St.-Claren-Kloster

St.-Claren-Kloster: Herberge rechnet sich nicht

Weissenfels - Die Betreibung einer Musikerherberge im Weißenfelser Kloster St. Claren ist aus wirtschaftlicher Sicht wenig sinnvoll. Das geht aus einer Berechnung hervor, die die ÖPP AG erstellt hat. Die Stadt Weißenfels hatte das Beratungsunternehmen für öffentliche Auftraggeber beauftragt, eine Wirtschaftlichkeitsrechnung aus dem Jahr 2014 zu ...

Von Andreas Richter 13.11.2016, 07:00

Die Betreibung einer Musikerherberge im Weißenfelser Kloster St. Claren ist aus wirtschaftlicher Sicht wenig sinnvoll. Das geht aus einer Berechnung hervor, die die ÖPP AG erstellt hat. Die Stadt Weißenfels hatte das Beratungsunternehmen für öffentliche Auftraggeber beauftragt, eine Wirtschaftlichkeitsrechnung aus dem Jahr 2014 zu aktualisieren.

Die Annahmen der Berater: eine Herberge mit 160 Betten, darunter je 80 in Doppel- und Mehrbettzimmern. Betrachtet wurden zudem zwei Varianten. Variante A: Vollpension mit einem fiktiven Preis von 21,70 Euro pro Person und Nacht, Variante B: Übernachtung mit Frühstück (fünf Euro pro Person und Nacht).

Dabei sind die Berater von einer Bettenauslastung von 50 Prozent ausgegangen. „Das ist schon eine sehr ambitionierte Annahme“, sagte Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) im Stadtrat, in dem die Berechnung am Donnerstagabend vorgestellt wurde. Er verwies darauf, dass die durchschnittliche Bettenauslastung in Hotels der Umgebung derzeit bei etwa 41 Prozent liege.

Den fiktiven Einnahmen haben die Prüfer geschätzte Sanierungskosten für das Gebäude in Höhe von 15 bis 16 Millionen Euro sowie andere Kosten für die spätere Betreibung der Herberge wie Betriebskosten und Personalaufwand gegenüber gestellt. Ihr Fazit: Ein solches Haus ließe sich unter den angenommenen Voraussetzungen kaum wirtschaftlich betreiben.

Der Weißenfelser OB sieht sich durch die Wirtschaftlichkeitsrechnung darin bestätigt, dass er nur „äußerst geringe Realisierungsmöglichkeiten“ für eine Musikerherberge im Kloster sieht. Er erklärte zugleich, dass er in Absprache mit dem Bürgerverein weiter mit dem Landkreis über die Zukunft des Klosters verhandeln wolle. Im Gespräch ist die Nutzung des Gebäudes als Erweiterungsbau des benachbarten Goethegymnasiums.

Der Weißenfelser Bürgerverein Kloster St. Claren bemüht sich seit mehreren Jahren um eine Wiederbelebung des ältesten Gebäudes der Stadt am Rosalskyweg. Seine Vision: Chöre aus ganz Deutschland sollen im Kloster die Möglichkeit bekommen, zu musizieren, zu proben und zu übernachten. Die Stadt, allen voran OB Risch, zweifelt jedoch die Rentabilität dieses Vorhabens an. (mz)