Schütz-Musikfest

Schütz-Musikfest: Bis zum tosenden Applaus

Weißenfels - Ensemble begeistert in der Weißenfelser Schlosskirche. Klosterverein ist erstmals Gastgeber und präsentiert ein völlig anderes Programm.

Von Holger Zimmer 15.10.2018, 08:54

Mit einem Gottesdienst fand das Heinrich-Schütz-Musikfest in Weißenfels am Sonntag seinen Abschluss. Einen emotionalen Höhepunkt erfuhr es aber schon am Samstagabend in der Schlosskirche. Es war ein künstlerisch-furioses Finale, das das  italienische Ensemble „La Venexiana“ bot. Das Publikum versagte sich zwar bei Schütz’ Hohelied, das die Tenöre Alessio Tosi und Luca Dordolo interpretierten, noch den Beifall. Doch nach dem offiziellen Schlusspunkt „Von Gott will ich nicht lassen“, das ebenfalls von Schütz stammt, gab es kein Halten mehr.

Die Besucher ließen  tosenden Applaus folgen und mit den  Füßen den Boden der Schlosskirche erbeben. Und tatsächlich gab das Ensemble noch eine mitreißende Zugabe, in der es um Liebe und Krieg ging. Danach wurden die Gäste in die Nacht entlassen. Unter ihnen war auch Johannes  Kreis, der langjährige Vorsitzende des Weißenfelser Schütz-Musikvereins, der  am Vorabend  im Claren-Kloster schon das Konzert von „Die Grenzgänger“ mit verschollenen  Liedern aus der Zeit des Ersten Weltkrieges erlebt hatte. 

Cellistin: „Ich bin mit dem Fahrrad aus Jena gekommen.“

Auch das passte zum Fest-Titel „Verley uns Frieden“, wenn auch aus anderem Blickwinkel, wie Johannes Kreis sagte. Was ihn dann am Sonnabend gereizt habe, sei vor allem der Komponist Claudio Monteverdi gewesen, der wie Schütz die Zeit des Dreißigjährigen Krieges erlebt hat. Von ihm ließ sich Schütz bei einem Aufenthalt 1628/29 in Venedig inspirieren, äußerte  Kreis nach dem Konzert. Das wollte sich auch Katharina Petzold nicht entgehen lassen.

Die Cellistin sagte: „Ich bin mit dem Fahrrad aus Jena gekommen.“ Sie  hatte am Freitagabend das Konzert im Zeitzer Dom besucht und war am Sonnabend nach Weißenfels weitergefahren. Bis zu 5.000 Kilometer ist sie im Jahr auf dem Zweirad unterwegs, fuhr nach dem Konzert aber  mit dem Zug heim. Sie spielt vor allem klassische Musik in verschiedenen Ensembles, insofern sei die alte Musik von Schütz und Monteverdi durchaus etwas Besonderes  für sie, weil sie nicht so oft zu hören wäre.

Ensemble-Leiter Gabriele Palomba spielt die Theorbe

Ensemble-Leiter Gabriele Palomba, der die Theorbe spielte, sagte, dass Monteverdi durchaus die Auswirkungen des  Krieges erfahren habe. Er schrieb weltliche und geistliche Werke und Palomba verwies auf   Musik, zu der das einfache Volk letztlich nur in Kirchen Zugang hatte. Für die damaligen Menschen sei das etwas Einzigartiges und Musik für den Augenblick gewesen. Neben Kirchenmusik machte sich der Komponist  auch um die Oper verdient und war um verständliche Texte bemüht.  Das Ensemble gastierte  zudem in Amerika und wurde vor allem in Mexiko gefeiert.

„Maikäfer flieg“ gehörte zu jenen Liedern, die „Die Grenzgänger“ im Weißenfelser Kloster zu Gehör brachten. Laut EnsembleLeiter Michael Zachcial gibt es die Gruppe bereits seit 30 Jahren. Sie spielte Lieder, die in Kriegszeiten vom Volk gesungen wurden, selbst Kinder- und  Liebeslieder waren dabei. Die Titel für ihr nunmehr sechstes Programm stammen laut Bandchef auch aus dem Freiburger Volksliederarchiv.

Und Zachcial fragt sich, warum sich Iren regelmäßig zum Musizieren und Singen treffen, es aber in Deutschland keine vergleichbare Tradition gibt.  Für Kloster-Vereinschef  Olaf Brückner bot das Schütz-Musikfest doppelten Grund zur Freude. Am Freitag war das Kloster erstmals selbst Veranstaltungsort und am Freitag konnte er in der Frauenkirche in Dresden das Festkonzert zum 20. Schütz-Fest erleben. (mz)