromverbraucher bei den Stadtwerken, da es „gerade beim Strom eine Vielzahl von unterschiedlichen Tarifen bei uns gibt“, erklärt der Geschäftsführer.

Unabhängig davon ist aber auch der Stromkunde von einer Vielzahl von Wettbewerbern umkämpft, was den Stadtwerken zu schaffen mache. Hinzu kommt laut Vertriebsmitarbeiterin Carmen Wendler, dass der Verbrauch stetig sinke. Einerseits mache sich die Umstellung von den alten Glühlampen auf LED-Leuchten bemerkbar, andererseits aber auch, dass viele Haushaltsgeräte immer effizienter werden, also bei gleicher oder besserer Leistung weniger Strom verbrauchen.

(mz)