Sportvereine in Weißenfels

Sportvereine in Weißenfels: Beteiligung an Betriebskosten wird verdoppelt

Weißenfels - Die Beteiligung der Sportvereine in Weißenfels an den Betriebskosten wird verdoppelt. Bei einer nicht öffentlichen Beratung des Betriebsausschusses mit Vereinsvertretern am Dienstag ist im Grund die Entscheidung gefallen.

Von Birger Zentner 29.09.2016, 04:00

Auch wenn noch kein Beschluss gefasst ist, es wird so kommen. Die Beteiligung der Sportvereine in Weißenfels an den Betriebskosten wird verdoppelt. Konkret bedeutet das: Sie werden künftig pro erwachsenem Mitglied zehn statt fünf Euro Betriebskostenpauschale pro Jahr an den Sport- und Freizeitbetrieb überweisen. Bei einer nicht öffentlichen Beratung des Betriebsausschusses mit Vereinsvertretern am Dienstag ist im Grund die Entscheidung gefallen.

„Wir haben von den Vereinen Zustimmung erfahren. Die Teilnehmer haben Bereitschaft gezeigt, den Weg mitzugehen“, sagte die Leiterin des städtischen Eigenbetriebs Viola Schikorr auf Nachfrage der MZ am Mittwoch. Allerdings dürfte das bei einigen zähneknirschend erfolgt sein.

Und in dem einen oder anderen Verein wird das im nächsten oder übernächsten Jahr zur Erhöhung der Mitgliedsbeiträge führen. „Darum werden wir nicht herumkommen“, erklärte zum Beispiel Bernd Otto, Vorsitzender des SV Rot-Weiß Weißenfels. „Wir haben eng kalkuliert. Für Mehrausgaben reichen die 7,50 Euro pro Monat je erwachsenem Mitglied nicht aus“, sagte er. Allerdings wisse er auch, dass dann immer noch die Beiträge moderat seien. Er habe bei einem Besuch bei den Kickers Markkleeberg gesehen, dass dort die Beiträge deutlich höher liegen. Mit den 90 Euro pro Jahr im Moment sei das Sporttreiben für die Mitglieder von Rot-Weiß bezahlbar.

Meinungen gehen auseinander

Innerhalb der Weißenfelser Sportwelt gehen die Meinungen zur geplanten Erhöhung allerdings auch auseinander. Christian Kuhnt, Vorsitzender des Weißenfelser Handballvereins, findet den Vorschlag des Eigenbetriebs durchaus nachvollziehbar. „Wir tragen den mit“, sagte er. Ob das Steigerung der Mitgliedsbeiträge nach sich ziehen könnte, darüber habe man im Verein noch nicht gesprochen. Man müsse aber auch den Gesamtzusammenhang sehen. Die Anhebung der Betriebskostenpauschale führe zwar dazu, dass sich die Beteiligung der Vereine von 8.000 auf 16.000 Euro erhöht, aber die Gesamtbetriebskosten für die Plätze und Hallen betragen schließlich 1,2 Millionen Euro im Jahr.

Christian Brestrich, Vorsitzender des SSV Einheit Weißenfels, sieht viele Dinge ähnlich, glaubt aber auch, dass sich das auf die Mitgliedsbeiträge auswirken wird. Beim SSV zahlen derzeit die erwachsenen Mitglieder, die sich im Wettkampfbetrieb befinden, 13 Euro pro Monat, die reinen Freizeitsportler fünf Euro. „Ich verstehe aber die Stadt beziehungsweise den Eigenbetrieb, dass es die Pläne zur Erhöhung der Pauschale gibt.“

Als akzeptabel empfindet das Vorgehen auch der Geschäftsführer des Mitteldeutschen Basketball Clubs Martin Geissler. „Wir haben zwar für den Spielbetrieb der ersten Mannschaft, der über eine GmbH organisiert wird, einen gesonderten Vertrag, zahlen aber auch für den Kinder und Jugendsport im eingetragenen Verein freiwillig eine Betriebskostenbeteiligung“, legte er dar. Für die Auftritte der Elite-Basketballer in der Stadthalle zahle man Hallenmiete und Anteile an den Zuschauereinnahmen. Selbst in dem Fall aber sei das nicht kostendeckend für den Eigenbetrieb. Der ist daher sozusagen auch Sponsor des MBC.

Kostendeckend ist aber eben auch die Pauschale nicht. Sie beträgt lediglich 1,33 Prozent der tatsächlichen Betriebskosten für die Hallen und Plätze. „Dafür bekommen die Sportvereine in Weißenfels eine nahezu perfekt Plattform für Training und Wettkämpfe“, sagte Geissler. Er komme mit dem MBC viel rum und könne im gesamtdeutschen Vergleich sagen, dass die Sportstätten in der Stadt eine sehr hohe Qualität haben.

Dem kann sich auch Steffen Deibicht nicht verschließen, der von sich sagt, dass er hin- und hergerissen sei. Er ist einerseits für die Linke Stadtrat in Weißenfels, andererseits Mitarbeiter im Kreissportbund. Er war bei der Beratung am Dienstag ebenfalls dabei. „Eine Mehrheit der Vereinsvertreter akzeptiert die Pläne“, sagte er. Allerdings gebe es aus Sicht des Kreissportbundes durchaus noch Fragen zu einem anderen Planteil des Eigenbetriebs. Dabei geht es darum, Vereinen, die Anlagen nahezu allein nutzen, 100 Prozent der Betriebskosten aufzuerlegen.

„Noch gibt es keinerlei Beschluss“, sagte Betriebsleiterin Schikorr. Sie räumt allerdings ein, dass es aufgrund der Aussagen bei der Klausurberatung am Dienstag mit großer Wahrscheinlichkeit so kommen wird, dass die Pauschale von fünf auf zehn Euro angehoben wird. Offenbar vom Tisch scheint dagegen eine Pauschale für Kinder und Jugendliche zu sein. „Der Bereich bleibt unangetastet“, sagte Schikorr. Dieses Signal kam bei den Vereinen gut an.

Voraussichtlich im November könnte der entsprechende Beschluss im Betriebsausschuss des Eigenbetriebs fallen. Zum Beginn des zweiten Halbjahres 2017 würde er vermutlich wirksam werden. „Das gibt den Vereinen Zeit, interne Regelungen zu fällen“, begründete Schikorr die wahrscheinliche Zeitschiene. (mz)