Stadtumbau Weißenfels

Stadtumbau Weißenfels: Visionen für ein Brachland

Weißenfels - Berliner Studenten haben Ideen für das Weißenfelser Quartier „Alte Sparkasse“ entwickelt. Bis Ende April sind sie im Technischen Rathaus zu sehen.

Von Andreas Richter 09.04.2017, 14:00

Ein Tourist kommt auf dem Saaleradwanderweg nach Weißenfels und fragt nach dem „Café zum Goldenen Rad“. Eine Vision, zugegeben. Denn ein solches „Fahrrad-Café“ gibt es in der Weißenfelser Wirklichkeit von Heute nicht. Wohl aber in den Köpfen der Beuth Hochschule für Technik in Berlin. Ideen für ein Stück neu belebte Innenstadt sind bis Ende April in den Fluren des Technischen Rathauses in der Weißenfelser Klosterstraße zu sehen.

Im Jahr 2015 hatten sich Studenten des Master-Studiengangs Architektur der Berliner Hochschule im Rahmen eines Workshops mit der Revitalisierung des Quartiers „Alte Sparkasse“ nahe der großen Saalebrücke beschäftigt. Während der Landkreis das ehemalige Gebäude der Sparkasse am Niemöllerplatz ab kommendem Jahr als neues Domizil des Jobcenters ausbaut, liegt ein relativ großes Gelände südlich davon weitgehend brach. Mehrfach waren die Berliner Studenten vor Ort, um - unabhängig von den konkreten Eigentumsverhältnissen - visionäre Gedanken zur Zukunft des Areals zu entwickeln.

Ideen für Weißenfels: Anhand von Skizzen und Zeichnungen kann sich der Betrachter ein Bild davon machen

Das „Café zum Goldenen Rad“ ist nun eine davon. Anhand von Skizzen und Zeichnungen kann sich der Betrachter ein Bild davon machen, wie sich der Autor ein Radfahrer-Café auf dem Gelände eines inzwischen abgerissenen Kornspeichers vorstellt. Eine Vision ganz im Sinne von Jo Schulz.

„Bauen ist Zukunft. Ein städtebauliches Weiter so kann keine Lösung mehr sein“, sagte der Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Stadtumbau Sachsen-Anhalt bei der Eröffnung der Ausstellung der studentischen Arbeiten im Technischen Rathaus in der Klosterstraße. Soll heißen: In dem Maße wie sich Arbeit, Freizeit, Wohnen und Mobilität verändern, werden auch neue Ideen für das Bauen in einer „klassischen kompakten europäischen Stadt“ wie Weißenfels gefragt sein.

Ideen für Weißenfels: Kleine Ein-Familien-Häuser gruppieren sich um einen freien öffentlichen Raum

Und so ließen denn die jungen Leute ihre Blicke voraus schweifen. Entwickelten Skizzen für ein Jugendzentrum in einer Stadt, der es an Orten der Begegnung für junge Leute wahrlich mangelt. Oder sie erarbeiteten Vorschläge für besondere Formen des gemeinschaftlichen Wohnens: Kleine Ein-Familien-Häuser gruppieren sich um einen freien öffentlichen Raum, der der Kubatur des ehemaligen Kornspeichers nachempfunden ist.

Ein interessanter Anreiz für innerstädtisches Bauen: Im gesamten Baugebiet werden Fundamente und Hausanschlüsse vorbereitet. Interessenten können sich aus einem Katalog verschiedene Teile ihres Hauses aussuchen, die binnen kürzester Zeit in Leichtbauweise errichtet werden können.

Visionen für ein Brachland in Weißenfels

Aufschlussreich auch der Ansatz der Studenten, dass nicht zu jedem Haus in jedem Fall zwingend ein eigener Pkw-Stellplatz gehören muss. Viel mehr als bisher dürften Autos künftig gemeinschaftlich genutzt werden, glaubt Schulz.

Im Herbst vergangenen Jahres hatten Studenten die Visionen für ein Brachland in Weißenfels bereits auf einer Veranstaltung in der „Möwe“, der Landesvertretung Sachsen-Anhalts in Berlin, einem größeren Publikum vorgestellt. „Jetzt kommen die Ideen zurück“, sagte der Chef des Kompetenzzentrums bei der Präsentation in Weißenfels, die Professorin Mara Pinardi von der Berliner Hochschule übernommen hatte. Zugleich machte Schulz deutlich: „Die Vorschläge der Studenten werden nicht in der nächsten Woche umgesetzt.“ Sollen es doch vielmehr Denkanstöße sein, wie ein Problemquartier der Stadt künftig einmal aussehen könnte. (mz)