Solidarische Landwirtschaft gegründet

Solidarische Landwirtschaft gegründet: „Man weiß, wo das Obst und Gemüse herkommt“

Weißenfels - In Langendorf soll eine solidarische Landwirtschaftsgenossenschaft entstehen. Die Gründer sprechen über das Konzept und was sie vorhaben.

Von Meike Ruppe-Schmidt 07.06.2019, 05:00

Noch ragen rostige Metallstangen brachliegender Gewächshäuser in die Luft. Doch schon bald soll das Gelände rings um die einstige LPG-Gärtnerei in Langendorf wieder neu erblühen. Zumindest wenn es nach Sebastian Belger, Kathrin Kraft sowie Senia und Christoph Silber geht. Die vier Langendorfer bilden das Gründungsteam der sogenannten Solawi - eine solidarische Landwirtschaft, die schon bald in dem Dorf entstehen soll.

Was sich hinter dem Konzept verbirgt? „Bei einer Solawi tragen mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs. Dafür erhalten sie dann im Gegenzug dessen Ernteertrag“, erklärt Sebastian Belger. Er ergänzt: „Das heißt, die Mitglieder zahlen einen festen Beitrag und die gesamte Ernte wird dann unter allen Mitgliedern aufgeteilt.“ Ein Konzept, das keineswegs neu ist. Bereits 245 solcher Solawis gibt es inzwischen in ganz Deutschland. Hinzu kommen weitere Organisationen unter anderem in Österreich oder auch der Schweiz. „In unserer Region ist das Konzept allerdings noch nicht verbreitet“, sagt Belger.

„Man weiß, wo das Obst und Gemüse herkommt, das auf dem Teller landet“

Das soll sich nun in Langendorf demnächst ändern. Denn die Vorteile des Konzepts liegen für die Solawi-Gründer ganz klar auf der Hand: „Man weiß, wo das Obst und Gemüse herkommt, das auf dem Teller landet“, verdeutlicht Senia Silber. Somit habe man die Möglichkeit, sich regional, saisonal und auch ökologisch zu ernähren. Damit leisten Beteiligte außerdem noch einen weiteren Beitrag für den Umweltschutz. „Zudem wird durch das Engagement das Dorf verschönert“, findet Sebastian Belger.

Als Anbaufläche soll ein Grundstück der ehemaligen Gärtnerei hinter dem Langendorfer Blumenstübchen dienen, das sich entlang des Greißlaubachs erstreckt. Das Gelände gehört der Langendorfer Agrargenossenschaft. „Dort steht man den Plänen positiv gegenüber“, sagt Belger.

„Wir wollen uns zunächst auf den Anbau von Obst und Gemüse konzentrieren“

Noch müssen allerdings die Nutzungsrechte für den vorgesehenen einen Hektar Land mit der Agrargenossenschaft Langendorf geklärt werden. „Wir wollen uns zunächst auf den Anbau von Obst und Gemüse konzentrieren, vielleicht auch etwas Exotisches anpflanzen. Dabei gehen wir auch stark auf die Wünschen der Mitglieder ein. Je nach Ertragsmenge sollen die Mitglieder dann ein bis zweimal pro Woche einen frischen Erntekorb zum Verzehr erhalten.“ Auch wenn viele Fragen noch offen sind, konnten die idealistischen Gründer schon 15 Mitglieder für ihr Organisationsteam gewinnen.

Am 22. Juni lädt die Solawi zudem alle, die sich für das Konzept interessieren oder daran teilnehmen wollen, zu einer Informationsveranstaltung um 10 Uhr in der alten Gärtnerei in Langendorf ein. „Wir würden uns freuen, wenn dabei wir auf ein großes Interesse stoßen“, so Belger. Nachdem man bis zum Jahresende das Organisationsmodell klären möchte, soll im kommenden Frühjahr bereits mit dem Anbau der ersten Obst- und Gemüsesorten begonnen werden.

„Wer etwas verändern möchte in der Welt, der muss bei sich selbst anfangen.“

Für Gründungsmitglied Senia Silber geht dann ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: „Mir hat es immer weh getan, wenn ich von meinem Wintergarten aus auf das schöne Fleckchen inmitten des Dorfes sah, welches leider nicht sinnvoll genutzt wird“, sagt Senia Silber. Sie und ihr Mann Christoph versorgen sich bereits seit mehreren Jahren weitestgehend selbst mit Obst- und Gemüse aus dem eigenen Garten.

Doch warum wollen sie sich nun trotzdem für die Solawi in ihrem Ort engagieren? „Wir haben mehrere Enkelkinder und möchten, dass sie in einer Welt aufwachsen, wo die Umwelt und Natur weitestgehend intakt sind“, erklärt Silber. „Außerdem wollen wir ihnen Nachhaltigkeit vorleben.“ Und Sebastian Belger ergänzt: „Wer etwas verändern möchte in der Welt, der muss bei sich selbst anfangen.“

››Infoveranstaltung Solawi, 22. Juni um 10 Uhr in der Gärtnerei in Langendorf. Kontakt per Email: solawi-langendorf@web.de, Weitere Informationen gibt es im Internet unter: www.solidarische-landwirtschaft.org (mz)