Sozialarbeiterin bekommt Ehrennadel

Sozialarbeiterin bekommt Ehrennadel: Seit 20 Jahren einmal im Monat nach Weißenfels

Weißenfels - Die Sozialarbeiterin hat die Ehrennadel der Stadt erhalten. Warum sie seit 20 Jahren einmal im Monat nach Weißenfels kommt.

Von Andreas Richter 19.09.2019, 12:30

Es gibt in überhitzten Zeiten noch so etwas wie Beständigkeit. Wenn jemand ein Beispiel dafür sein kann, dann Bettina Krause. Immerhin leitet die heute 58-Jährige seit 1986 die sogenannte Roller-Latscher-Gruppe behinderter und nicht behinderter Menschen in Weißenfels. Für ihr langjähriges Engagement wurde sie beim jüngsten Schlossfest mit der Ehrennadel der Stadt Weißenfels ausgezeichnet.

Das Bemerkenswerte: Seit zwanzig Jahren lebt Bettina Krause schon gar nicht mehr in der Saalestadt. Und trotzdem kommt sie einmal im Monat von ihrem Wohnort im Altenburger Land in die Saalestadt, um sich mit der Gruppe im „Alten Brauhaus“ im Zentrum zu treffen. „Die Menschen sind mir einfach ans Herz gewachsen“, bekennt die Sozialarbeiterin, die in einer Familienberatungsstelle der Diakonie in Gera beschäftigt ist.

Angefangen hatte alles 1986

Angefangen hatte alles 1986. Da kam Bettina Krause frisch vom Studium der kirchlichen Sozialarbeit in Potsdam nach Weißenfels. An der Kreisstelle der Diakonie hat sie sich um Behinderte, Alte und psychisch Kranke gekümmert. Die Betreuung der Roller-Latscher-Gruppe, deren Wurzeln in der evangelischen Jungen Gemeinde liegen, war zunächst Teil ihrer Arbeit. Nach der Wende, in einer Zeit mit verschiedenen beruflichen Stationen, kümmert sich Bettina Krause ehrenamtlich weiter um die Gruppe. „Ich wollte sie einfach nicht im Stich lassen“, sagt sie heute.

„Nach der Wende hatten wir den größten Zuspruch“, erinnert sich Gunar Möller, der 1993 zur Truppe gestoßen ist. Zwischenzeitlich seien es bis zu 40 Leute gewesen, darunter auch etliche Nichtbehinderte. „So konnten wir uns oft gegenseitig helfen“, erzählt Möller. Heute ist er der Mann vor Ort, kümmert sich um den Schriftkram und hält den Kontakt zu Bettina Krause.

Gemeinsam haben sie viele schöne Erinnerungen

Gemeinsam haben sie viele schöne Erinnerungen. An zahlreiche Fahrten in den 90er und 2000er Jahren. An die Ostsee oder in die hessische Rhön. 2006 führte die letzte Behindertenfreizeit ins Zittauer Gebirge. Mittlerweile ist für die rund 20-köpfige Gruppe manches schwieriger geworden. Weniger Geld, weniger Helfer, hohe logistische Anforderungen - die Zeiten der regelmäßigen Fahrten sind vorbei. Da war die Dampferfahrt auf dem Markkleeberger See im vergangenen Jahr eine willkommene Bereicherung.

„Wir zehren viel von den Erinnerungen“, sagt Bettina Krause. Dankbar sind sie, dass sie im Weißenfelser „Alten Brauhaus“ einen beständigen Treffpunkt haben. Seit Eröffnung des Gasthauses im Jahr 1994 treffen sie sich dort einmal im Monat freitags. Tauschen sich aus über Gott und die Welt, über die große Politik und das Leben im Kleinen. Das „Alte Brauhaus“ soll auch ihr Domizil bleiben, wenn jetzt im Herbst der Inhaber wechselt.

Auch Bettina Krause wird ihre Schritte weiter dorthin lenken. „Solange es noch Menschen gibt, die sich freuen, wenn ich nach Weißenfels komme, bin ich wieder da“, sagt die Sozialarbeiterin. Dabei beschränkt sich ihr Einsatz nicht auf die Roller-Latscher-Gruppe. „Wenn ich freitags nach Weißenfels komme, dann besuche ich meist noch zwei, drei andere Menschen in der Stadt, die ich von früher kenne“, erzählt sie. Menschen, die sie nicht im Stich lassen will. (mz)